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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 20.07.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.07.2011:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Die Eurozone und die USA sind zu einem einzigen Tollhaus verkommen

Das bezieht sich nicht auf die Privatwirtschaft bzw. die Unternehmen, sondern auf die Finanz- und Wirtschaftspolitik beider Regionen. Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, wie robust sich die Aktienmärkte präsentieren. Staatsanleihen wird Zug um Zug das Vertrauen entzogen. Die Alternative ist der Aktienmarkt. Zu den jüngsten Ereignissen:

 

Macht Helikopter-Ben seinem Namen alle Ehre? Die Märkte sind jedenfalls wieder komplett irritiert. Noch Mitte letzter Woche stellte Ben Bernanke eine neue geldpolitische Lockerung in Form eines neuen Anleihenrückkaufprogramms in Aussicht, wenn die Wirtschaft weiter schwächeln sollte. Einen Tag später wiederum gab er zum besten, dass es derzeit keine Pläne für ein neues Rück- kaufprogramm gäbe. Wir vermuten, dass es in jedem Fall, wahrscheinlich inkognito, neue Rückkäufe geben wird. Wer soll an- gesichts dieses Tohuwabohus (der Streit um die Schuldenobergrenze kommt noch dazu) ernsthaft US-Staatsanleihen kaufen? Schließlich stand die Fed im Rahmen von QE2 für über 80 % der US-Anleihenkäufe.

In eine neue Dimension ist jetzt die europäische Staatsschuldenkrise eingetreten.

Langsam aber sicher dämmert es den verantwortlichen Akteuren, dass die Pleite Grie- chenlands in Form eines Schuldenerlasses um mindestens 50 % nicht mehr abzuwenden ist. Was Angela Merkel vor einigen Wochen noch kategorisch ausgeschlossen hat, ist heute eine denkbare Option. Auch Martin Blessing, Chef der Commerzbank, spricht sich inzwischen für solch einen Schritt aus und sorgte damit für den nächsten Kursrutsch seiner Aktie. Weiter:

In Portugal und Irland brennt wieder der Baum. Beide werden wohl um ein zweites Ret- tungspaket nicht herumkommen. Davon gehen die so gescholtenen Ratingagenturen aus. Damit es sich auch lohnt, muss Italien gleich mit in den Abgrund gezogen werden. „Mr. DAX“ alias Dirk Müller jedenfalls posaunt heraus, dass auch Italien nicht mehr zu retten sei. Da man keinen Rettungsschirm über 1,8 Bio. € Staatsschulden ziehen kann, ist da wohl nichts mehr zu machen - oder? Machen wir es nicht dramatischer als es ist:

Italien wird sich selber retten. Davon sind wir überzeugt. Kein anderes Volk in Europa kommt mit Staats- und Verschuldungskrisen so gut zurecht wie die Italiener. 120 % Schulden zum BIP sind kein Novum. 1996 hatte Italien über 1,2 Bio. € Schulden und ein Haushaltsdefizit von 7 % - allerdings bei einem extrem hohen Zinsniveau, so dass die jährliche Schuldenlast sich auf 115 Mrd. € belief. Heute liegt dieser Wert bei rund 100 Mrd. €, also tiefer als 1996, und das bei einer kaum verschuldeten Privatwirtschaft.

Fazit: Für den Aktienmarkt ist der Vertrauensverlust der Staatsanleihen und die Unfähigkeit der Politik langfristig ein Glücksfall. Die Aktienquoten werden deutlich zulegen. Gleichwohl können wir kurzfristige Verwerfungen an den Märkten über den Sommer weiterhin nicht ausschließen. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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