Die Champions der deutschen Biotechbranche

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 12.06.2013
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Vorab: Die Branche ist im Vergleich zu ihrer amerikanischen Konkurrenz in einem desolaten Zustand. Grund ist die zunehmende Komplexität der Medikamentenentwicklung in Form von hohen Entwicklungsrisiken, langer Dauer und extremer Kostensteigerungen und eine dazu kommende Finanzierungsschwäche. Fortschritte bei neuen Therapeutika sind rar. Im Jahr 2012 gab es keine Marktzulassungen und deutliche Einbußen von 14 auf 9 Wirkstoffe in der marktnahen Phase III der klinischen Entwicklung. Insgesamt haben deutsche Biotechunternehmen in 2012 fast eine halbe Milliarde Euro verbrannt, nach 420 Mio. € in 2011.


Die Risiken bei Einzelwerten der Branche sind hoch. Floppt ein Medikament in der klinischen Phase, kann man viel Geld verlieren. Für viele Unternehmen bedeutet das dann oft das Ende. Selbst in der letzten Phase der klinischen Entwicklung, der Phase III, beträgt das Fehlschlag-Risiko 50 bis 60 %. Und dennoch:

Langfristig sprechen viele Trends für Biotech. In den Industrieländern steigt die Nachfrage nach Medikamenten, da die Bevölkerungen altern. Und in den Schwellenländern treiben der Ausbau des Gesundheitssystems und der steigende Wohlstand den Absatz von Biotech-Mitteln. Von Wirtschaftskrisen dürfte der Sektor verschont bleiben. Auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl von börsennotierten Biotechwerten. Welche bieten Chancen, und von welchen sollte man die Finger lassen?

QIAGEN (WKN: 901 626; 14,12 €) ist bereits seit langem profitabel. Das Unternehmen ist weltweit führender Anbieter von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien. Mit diesen Technologien werden Biomoleküle wie DNA, RNA und Proteine isoliert und sichtbar gemacht. Zuletzt gab es jedoch Hinweise darauf, dass es zu einer Kräfteverlagerung bei der Preissetzungsmacht verschiedener Tests kommen könnte. So hat der wichtige US-Kunde Quest sein Sortiment um einen Test für Gebärmutterhalskrebs eines Konkurrenten erweitert. Das betroffene Umsatzvolumen beziffert Qiagen zwar nur auf rund 2 % des Gesamtumsatzes. Fazit: Der negative Beigeschmack weiterer potenzieller Einschläge bleibt. Auch die Markttechnik überzeugt nicht.

MORPHOSYS (WKN: 663 200; 39,55 €) wird als heißer Übernahmekandidat gehandelt. Die Aktie hat aber mehr zu bieten als reine Übernahmefantasie. Durch die Nutzung eigener und lizenzierter Patente gelang es Morphosys führend im Bereich therapeutischer Antikörper zu werden. Die Datenbank gilt als einzigartig und die Kasse klingelt (Morphosys arbeitet profitabel). Der Medikamenten-Entwickler hat nun einen Entwicklungs- und Vermarktungsvertrag mit GlaxoSmithKline für einen eigenen entwickelten Wirkstoff (Antikörper Mor103 ) abgeschlossen. Der Vertrag bringt Morphosys 22,5 Mio. € sofort sowie weitere potenzielle 423 Mio. € an Meilensteinzahlungen. Damit summiert sich die Summe möglicher Meilensteinzahlungen in den nächsten Jahren auf über 2 Mrd. €. Novartis ist mit 6,4 % beteiligt. Astrazeneca hält 5 %. 61 % der Anteile sind im Streubesitz. Damit ist Morphosys ein ernsthafter Übernahmekandidat. Fazit: Die Aktie hat weiteres Kurspotenzial.

Auch BIOTEST (WKN: 522 720; 56 €) ist ein Weltmarktführer. Das Unternehmen ist Spezialist für innovative Hämatologie und Immunologie. Wichtigster Ausgangsstoff für die Biotest-Pharmazeutika ist menschliches Blutplasma, das man zu wirksamen und hochreinen Medikamenten verarbeitet. Biotest ist sehr profitabel und verdiente 2012 vor Steuern 36,5 Mio. €, was einem Plus von 28 % entsprach. Als einziges deutsche Biotech-Unternehmen zahlt Biotest eine Dividende (zuletzt 50 Cent je Stamm- und 56 Cent je Vorzugsaktie). Die Produktpipeline ist prall gefüllt. Die jüngste Kapitalmaßnahme dient der Produktionsausweitung, welche langfristig zu höheren Umsätzen und Gewinnen führen wird. Das KGV von 19 ist im Branchenvergleich moderat. Zuletzt gab es Insiderkäufe seitens eines Vorstandes zu 55,60 €. Fazit: Der Aufwärtstrend bei Biotest wird sich weiter fortsetzen. Biotest bleibt ein attraktives Investment. Wir favorisieren die Stammaktien.

CYTOTOOLS (WKN: A0K FRJ; 31,35 €) - Kursexplosion möglich. Das Unternehmen generiert noch keine nennenswerten Umsätze, könnte aber unmittelbar vor einem wichtigen Meilenstein stehen. Derzeit befi ndet man sich in Europa und in Indien in der Phase-III-Studie des Wundheilungswirkstoffes DermaPro(R). Nach den herausragenden Ergebnissen der vorangegangenen Studien werden dem Wirkstoff gute Chancen auf eine Zulassung vorhergesagt. Chronische und schlecht heilende Wunden an den Beinen und Füßen, wie sie insbesondere in Folge von Diabetes auftreten (diabetisches Fußsyndrom), stellen weltweit ein immer größeres, sehr ernst zu nehmendes medizinisches Problem dar. Laut aktuellen Untersuchungen der ‚International Diabetes Federation‘ hat die Gesamtanzahl an Diabetikern im Jahr 2012 weltweit die Marke von 370 Millionen überschritten. Daraus resultiert ein gigantisches Marktpotenzial. Da es derzeit keine Alternativen zu DermaPro gibt, würde Cytotools eine Alleinstellung am Markt zukommen. Fazit: Spekulativ und explosiv!

Chancenreich sind auch EVOTEC (WKN: 566 480; 2,79 €) und MOLOGEN (WKN: 663 720; 14,29 €). Evotec bietet erfolgreich Forschungsdienstleistungen an und entwickelt Produkte, die man zu einem sehr frühen Zeitpunkt auslizenziert. Die Liste von Evotecs Partnern der internationalen Pharmaindustrie ist beeindruckend. Mologen arbeitet an einer Technologie, die das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung von Krebszellen animiert. Zuletzt präsentierte man hervorragende Ergebnisse zu zwei Krebsmedikamenten. Analysten rechnen noch in diesem Jahr mit einer lukrativen Pharmapartnerschaft. Dagegen würden wir von Titeln wie 4 SC, Medigen, Paion oder Wilex Abstand nehmen. Die Risiken sind einfach zu hoch.

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