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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 07.01.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 07.01.2010:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Die Börse läuft der Entwicklung in der Real- wirtschaft wie immer voraus

Eine Binsen- wahrheit, aber in diesenTagen gültiger denn je. In den Rezessionen der letzten 50 Jahre haben die Märkte in der Regel schon drei bis fünf Mo- nate vor dem Verlassen der Zone negativen Wachstums die Märkte bereits wieder nach oben gedreht.

Eine signifikante Ausnahme die- sesTatbestandes war nur Anfang des vergan- genen Jahrzehnts zu beobachten. Die damali- ge Verspätung resultierte allerdings aus der Un- sicherheit bezüglich der politischen Großwetter- lage (Irak) sowie der Zwangsexekution großer Portfolios (beispielsweise der Versicherer) durch die Börsenaufsichtsbehörden. Auch in 2009 war dieser Prozeß mustergültig zu beobachten. Im März startete die Rally, die durch positive Wachstumszahlen für das dritte Quartal bestä- tigt wurde. Also alles „in Butter“? Das endgültige Ende der Rezession entscheidet sich am US-Immobilienmarkt. Dort hat der Abschwung seinen An- fang genommen, dort wird er auch sein Ende finden. In un- seren Briefen hatten wir beschrieben, daß vor allem die Lea- ding Indicators ein exzellenter Indikator für eine Wende wa- ren. Wir hatten diese im letzten Jahr begleitet, entsprechend gut gelang das Timing bezüglich der März-Rally. Für das Finetuning schauen wir nun noch genauer auf die Verkäufe neuer Häuser in den USA. Ohne eine Erholung in diesem Sektor wird der Aufschwung nicht von Dauer sein kön- nen, ein „double dip“ im Bereich des Möglichen, wobei das „zweite Standbein“ der Rezession nie tiefer führt als das erste. Woran hängt der Häusermarkt? Wo sind Bela- stungen? Die Lage am Beschäftigungsmarkt ist nach wie vor die größte Hypothek für die Weltwirtschaft. Das gilt insbesondere für die USA: Einige Ökonomen rechnen zu den 10 % offizieller Arbeitslosigkeit noch die 7,5 % hinzu, die gerne mehr arbeiten würden, es aber nicht können. Die Zahl vergleicht sich mit den 25 % während der Gro- ßen Depression in den 30er Jahren. Dieser Umstand plus die völlig andere, bessere Reaktion der Regierungen und Notenbanken (Fluten der Märkte mit Kapital, Verzicht auf Protektionismus) lassen uns zu der Überzeugung kom- men, daß die mittelfristigen Konsequenzen des Einbruchs weitaus schwächer ausfallen als vor 80 Jahren. Was heißt das für die Börse? Die aktuelle Erholung läuft wesentlich länger und um- fangreicher als jede Bärenmarkt-Rally seit der großen Depression. Der Chart zeigt den außergewöhnlichen Cha- rakter des aktuellen Aufschwungs. Sind alle Befürchtun- gen bezüglich Beschäftigung und Konsum entsprechend Makulatur? In Europa kommen die Ängste gedämpft an. Die GfK erklärte den jüngsten Rückgang bei ihrem Konsum- klima-Index mit Ängsten vor Arbeitslosigkeit. Das verwun- dert zum jetzigen Zeitpunkt, da in Deutschland in den letz- ten vier Monaten die Arbeitslosigkeit zurückging. Das hat allerdings auch demographische Gründe. Netto scheiden jedes Jahr 150.000 Menschen aus dem Erwerbsleben aus. Trotzdem sind die privaten Konsumausgaben tatsächlich im dritten Quartal um 0,9 % gesunken. Die USA werden sich am schnellsten am eigenen Schopf aus der Krise ziehen. Zwar gibt es dieses Mal im Gegensatz zu den vorangegangen Tälern nun keine Asset-Klasse mehr, die beliehen werdenund damit den Konsum stimulieren kann, jedoch zeigen die Indikatoren bereits wieder steigendes Konsumentenvertrauen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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