Die Berichterstattungssaison setzt positive Impulse

Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 27.07.2011
Dies ist eine exklusive Leseprobe von:

Aktionärsbrief

Bis zum Ende vergangener Woche haben 124 Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Quartalszahlen vorgelegt. Die bisherige Bilanz kann sich sehen lassen: Beim Ergebnis gab es 5,4 Mal mehr positive als negative Überraschungen. Beim Umsatz waren es immerhin noch drei Mal so viel.


 

Auf den zweiten Blick waren die Zahlen aber vielschichtiger, als die bloßen Schlagzeilen vermuten ließen. So hat Morgan Stanley zwar einen Verlust von 38 Cent je Aktie gemeldet, aber Analysten hatten mit einem fast doppelt so hohen Fehlbetrag gerechnet. General Electric vermochte die Markterwartungen zu schlagen, während die Zahlen von Schlumberger ebenfalls wohlwollend aufgenommen worden sind. Auch McDonald‘s vermochte zu glänzen, während Apple die Analystenschätzungen sogar pulverisieren konnte: Statt der erwarteten 5,82 US-$ verdiente Apple satte 7,79 US-$ je Aktie!

Caterpillar enttäuschte dagegen die Erwartungen: Zwar erhöhte man die Prognose, aber der Markt maß den Quartalszahlen, die zum ersten Mal seit zwei Jahren die Erwartungen verfehlten, mehr Bedeutung bei. Ähnliches bei Intel: Die Quartalszahlen überraschten positiv, aber die Freude wurde gedämpft, weil Intel nun im gesamten Jahr lediglich noch mit einem PC-Absatzwachstum von 8 bis 10 % rechnet. Bisher hatte man einen Zuwachs im tiefen zweistelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt.

Die Konsumenten hingegen wirken für die US-Konjunktur weiterhin als Flaschenhals. Zum einen lässt der Arbeitsmarkt zu wünschen übrig. Zum anderen sind US-Verbraucher immer knapper bei Kasse. Vor allem wegen steigender Preise für Lebensmittel und Benzin sind insbesondere Menschen aus den unteren Einkommensklassen zunehmend gezwungen, Artikel des täglichen Bedarfs mit der Kreditkarte zu bezahlen. Deshalb bleibt weniger Geld für sonstige Konsumausgaben verfügbar, was die Konjunkturerholung verlangsamt.

Für die Aktienmärkte ist die verfahrene Verhandlungssituation um die USSchuldengrenze derzeit ein beengender Flaschenhalsfaktor. Solange hier eine Entscheidung weiter hinausgezögert wird, fehlt den Aktienmärkten der Impuls für nachhaltige Kursgewinne. Die Unternehmenszahlen allein können diesen Impuls derzeit nicht liefern. Zu bedrohlich ist die Aussicht auf eine Zahlungsunfähigkeit der USA. Auch wenn mittlerweile immer mehr Beteiligte beider Parteien beteuern, es auf keinen Fall dazu kommen lassen zu wollen, lässt der erlösende Kompromiss weiterhin hartnäckig auf sich warten.

Die Erleichterung über das neue Griechenland-Rettungspaket glich dagegen

erwartungsgemäß einem Strohfeuer, das bereits am Freitag letzter Woche fast vollständig abgebrannt war. Jetzt geht es wieder an das schwierige Tagesgeschäft. Gleichwohl wollen wir erneut hervorheben, dass sich die Aktienmärkte trotz der vielen schwerwiegenden Problemkomplexe als äußerst robust und widerstandsfähig erweisen. 

 

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