Die Ängste der Anleger tauen wie Butter unter der Sonne der globalen Liquiditätsflutung

Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 09.02.2012
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Frankfurter Börsenbrief

Auch die weiterhin vorhandenen und ungelösten Risiken ändern daran nichts. Dazu gehört nach wie vor Griechenland inkl. der bereits skizzierten Problematik der Target 2-Forderungen im Euro-Zahlungssystem, ferner das Säbelrasseln im Iran-Konflikt und die zuletzt unschöne Blockbildung von Russland / China gegen den Westen und zugunsten des menschenverachtenden Regimes in Syrien. Nun sind Spannungen im Nahen/Mittleren Osten nun wirklich nichts Neues, doch das Risiko einer Eskalation hat gleichwohl zugenommen und sollte auch nicht vorschnell auf die leichte Schulter genommen werden. Und dennoch:


 

Eine große Bremswirkung ist nicht zu spüren im Gegenteil: Der DAX-Volatilitätsindex als Angstbarometer des Marktes hat sich seit Anfang Oktober in etwa halbiert. Der VIX-Index, das amerikanische Pendant dazu, fiel auf etwa 17 und damit das niedrigste Niveau seit Juli letzten Jahres. Nicht nur am Aktienmarkt ist der Drang in Richtung von Risiko-Assets spürbar: Der sog. MOVE-Index von Bank of America / Merrill Lynch als Indikator für die Schwingungen bei Anleihenpreisen lag am 06.02. bei etwa 72,3 und damit auf dem niedrigsten Niveau seit Juli 2007. Beim Index der impliziten Volatilität am Devisenmarkt (von JP Morgan Chase & Co.) ergab sich im Januar mit 10,2 Punkten der niedrigste Stand seit März. Die Gemüter beruhigen sich also auf breiter Front. Passend dazu: Nach dem jüngsten Investmentbarometer von J.P. Morgan Asset Management für den deutschen Aktienmarkt glaubt nunmehr jeder Dritte an steigende Kurse mit Blick auf die kommenden sechs Monate. Das ist der höchste Optimismus-Pegel seit Juli letzten Jahres. Im November lag dieser Optimistenanteil noch bei einem Fünftel. Angesichts dieser Kontraindikatoren verbietet sich bei allen Kurs-Feuerwerken eine überzogene Euphorie. Bei all der kurzfristigen Betrachtung lohnt ein Blick auf ein uraltes, zuletzt aber mitunter vernachlässigtes Thema Dividenden.

Die Unternehmenswelt wird umdenken müssen. Erst vor Kurzem wurde berichtet über den Cash-Mount Everest von Apple mit einem Volumen von 97,6 Mrd. € nur unwesentlich weniger als der gesamte Börsenwert von McDonalds und fast exakt so viel wie die jährliche Wirtschaftsleistung der Slowakei! Das klingt imposant und ist sicherlich auch ein Polster, aber eine sinnvolle Verwendung von Aktionärsgeld ist es sicherlich auch nicht. Apple ist kein Einzelfall: Allein bei US-Unternehmen (außerhalb der Finanzszene) schlummerten per Ende des dritten Quartals 2011 Cash-Bestände von insgesamt 1,7 Billionen Dollar. Damit machen Liquiditätsbestände ca. 6 % der Bilanzsumme aus. Dies ist der höchste Kassenbestand seit mind. sechs Jahrzehnten.

Dies ist Spiegelbild einer historisch bemerkenswerten Knausrigkeit im Bezug auf Ausschüttungen und letztlich auch im Bezug auf Investitionen. Im Schnitt der letzten Jahrzehnte betrug die Ausschüttungsquote bei den Unternehmen des S&P 500 etwa 54 %. Aktuell dürften wir eher im Bereich unterhalb von 30 % liegen. Derzeit wird der niedrigste Anteil der Gewinne in Form von Dividenden ausgeschüttet seit etwa 1900. Angesichts der Schwierigkeiten in der Bankenwelt und dem entsprechenden Druck zur unternehmensinternen Eigenfinanzierung ist das verständlich, aber es passt nicht in das demographische Profil der Anleger in den kommenden Jahren. Denn im Alter sind vielfach höhere laufende Erträge gefragt und tendenziell größere Sicherheit, was durch eine dividendenorientierte Ausschüttungspolitik eher gegeben ist und womit sich die Attraktivität der Anlageform Aktie erhöht. In den USA liegt der Aktienanteil in den Portfolios der 35-65-Jährigen bei etwa 47 %, bei einem Alter von 65 und mehr sind es nur noch 27 %. Ähnliches Bild in Europa mit 35 % (alter 35-65 Jahre) bzw. nur 20 % Aktienanteil (65 Jahre und älter). Übrigens: Für den DAX hat der warme Dividendenregen bereits begonnen. Der Ausschüttungsbetrag in dieser Dividendensaison dürfte bei 27,1 Mrd. € liegen und damit auf Sichtweite zum Rekordwert von 28,1 Mrd. € im Jahr 2007. 

 

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