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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 28.02.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 28.02.2010:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Diamant: Erfolgsfaktor Ausdauer

Langsam, aber sicher naht der Frühling. Die ersten Sonnenstrahlen machen Lust auf Bewegung an der frischen Luft, zum Beispiel mit dem Fahrrad. Zeit, den alten Drahtesel aus dem Keller zu holen und flott zu machen. Oder sich gleich ein neues Rad zuzulegen, schließlich haben sich die Hersteller Mühe gegeben und viele neue Modelle entwickelt. Beliebt ist zum Beispiel der Retro-Look: Fahrräder, die an traditionsreiche Modelle, wie das Holland-Rad oder das in den 1960er-Jahren beliebte Bonanza-Rad erinnern, aber dennoch mit moderner Technik ausgestattet sind. Ein Hersteller mit Tradition ist Diamant aus Sachsen: Die Firma hat es geschafft, 125 Jahre am Markt zu bestehen.

Längst sind nicht mehr nur Autos Statussymbole. Inzwischen können auch Fahrräder locker mehrere Tausend Euro kosten. Gleichgültig, ob Fahrrad mit Vintage-Appeal, cooles Cruiser-Bike, maßgefertigte Tour-de-Francetaugliche Rennmaschine oder bequemes E-Bike: Radeln liegt im Trend, schont die Umwelt und bringt neben staunenden Blicken der Fußgänger weitere Vorteile, wie Unabhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln, Stauumgehung und bequemes Parken. Auch bei der Firma Diamant in der Nähe von Chemnitz hat man das erkannt und setzt auf Fahrrad fahren als Lebensgefühl. Der eigene Geburtstag wird gefeiert mit einer eigenen Fahrradtaschenkollektion sowie Jubiläumsmodellen mit hohem Nostalgiefaktor, unter anderem Stahlrahmen und Ledersattel. Als die beiden Brüder Friedrich Wilhelm und Wilhelm Friedrich Nevoigt im Jahr 1885 die Firma als Gebrüder Nevoigt Reichenbrand/ Chemnitz ins Handelsregister eintragen ließen, war noch nicht abzusehen, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln würde. Unter anderem wurden Strickmaschinen und Federn für Füllhalter hergestellt, mit dem Bau von Fahrrädern wurde nur vereinzelt zu Testzwecken herumexperimentiert. Da allerdings Räder gegenüber Autos vergleichsweise erschwinglich waren, nahm ihre Beliebtheit immer mehr zu. So entschloss man sich ab 1895 dazu, Fahrräder serienmäßig zu bauen. Schnell stellte sich der Erfolg ein. Selbst während des Ersten Weltkriegs, als das Diamant-Werk überwiegend Rüstungsgüter produzierte, wurde die Fahrradherstellung fortgesetzt. In den 1920er-Jahren waren Diamant- Räder so beliebt, dass in Chemnitz und weiteren deutschen Städten sogar Diamant-Radrennclubs entstanden. Von 1928 bis 1930 gehörten die Sachsen kurzzeitig übrigens zu Opel. Die Rüsselsheimer bauten damals nicht nur Autos, sondern waren auch der weltweit größte Fahrradhersteller. Nach einem Vergleichsverfahren war die Opel-Episode allerdings wieder beendet. Auch den Zweiten Weltkrieg stand das Unternehmen durch. Es folgte eine neue Etappe: Die Firma ging zunächst in den Besitz der Sowjetunion über, bevor sie 1952 zum Volkseigenen Betrieb (VEB) der ehemaligen DDR wurde. Glanzvoller Diamant Für den Fahrradhersteller begann damit eine glanzvolle Zeit, in der alle DDR-Radsportler auf Diamant-Rädern unterwegs waren und auch international große Erfolge erzielen konnten. So radelte die DDR-Sportlegende Gustav-Adolf „Täve“ Schur bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften der Amateure im französischen Reims 1959 auf einem Diamant-Rad zum Sieg. Nur ein Jahr später holte sich Bernhard Eckstein den Straßen-Weltmeisterschaftstitel auf dem Sachsenring, auch auf einem Diamant-Rad. In den 1970er- und 1980er-Jahren vertraute die DDR-Nationalmannschaft ebenfalls den Fahrradspezialisten aus Chemnitz und war mit Rädern aus der sächsischen Produktion bei vielen internationalen Rennen erfolgreich. In der ehemaligen DDR dürfte die Marke Diamant wohl jedem ein Begriff gewesen sein. Doch die Wende 1989 brachte Veränderungen, wie Privatisierung und Konkurrenz der Westmarken. Doch erneut bewies Diamant, dass Ausdauer und Durchhaltevermögen im Radsport zum Erfolg führen. 1992 stieg der Schweizer Fahrradhersteller Villiger bei Diamant ein und übernahm die Firma später ganz. 2003 wurde Villiger und damit auch Diamant vom US-Produzenten Trek gekauft. Der Einstieg der Amerikaner, die auch schon Räder für Lance Armstrong bauten, schob Diamant kräftig an: Zwischen 2003 und 2008 konnte Diamant, nach eigenen Angaben Deutschlands ältester noch bestehender Fahrradhersteller, die Produktion verdreifachen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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