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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 05.11.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 05.11.2010:

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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Deutschland muss keine Grippe mehr bekommen, wenn die Amerikaner husten

Bei der Betrachtung der Perspektiven für die Weltwirtschaft schauen alle auf die prozentualen Veränderungsraten. Während die Weltwirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um etwa 4,2 % wächst, zeigt sich Euroland weit abgeschlagen mit voraussichtlich 1,6 %. Und auch die USA sehen mit 2,7 % ähnlich wie Japan mit 2,9 % unterdurchschnittlich aus. Andererseits ist Asien (ohne Japan) das Powerhouse des globalen Wachstums mit voraussichtlich etwa 7,5 %. Zunehmend wichtig sind allerdings die absoluten Zahlen. Denn die Emerging Markets wachsen mit hohem Tempo in eine ökonomisch ernstzunehmende Größe hinein und werden damit zunehmend zu echten Märkten für global agierende Unternehmen.

Die globale Wirtschaftsleistung wird nach einer Schätzung des IWF im laufenden Jahr etwa 62 Billionen Dollar erreichen. Davon entfallen ziemlich genau zwei Drittel, also etwa 41,2 Billionen Dollar auf die bereits entwickelten Volkswirtschaften, allerdings mit eher behäbigem Wachstumstempo. Die „Emerging and developing Economies“ stehen für das andere Drittel, was in absoluten Zahlen etwa 20,8 Billionen Dollar bedeutet. In diesem Fall greift der Wachstumsvorteil, so dass sich schon innerhalb weniger Jahre Verschiebungen in der Gewichtung ergeben werden. Denkt man in Richtung 2015, dann dürfte die globale Wirtschaftsleistung 82 Billionen Dollar erreichen. Durch das unterschiedliche Wachstumstempo dürften die entwickelten Länder mit 49,8 Billionen Dollar nur noch für etwa 60,8 % der globalen Wirtschaftsleistung stehen, während Emerging Markets mit 32,1 Billionen Dollar auf etwa 39,2 % kommen werden. Während die etablierten Länder ihre Wirtschaftsleistung dann voraussichtlich um 8,6 Billionen Dollar hochfahren konnten, werden Emerging Markets voraussichtlich um etwa 11,4 Billionen Dollar draufsatteln. Mit diesem Wachstum ist auch ein zunehmender Wohlstand der Länder verbunden und mithin der langsame Aufbau einer (nachfragewirksamen) Mittelschicht mit all den typischen Folgen für den Konsum. Die Emerging Markets sind also dabei, von der billigen Werkbank zu echten Märkten mit erheblichem Volumen heranzuwachsen. Dass sich damit auch politische Determinanten verschieben, wird unvermeidbar sein. Länder, die in einem solchen Umfeld global aufgestellt und dabei auch noch wettbewerbsfähig sind, erhalten eine außerordentliche Chance, mit der man auch die eine oder andere Schwäche in der demographischen Struktur wird ausgleichen können. Deutschland wird als Favorit definitiv dazugehören. Während die USA nur eine Exportquote von etwa 17 % des BIP aufweisen, stehen die Ausfuhren in Deutschland (ähnlich wie in China) für über 40 % der Wirtschaftsleistung. Inzwischen zeigt sich: Die kurzfristige Abfederung der Finanzkrise mit Kurzarbeitsregelungen war goldrichtig. Da man nun nicht mühsam neues Personal aufbauen muss, können die Deutschen angesichts der Dynamisierung in der Weltwirtschaft Vollgas geben. Wir haben mit unseren hochwertigen Maschinen und Fahrzeugen für die investierenden und stark wachsenden Volkswirtschaften dieser Erde die passende Produktpalette und glänzen mit einer hohen Wettbewerbsfähigkeit. Kleines Beispiel: Im ersten Quartal 2010 verkaufte z.B. Audi mehr Autos in China (inkl. Hongkong) als in Deutschland! Inzwischen hat jede zehnte aus Deutschland exportierte Maschine China als Bestimmungsort. Und die Rolle Chinas wird auch noch weiter zunehmen: In den ersten Monaten 2010 machten die deutschen Exporte 541,2 Mrd. € aus. Etwa 60,7 % und damit der absolute Löwenanteil davon gingen in die 27 Länder der EU. Während die USA recht konstant für etwa 10,4 % der Ausfuhren stehen, ist Asien im Anteil gestiegen und steht inzwischen für etwa 15,2 % der deutschen Ausfuhren. Auf den Punkt gebracht: Sehen Sie Deutschland damit bewusst im Kontext der dynamischen Weltwirtschaft. Binnenwirtschaftliche Aspekte und Entwicklungen haben somit nur einen eingeschränkten Aussagewert für die konkrete Entwicklung der großen, global operierenden Unternehmen. Damit hat Deutschland unter den etablierten Volkswirtschaften im jetzigen Umfeld ein herausragendes Potenzial.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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