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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 18.09.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 18.09.2015:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Deutsche Post: Logistik für Amazon und Zalando

Die Deutsche Post investiert in das Wachstum der Paketdienste. Vor zwei Wochen wurde der Markteintritt in Österreich bekanntgegeben, vielleicht ist das nur der Auftakt für ein stärkeres Osteuropaengagement. Die Aktie ist aufgrund der dadurch reduzierten Gewinnerwartung um 25% eingebrochen, doch ich sehe diese Korrektur als langfristige Kaufgelegenheit.

LOGISTIK FÜR AMAZON UND ZALANDO

Vor drei Jahren habe ich schon einmal die Deutsche Post für Sie im Rahmen der Wunschanalyse vorgestellt. Mein Fazit damals: Eine überaus attraktive Dividendenaktie. Seither hat das Unternehmen steuerfrei 18% Dividende ausgeschüttet und zusätzlich 77% im Kurs zugelegt. Nicht schlecht für drei Jahre, doch wie sieht die Zukuft aus?

2010 erwirtschaftete die Dt. Post noch 81% ihres Umsatzes im Briefgeschäft, 2014 sind es nur noch 64%. Während das Briefgeschäft mit rund 3,6% p.a. schrumpft, wächst das Paketgeschäft mit 8-9% p.a. Dabei unterliegt die Ergebnisentwicklung starken Schwankungen, da große Investitionen in die Logistik immer wieder den Gewinn schmälern. Das Briefgeschäft liefert also heute noch die solide Basis, den freien Cashflow für die hohe Dividendenausschüttung. Das Paketgeschäft von DHL hingegen liefert die Wachstumsraten.

Es zeigt sich also schnell, dass der Erfolg von Amazon und Zalando in Deutschland zu einem boomendem Paketgeschäft der Deutschen Post geführt hat.


LOGISTIK FÜR UNTERNEHMEN

Doch nicht nur Brief- und Paketdienste bietet die Deutsche Post an, ein drittes Standbein wird derzeit im Bereich der Logistikdienstleistungen aufgebaut. Ziel ist es beispielsweise die zentralen Verteilungszentren mittelständischer Kunden durch die dezentralen Verteilungszentren der deutschen Post abzulösen. Wenn also die Metro einen LKW Nudeln von Barilla durch DHL in das eigene zentrale Lager zugestellt bekommt, wird die Ladung des LKWs in kleinere Einheiten umgepackt und dann erneut mit der DHL in die verschiedenen Märkte geschickt. Dieses Umpacken kann auch direkt von DHL übernommen werden. Das spart Zeit und Strecke und somit Geld für alle Beteiligten.

Oder der berühmte Geschäftsbrief, der im Büro ausgedruckt, eingetütet und per Flugzeug in die Welt verschickt wird. Dieser Brief kann auch digital an die Post übermittelt werden und dann in der Dienststelle des Empfängers direkt ausgedruckt, eingetütet und zugestellt werden.


EXPANSION IN NEUE MÄRKTE

Die Österreichische Post wurde Ende August kalt erwischt, als DHL Pläne des Aufbaus einer eigenen Infrastruktur in Österreich bekannt gab. Ein großer Teil des Paketvolumens, das die Österreichische Post heute transportiert, stammt von Bestellungen österreichischer Kunden bei Amazon, Otto und Zalando. Deren Lager stehen in Deutschland, und so macht sich DHL auf den Weg nach Österreich und übergibt das Paket an der Landesgrenze oder am Flughafen der Österreischichen Post.

Künftig möchte DHL diese Pakete direkt an die Kunden in Österreich ausliefern, die erforderliche Infrastruktur wird gerade aufgebaut und soll bis Anfang 2016 stehen. Der Vorteil liegt klar bei der Deutschen Post, denn sie muss sich nicht um Aufträge in Österreich bemühen, sondern hat diese Aufträge ohnehin von den Lagern der Onlinehändler erhalten. Die Deutsche Post erobert sich hier also einen Marktanteil ohne wirklich in den Wettbewerb einzusteigen.


AKTIE EINGEBROCHEN

Seit dem Frühjahr ist die Aktie der Deutschen Post von 31,18 auf heute 23,65 Euro um ein Viertel eingebrochen. Konjunktursorgen lasten auf dem Logistikunternehmen. Zudem ist der Erfolg der Expansion in Schwellenländer, was zuletzt Unternehemsstrategie war, in Frage gestellt, seit sich die Wirtschaft in China immer weiter abkühlt. Davon abgesehen war nach der Kursrallye von in der Spitze 120% in den vergangenen drei Jahren eine Korrektur überfällig, die Dividendenrendite der Dividendenaktie war unter 3% gesunken. Die operative Marge hat sich in letzter Zeit im Vergleich zu Wettbewerbern schlechter entwickelt, Streiks belasten den Konzern.

Ich würde sagen, irgendwann ist eine solche Korrektur einfach fällig. Aber ein Minus von 25% in nur sechs Monaten sollte meiner Einschätzung nach reichen, insbesondere da sich die Zahlen unter'm Strich ja weiterhin erfreulich entwickeln.


FAIRES BEWERTUNGSNIVEAU ERREICHT

Denn der Umsatz wächst mit 5% p.a.. Das Gewinnwachstum legt im laufenden Jahr eine Pause ein, dafür springt der Gewinn 2016 wieder um 15% an. Auf zwei Jahre gerechnet liegt das durchschnittliche Gewinnwachstum also bei 7%, das ist immernoch überproportional zum Umsatzwachstum.

Bewertet wird das Gewinnwachstum mit einem KGV 2016e von 12. Das ist eine faire Bewertung, insbesondere wenn wir uns die attraktive Dividendenrendite von 3,8% für das laufende Jahr vor Augen halten. Für 2016 wird sogar eine Ausschättung von 0,975 Euro je Aktie erwartet, also 4,1%.

63 Mrd. Euro Jahresumsatz werden aktuell mit einer Marktkapitalisierung von 29 Mrd. Euro bewertet, Schulden gibt es kaum. Auch das gibt ein gesundes Bild des Unternehmens wider.


CHARTTECHNIK SPRICHT EBENFALLS FÜR BALDIGES ENDE DER KORREKTUR

Ich bin kein Charttechniker sondern schaue mir nur ganz grob einige charttechnische Marken an. Zum einen befinden sich im Bereich zwischen 22,50 und 23,50 Euro die Tiefs aus dem Jahr 2014, die nun als Unterstützung dienen können. Die Aktie ist bereits auf diesem Niveau angelangt.

Zum anderen können wir die Faustregel anwenden, dass stets ein Drittel des vorangegangenen Anstiegs in einer Korrektur abgegeben wird. 2011 lag das Tief bei 9,13 Euro, seither ist die Aktie auf 31,08 Euro angesprungen, also um 21,95 Euro. Ein Drittel davon wieder abzugeben würde bedeuten, das der Kurs von 31,08 Euro um 21,95/3=7,32 Euro auf 23,76 Euro fällt. Aktuell steht die Aktie bei 23,68 Euro (Xetra 17:35 Uhr). Ich würde sagen, das ist nah genug.


FAZIT:

Die Deutsche Post ist eine Dividendenaktie für das langfristige Depot von konservativen Anlegern. Dank des boomenden Paketgeschäfts der DHL entwickelt sich jedoch auch der Umsatz sehr erfreulich wenngleich die Gewinnentwicklung aufgrund von immer wieder erforderlichen Investitionen nicht so konstant ist wie man es sich von einer Dividendenaktie wünschen würde.

Doch aufgrund dieser Schwankungen ergibt sich heute eine attraktive Einstiegschance. Der Gewinn bleibt im laufenden Jahr aufgrund von neuen Investitionen hinter den Erwartungen zurück, die Aktie hat kräftig korrigiert. Schon im nächsten Jahr wird dieser Effekt überkompensiert, und die Aktie dürfte meiner Einschätzung nach in Richtung alter Hochs über 30 Euro laufen. Das sind 25% Kurschance und zusätzlich eine Dividendenabsicherung von 3,8%.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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