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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 01.03.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 01.03.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Deutsche Börse: spekulatives Schnäppchen

Mit einem Verlust von fast 63% gehörte die Aktie des deutschen Börsenbetreibers im vergangenen Jahr 2008 zu den schlechtesten innerhalb des DAX. Im bisherigen Jahresverlauf 2009 setzte sich die Talfahrt fort und bis dato büßte das Papier rund 25% an Wert ein.

Die Investoren waren offenbar sehr skeptisch, was die weitere Geschäftsentwicklung angeht. Nach Vorlage der Eckdaten für das Geschäftsjahr 2008 in der vergangenen Woche machte der Kurs nun einen Sprung nach oben. Dieses Aufbäumen als Trendwende zu bezeichnen, wäre zwar zu früh, und es bedarf schon klarerer Signale, erste Long-Spekulationen könnten sich derzeit dennoch anbieten. Zwar zeigte sich die Deutsche Börse angesichts der tief greifenden Auswirkungen der Finanzmarktkrise erstmals weniger zuversichtlich für die Zukunft, dennoch gab es jüngst eine deutlich positive Reaktion des Kurses. Vielleicht lag dies daran, dass der Vorstand die Gesellschaft als gut gerüstet für das schwierige Kapitalmarktumfeld ansieht. Er hob dabei die geeigneten Maßnahmen und flexiblen Planungs- und Steuerungssysteme hervor. Demnach haben die bereits Ende 2007 und Anfang 2008 eingeleiteten Schritte zur Steigerung der operativen Effizienz auf der Kosten- und Steuerseite, bereits 2008 positive Effekte gezeigt. Die volle Wirkung soll sich ab 2010 entfalten.


Kostendisziplin

Kostendisziplin steht auch 2009 ganz oben auf der Agenda. Wenn man an dem Handelsgeschehen nicht viel ändern kann, gilt es an anderen Punkten anzusetzen. Einsparungen scheinen dabei eine gute, wenn auch begrenzte Stellschraube zu sein, und der Vorstand senkte die Kostenprognosen für das Gesamtjahr. Während er im Dezember noch mit einem Anstieg der Kosten im Gesamtjahr 2009 auf 1,35 Mrd. Euro gerechnet hatte, sollen die Ausgaben nun maximal den Vorjahreswert von 1,284 Mrd. Euro erreichen. Für die Investoren offenbar ein Strohhalm, an dem man sich festhalten kann, auch wenn das Marktumfeld äußerst schwierig ist.


Breit aufgestellt

Das Unternehmen sprach selbst von einem herausfordernden Jahr 2009, das nach Aussagen von Firmenlenker Reto Francioni die ganze eigene Kraft erfordern wird. Auch ist es seiner Ansicht nach derzeit unmöglich, zuverlässige Prognosen zur künftigen Ertragslage abzugeben. Für 2009 wird es nach Aussagen des Vorstands aber wohl keine neuen Rekorde geben. Er sprach davon, dass der Konzern im Januar eine Zurückhaltung beim Handel in Wertpapieren und Derivaten registriert hat. Im Februar erholte sich dann das Geschäft etwas und das Handelsvolumen am Kassa- und Terminmarkt lag über dem von Januar, dennoch bleibt das Marktumfeld unsicher. Vor diesem Hintergrund verhängte der Konzern nun einen sofortigen Einstellungsstopp und betonte, sich weiterhin vor allem auf profitables Wachstum aus eigener Kraft konzentrieren zu wollen. Dabei setzt die Deutsche Börse auf ihr breit aufgestelltes Geschäftsmodell, das neben Handels- auch Nachhandelsdienstleistungen anbietet. Die Gesellschaft sieht sich damit beispielsweise auch gut gerüstet gegenüber der Konkurrenz durch alternative Aktienhandelsplattformen. Externes Wachstum steht nach Aussagen des Vorstands indes nicht an erster Stelle. Er betonte allerdings, dass das Unternehmen die Pflicht hat, in diesem Marktumfeld das Potenzial für mögliche Zusammenschlüsse und Übernahmen permanent neu auszuloten.


Eurex mit Rekordvolumen


Das schwierige Umfeld an den weltweiten Kapitalmärkten zeigte auch 2008 Auswirkungen. Vor allem im Aktienhandel hielten sich die Anleger angesichts der Verwerfungen zurück. Auf der anderen Seite profitierte der Konzern jedoch auch von der Finanzmarktkrise, was sich vor allem im wachsenden Geschäft mit Derivaten widerspiegelt. Die Terminbörsentochter Eurex verzeichnete ein steigendes Handelsvolumen. Mit 3,17 Milliarden gehandelten Kontrakten, was 17% mehr waren als im Vorjahr, wurde sogar ein neuer Rekord erzielt. Der Konzernumsatz stieg 2008 auf Basis vorläufiger Zahlen um 12% auf 2,46 Mrd. Euro. Das Unternehmen sprach in diesem Zusammenhang von einer über das Jahr stabilen Entwicklung in den beiden größten Geschäftsbereichen Eurex und Clearstream (Wertpapierabwicklung) sowie die Konsolidierung der 2007 übernommenen US-Optionsbörse ISE im Jahr 2008. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITA) legte ebenfalls um 12% zu und erreichte 1,51 Mrd. Euro. Zum Anstieg haben positive Effekte des im September 2007 angekündigten Restrukturierungsund Effizienzprogramms beigetragen.


Rekordgewinn und stabile Dividende

Unter dem Strich verdiente die Gesellschaft einen Rekordprofit von 1,03 Mrd. Euro und sie knackte damit erstmals die Schwelle von einer Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahreswert von 911,7 Mio. Euro entsprach dies einem Zuwachs von 13%, auch wenn es im vierten Quartal einen Gewinnrückgang von 270,5 auf 222,4 Mio. Euro zu verzeichnen gab. Das Ergebnis je Aktie (EPS) 2008 kletterte überproportional von 4,70 auf 5,42 Euro, wozu auch die durch Aktienrückkäufe geringere Anzahl ausstehender Anteilscheine beigetragen hat. Die Aktionäre sollen für 2008 nun eine Dividende auf Vorjahresniveau von 2,10 Euro je Aktie erhalten. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von etwa 38%. Sie lag damit etwas unter dem Ziel einer Ausschüttungsquote von 40% bis 60%. Ferner kündigte der Vorstand an, bei Vorlage der Halbjahresbilanz über Aktienrückkäufe im laufenden Geschäftsjahr entscheiden zu wollen.


Fazit:

Die Deutsche Börse konnte im Geschäftsjahr 2009 trotz der Finanzmarktkrise starke Ergebnisse erzielen. Für das laufende Geschäftsjahr schlug das Unternehmen nun zwar vorsichtigere Töne an, das gesenkte Kostenziel deutet jedoch daraufhin, dass es weitere Fortschritte bei den Einsparungen geben dürfte. Offenbar ein Strohhalm, an dem man sich festhalten kann. Ein Pluspunkt könnte auch die stabil gelassene Dividende sein, auch wenn die geplante Ausschüttung von einigen Analysten als enttäuschend bezeichnet wurde, da sie mit deutlich mehr gerechnet hatten. Allerdings ist unserer Meinung nach zu begrüßen, dass der Vorstand mehr Wert auf eine stabile Finanzstruktur zu legen scheint, als die Aktionäre mit riesigen Gewinnbeteiligungen zu erfreuen. Außerdem ergibt sich auf dem aktuellen Kursniveau mit der geplanten Ausschüttung von 2,10 Euro je Aktie eine stattliche Dividendenrendite von 5,5%. Vor allem für fundamental orientierte Investoren sicher kein schlechtes Kaufargument. Hinzu gesellt sich eine günstige Bewertung. Nimmt man das EPS 2008 von 5,42 Euro als Basis und geht für 2009 von einem Gewinnrückgang von 20% aus, dann liegt das KGV bei etwa neun. Ob der Gewinn jedoch so stark einbricht, bleibt abzuwarten, denn diese Prognose ist eher pessimistischer Natur. Entsprechend könnte die Bewertung sogar noch günstiger sein und stellt somit möglicherweise ein weiteres Argument für langfristige Anleger dar. Nach dem Ausverkauf der vergangenen 14 Monate, könnten daher nun Schnäppchenkäufer angelockt werden, zumal die Deutsche Börse langfristig betrachtet ein interessantes Investment ist. Charttechnisch betrachtet ist der langfristige Abwärtstrend zwar nach wie vor intakt und von einer Trendwende kann bislang nicht gesprochen werden. Der nach Vorlage der Bilanz 2008 anziehende und von relativ hohen Handelsumsätzen begleitete Kurs könnte jedoch ein Indiz für zunehmendes Interesse sein. Entsprechend sind derzeit spekulative Käufe erwägenswert. Eine Absicherung sollte dabei spätestens knapp unter dem jüngsten Verlaufstief bei 34,37 Euro erfolgen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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