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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 27.06.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 27.06.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Deutsche Beteiligungs AG: Substanz mit Abschlag

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat in der Vorwoche ihre Bilanz für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 (bis Ende Oktober) vorgelegt. Nun scheint sie verdaut zu sein: An den vergangenen Handelstagen griffen die Investoren beherzt zu. Womöglich wird das aktuelle Kursniveau als gute langfristige Einstiegsmöglichkeit gesehen, da der Preis der Aktie im Vergleich zur Substanz einen hohen Abschlag aufweist.

Allerdings geht auch die Rezession an der DBAG nicht spurlos vorbei – in den ersten sechs Monaten prägte die Wirtschaftsflaute die Wertentwicklung des Portfolios sowie die Ergebnisse. Die DBAG verbuchte im ersten Halbjahr einen Verlust. Während im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 2,9 Mio. Euro erzielt wurde, fiel nun ein Fehlbetrag von 12,4 Mio. Euro an. Davon entfallen auf das zweite Quartal (Februar bis April) 3,4 Mio. Euro, nach einem Profit von 24,5 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Verantwortlich für die aktuellen Verluste machte der Vorstand mehrere Einflussfaktoren: Neben der Rezession, die sich inzwischen in den Ergebnissen einiger Portfoliounternehmen niederschlägt, belasten die tendenziell schlechteren Bewertungsverhältnisse an den Aktienbörsen. Der größte negative Beitrag im Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft geht auf die Beteiligung an der börsennotierten Homag Group AG zurück, deren Aktien im zweiten Quartal rund 17% an Wert einbüßten. Dies führte zu einem negativen Bewertungsergebnis von nahezu 4 Mio. Euro. Bei den übrigen Portfoliounternehmen gab es indes einen positiven Saldo.


Keine Sanierungsfälle

Die Deutsche Beteiligungs AG gehört eigenen Angaben zufolge zu den führenden Beteiligungsgesellschaften und zählt hierzulande mit mehr als 40 Jahren Erfahrung zu den Ältesten der Branche. Bei der Suche nach geeigneten Kandidaten fürs Portfolio konzentriert sich die Gesellschaft auf Mittelständler aus Deutschland sowie den europäischen Nachbarländern mit einem jährlichen Umsatz zwischen 50 und 500 Mio. Euro. Der Fokus liegt dabei auf etablierten, profitablen Firmen mit einem bewährten Geschäftsmodell, die führende Marktpositionen belegen und über aussichtsreiche Entwicklungsperspektiven verfügen. Solche finden sich laut Management im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automobilzulieferindustrie, der Spezialchemie, der Mess- und Automatisierungstechnik sowie in besonders spezialisierten Dienstleistungen für die Industrie. In den genannten Bereichen konnte sich die DBAG bereits reichlich Expertise aufbauen. Sanierungsfälle oder sehr junge und kleine Unternehmen stehen dagegen nicht im Fokus der Investitionsstrategie.


Zukunft liegt bei MBOs

Je nach Branche, Größe und Ertragssituation der Unternehmen liegt der finanzschuldenfreie Kaufpreis zwischen 50 und 250 Millionen Euro. Investiert wird zum einen mit eigenen Mitteln. Zum anderen werden Gelder von anderen deutschen und internationalen Investoren über die von der DBAG verwalteten Parallelfonds investiert. Sie zahlen dem Konzern eine Gebühr dafür, dass dieser ihnen die Beteiligungsgelegenheiten zuführt und deren Verwaltung übernimmt. Mit diesen Einnahmen deckt das Unternehmen einen Teil der laufenden Betriebskosten ab. Zum Portfolio gehören aktuell zehn Firmen, von denen sieben so genannte Management-Buy-outs (MBOs) sind. Darunter versteht man die Übernahme einer Gesellschaft durch das aktuelle Management mit Unterstützung eines Finanzinvestors. MBOs sind mittlerweile das wichtigste und größte Geschäftsfeld der DBAG. In derartige Mehrheitsbeteiligungen soll auch künftig der Großteil der Mittel investiert werden. Aber auch für Verkäufer, die die Abspaltung von Töchtern vornehmen oder Familienunternehmer, die sich von ihrer Firma trennen wollen (Nachfolgeregelung), ist die DBAG laut Vorstand ein verlässlicher Partner.


Kapazitätsanpassungen

Zur Geschäftsentwicklung bei den Beteiligungen im ersten Halbjahr erläuterte das Management, dass sich auch Firmen mit einer herausragenden Marktposition nicht den negativen Einflüssen eines so ausgeprägten Konjunkturzyklus entziehen können. Die Unternehmen des Portfolios passen deshalb in jenen Geschäftsbereichen, in denen es nötig ist, die Kapazitäten an. Zu den Aussichten hieß es, dass die meisten Gesellschaften, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen, 2009 von niedrigeren Auftragseingängen und Ergebnissen ausgehen als im Vorjahr, was man bei der Wertermittlung des Portfolios berücksichtigt habe.


Keine Prognose

Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr gab die DBAG nicht ab. Allerdings betonte der Vorstand, weiterhin zuversichtlich zu sein, dass sich der Konzern in diesem ausgesprochen schwierigen Jahr behaupten kann. Ferner hob er ausdrücklich die nach wie vor hohen verfügbaren liquiden Mittel, bestehend aus Bankguthaben und kurzfristig fällig werdenden Wertpapieren von insgesamt 101,6 Mio. Euro, hervor. Daneben gibt es noch nicht abgerufene Investitionszusagen der Investoren des aktuellen Parallelfonds von rund 260 Mio. Euro. Nach Ansicht von Firmenlenker Wilken von Hodenberg ist die Deutsche Beteiligungs AG damit bestens aufgestellt, in den nächsten Jahren Investitionsvorhaben zu finanzieren.


Solide Substanz

Die stattliche eigene zur Verfügung stehende Liquidität ist nicht nur ein gutes Polster für künftige Investitionen, sondern spielt auch bei der Beurteilung der Bilanz eine wesentliche Rolle. So decken die derzeitigen flüssigen Mittel mit etwa 45% einen erheblichen Teil des ausgewiesenen Wertes des Eigenkapitals je Aktie ab. Konkret sind von dem Ende April bilanzierten Eigenkapital je Anteilsschein von 16,59 Euro 7,43 Euro durch flüssige Mittel hinterlegt. Weitere 1,44 Euro je Aktie resultieren aus der Beteiligung an der Homag Group AG, der Rest von 7,72 Euro entfällt auf das übrige, nicht börsennotierte Portfolio, dessen Beteiligungen entweder gar nicht oder nur moderat verschuldet sind. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich das Eigenkapital je Aktie damit insgesamt um 1,31 Euro oder 7,3%. Davon entfallen 0,40 Euro je Aktie auf die Ausschüttung der Dividende für das vorangegangene Jahr 2007/08. Darum bereinigt lag der Rückgang bei 5,2%.


Fazit:

Beteiligungsgesellschaften weisen oftmals Bewertungsabschläge bei ihren Kennzahlen auf. Allerdings scheint die derzeitige Differenz zwischen Eigenkapital je Aktie und Aktienkurs von rund 36% zu groß. Resultieren dürfte sie neben der aktuellen Wirtschaftsflaute auch aus einer kritischen Betrachtung der schlechteren Bewertungsverhältnisse. Vielleicht wird dabei auch der aktuell vom Konzern angegebene Portfoliowert als zu hoch eingeschätzt, was ein Risiko darstellen könnte und entsprechend bei der Kursgestaltung offenbar eine Rolle spielt. Allerdings handelt das Management konservativ, und unserer Meinung nach ist das Risiko, dass in den nächsten Monaten größere Bewertungskorrekturen vorgenommen werden müssen, nicht eklatant hoch. Zudem erlauben die aktuell vorhandenen Mittel Investitionen in attraktive Unternehmen. Daneben sollte man mit dem guten finanziellen Polster die aktuelle Wirtschaftsflaute gut meistern können. Ein weiterer klarer Pluspunkt ist, dass die DBAG nahezu schuldenfrei ist. Teure Refinanzierungen sind daher nicht nötig. Insgesamt betrachtet treffen bei der DBAG somit derzeit eine sehr solide Substanz und ein unserer Meinung nach zu großer Bewertungsaufschlag aufeinander, was langfristige Käufe rechtfertigt. Unterstützt wird diese Einschätzung durch die Charttechnik, hat das Papier doch gerade die Hürde von 11,80 Euro geknackt.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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