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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 12.03.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 12.03.2015:

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Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Derzeit befi nden sich alle US-Banken im Prüfungsstress

Wie jedes Jahr gibt die USNotenbank Fed auch dieses Mal wieder im März die Ergebnisse des Bankenstresstests bekannt. Dieser war nach der Finanzkrise im Jahre 2009 eingeführt worden, um für mehr Transparenz im Finanzsektor zu sorgen und eine Basis zur Rekapitalisierung der Banken zu schaffen.

Damit Banken wie Citigroup, J.P. Morgan Chase oder Bank of America den Stresstest bestehen, müssen sie u.a. in einem anspruchsvollen Szenario bestehen. Dieses geht von einer zwei Jahre währenden Rezession aus. Die Wirtschaft schrumpft um über 6 %, die Arbeitslosigkeit steigt von derzeit 5,7 % auf über 10 %, die Häuserpreise korrigieren um 25 % und last, but not least geht der Dow Jones um über die Hälfte bis auf 8.600 in die Knie. Zusätzlich müssen die geprüften Banken jedes Jahr eine andere spezielle Herausforderung bestehen. In diesem Jahr wird der Anstieg des Ölpreises von gut 50 $ auf 110 $ pro Barrel angenommen. Zudem klettert der Konsumentenpreisindex auf 4,3 %.

Um den Stresstest zu bestehen, müssen die Banken zwei Schlüsselkriterien erfüllen: Zum Ersten darf die Quote des harten Kernkapitals (Tier 1 Common Ratio) die Marke von 5 % nicht unterschreiten. Zum Zweiten muss ein weiterer qualitativer Aspekt erfüllt werden. Er konzentriert sich auf interne Kontrollprozesse und berücksichtigt auch die Ausschüttungspolitik einer Bank. Es kann also sein, dass ein Kreditinstut das Kriterium von 5 % hartem Kernkapital erfüllt, aber wegen Mängeln bezüglich des zweiten qualitativen Aspekts den Stresstest dennoch nicht besteht. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Citigroup. Das Institut ist vergangenes Jahr über mangelhafte Systeme zur Berechnung von Risiken und Verlusten gestolpert. Die Fed legte deshalb erneut ihr Veto gegen die geplante Ausschüttungspolitik der Citigroup ein. Ein herber Rückschlag, schließlich war das Bankhaus bereits 2012 durch den Stresstest gerasselt. Das Ergebnis ist bekannt: Während Institute wie Wells Fargo und J.P. Morgan schon wieder reichlich Mittel an ihre Anteilseigner ausschütten dürfen, darf Citigroup auch weiterhin nur eine symbolische Dividende von einem Cent je Aktie und Quartal bezahlen.

Die mangelhaften Kontrollmechanismen der Citigroup sind historisch bedingt. Zu Zeiten des CEOs Sandy Weill legte das Institut besonderen Wert auf schnelles externes Wachstum. Die zugekauften Unternehmen nahtlos in das eigene Unternehmen zu integrieren, wurde jedoch sträflich vernachlässigt. Citigroup kann nicht in Echtzeit erkennen, wie sich die Risiken für die Bank entwickeln, wenn sich wichtige Parameter verändern.

Aber nicht nur die Citigroup ist schon durch den Test gefallen. So hat z.B. die Bank of America den Test 2011 nicht bestanden. Und selbst die „Klassenbesten“ wie J.P. Morgan und Goldman Sachs mussten ihre Pläne bezüglich Dividendenausschüttungen nachbessern.

Die erste Etappe des diesjährigen Stresstests haben alle 31 überprüften Institute bestanden. Das hat die Fed am vergangenen Donnerstag nach Börsenschluss bekannt gegeben. Alle überprüften Institute erfüllen also die Anforderungen an die harte Kernkapitalquote.

In der zweiten Runde könnte es aber dagegen mehr Probleme geben. Die Ergebnisse werden am Mittwoch dieser Woche, also nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe, bekannt gegeben. Insbesondere die amerikanischen Ableger europäischer Großbanken könnten für unerfreuliche Schlagzeilen sorgen. Bereits beim letztjährigen Stresstest hatte die Fed die internen Kontrollmechanismen der US-Ableger von HSBC, Royal Bank of Scotland sowie Banco Santander kritisiert. Das „Wall Street Journal“ will erfahren haben, dass die US-Tochter von Banco Santander in diesem Jahr den Stresstest nicht bestanden hat. Dieses Schicksal soll auch den amerikanischen Trust der Deutschen Bank, der in diesem Jahr erstmals geprüft wurde, ereilen. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich besonders pikant, dass die europäischen Mutterhäuser von Banco Santander und der Deutschen Bank im vergangenen Herbst den europäischen Stresstest der EZB bestanden haben.

Die beiden Schweizer Institute Credit Suisse und UBS genießen dagegen noch etwas Schonfrist. Gemäß der Lizenzbestimmungen fallen die US-Aktivitäten dieser beiden Schweizer Banken nicht unter die Prüfungsbestimmungen. Das wird sich aber spätestens im Sommer 2016 ändern, denn bis dahin müssen UBS und Credit Suisse eigene Holdings für ihre US-Aktivitäten gründen, die dann ab 2018 ebenfalls vom Stresstest erfasst werden.

In diesem Jahr wird das Interesse der Börse aber vor allem den Nachzüglern Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley gelten. Bekommen diese Institute grünes Licht für eine Erhöhung ihrer Dividende, wird sich das auch positiv auf die Kursentwicklung der entsprechenden Aktien auswirken. Aber das Ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt: Wer unerwarteterweise durch den Stresstest fl iegt, dürte auch an der Börse zumindest vorübergehend unter die Räder kommen. Am Mittwoch Abend nach US-Börsenschluss wissen wir mehr.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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