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Veröffentlicht von Redaktion "Aktionärsbrief" am 28.07.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 28.07.2010:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Der Stresstest der europäischen Banken bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Nach der Analyse bleibt der Eindruck, dass trotz hoher Transparenz nicht alle Karten auf dem Tisch liegen. Insbesondere die Zurückhaltung der deutschen Banken wird kritisch gesehen. Der Wille war insgesamt da, aber das Ergebnis überzeugt nicht.

Tatsächlich: Es wurde gegen alles getestet, nur nicht gegen das, wovor man am meisten Angst hat. Im Frühjahr ging es um einen möglichen Zahlungsausfall von Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien etc. Dieses Szenario wurde in den Test nicht mit einbezogen. Die im Test einbezogenen Kursabschläge haben wenig Relevanz, weil in Krisen die Abschläge in der Panik wesentlich größer sind. Insofern ist man keinen Schritt weiter. Man weiß, sollte es zu einem Zahlungsausfall kommen, dass das europäische Bankensystem, bis auf wenige Ausnahmen, platt wäre. Für die Banken ist dies also kein Befreiungsschlag. Die Kurse der betroffenen Institute schwanken ein paar Prozentpunkte hoch und runter. Mehr lässt sich aber börsentechnisch aus dem Stresstest nicht ableiten. Bestenfalls nimmt das Ergebnis einiges an Risiko heraus, aber Kursperspektive ergibt sich deswegen nicht. Hinzu kommt: Die neuen Kapitalregeln (Basel III) liegen vor. 26 von 27 Mitgliedstaaten haben unterschrieben, nur die Deutschen zögern wieder. Was einiges über die Verfassung der deutschen Banken sagt. Pragmatisch gedacht, geht es in die Richtung einer höheren Kapitalunterlegung, was die Banken insgesamt sicherer macht, aber die Kreditvergabe einschränken wird. Den Effekt konnte man bei Basel II, gerade in Deutschland, gut nachvollziehen. Insgesamt tauscht Basel III Dynamik gegen Sicherheit. Dazu passt: Das Investmentbanking der großen Adressen wird schon drastisch eingeschränkt. Die Zahlen zum 2. Quartal belegen einen drastischen Umsatzrückgang zwischen 20 und 30 % in dieser Sparte wegen geringerer Kundenaktivität und eingeschränktem Eigenhandel. Den Gewinn reduziert das aber zwischen 70 und 80 %. Dies ist kein Einmal-Effekt, sondern wird dauerhaft die Ertragslage der Banken verändern. Darin liegt eine gewisse Rückorientierung an vergangene Maßstäbe. Fazit: Banking wird sicherer, aber auch undynamischer. Bis der Markt dafür neue Bewertungsmaßstäbe findet, hängen die Aktien dieser Institute in einer gewissen Bandbreite fest. Nicht unähnlich der High-Tech-Unternehmen, die nach der Internet- Blase 2000/2001 orientierungslos seitwärts marschierten. Aufgrund der Sonderrolle der Banken wird man dies in der generellen Markteinschätzung ins Kalkül ziehen müssen. Eine Favoritenrolle entfällt dementsprechend.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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