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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 03.12.2015

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 03.12.2015:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Der Online-Shopping-Boom spült auch Fintech-Aktien nach vorne

Die Branche ist im Wachstumsmodus. Nicht nur der Trend zum Einkauf über das Internet beflügelt das Geschäft, sondern auch das immer populärer werdende bargeldlose Bezahlen. Die Berenberg-Bank hat sich nun erstmals im Rahmen einer Studie speziell mit den im Zahlungsverkehr tätigen börsennotierten Fintech-Unternehmen beschäftigt. Berenberg bescheinigt der Branche eine aussichtsreiche Zukunft. Zwar seien die Gebühren im elektronischen Zahlungsverkehr unter Druck, etwa durch politische Eingriffe wie die in der EU durchgesetzten Obergrenzen, Konkurrenz durch Banking-Apps und neue Gebührenmodelle, aber dieser Druck könne durch die steigenden Nutzungsraten mehr als wettgemacht werden. Es gibt aber nicht nur politischen Gegenwind, sondern auch Rückenwind. So dürfen in Frankreich seit September keine Bargeldzahlungen mehr über 1.000 € gemacht werden. In Italien gilt die 1.000-€-Grenze für Barzahlungen dagegen schon seit Anfang 2012. Hintergrund ist die Bekämpfung der Schattenwirtschaft. Vier Fünftel der in der Eurozone umlaufenden 500-€-Scheine wurden bis dato in Italien ausgegeben, und zwar in grenznahen Gebieten zur Schweiz, Österreich und San Marino.

Die Zukunft gehört ohnehin dem kontaktlosen Bezahlen und Mobile Payment. Langfristig dürfte sich aber das mobile Bezahlen per Handy durchsetzen und Kartenzahlungen komplett verdrängen. Laut Berenberg sprechen dafür nicht nur Sicherheitsaspekte, sondern auch niedrigere Kosten und höherer Komfort.

Wie in vielen Branchen gibt es auch bei elektronischen Zahlungsdienstleistern Licht und Schatten. Nicht alle Wettbewerber werden gleichermaßen von den guten Branchenaussichten profitieren.

• PAYSAFE (A0B 7QM; 372 pence) dürfte der Branchenfavorit sein. Das britische Unternehmen ist Ende der neunziger Jahre aus dem Zusammenschluss dreier Firmen hervorgegangen. Seit 2004 ist Paysafe börsennotiert. Man bietet die Möglichkeit von Internetzahlungen an sowie Prepaid- Karten, die von Einzelhändlern in über 200 Ländern akzeptiert werden. Wegen seiner Aktivitäten im chinesischen Online-Spielemarkt war Paysafe vielfach kritisiert worden, woraufhin man nun diese Aktivitäten reduziert hat. Im März dieses Jahres hatte man zudem angekündigt, für 1,1 Mrd. € den e-Wallet-Anbieter Skrill zu übernehmen. Bis 2016 erwartet Paysafe aus dieser Transaktion Synergien in Höhe von 40 Mio. €, aber Berenberg-Bank geht davon aus, dass diese Zahl übertroffen wird.

Die Aktie hat bereits eine furiose Aufwärtsbewegung hinter sich. In den vergangenen drei Jahren hat sich der Kurs verfünffacht. Mit einem KGV von 14 ist die Aktie billiger als der Branchendurchschnitt (18). Zusätzliche Fantasie könnte auch aus einer möglichen Aufnahme in den FTSE 250 erwachsen. Die Berenberg-Bank empfi ehlt die Aktie deshalb zum Kauf und ruft ein Kursziel von 431 pence aus.

• SAFECHARGE (A11 02F; 245 pence) ist die Nummer 2 auf der Empfehlungsliste. Das auf den Britischen Jungferninseln ansässige Unternehmen gehört mehrheitlich dem israelischen Milliardär Teddy Sagi. Safecharge bietet Bezahlmöglichkeiten für die Online-Glücksspielindustrie an, wandelt sich aber mehr und mehr zu einem breit aufgestellten Zahlungsdienstleister. Laut Berenberg-Bank wird Safecharge von Verträgen mit Mastercard Europe und Visa Europa, dem Einstieg in das Kartengeschäft sowie der Kooperation mit einer Bank profitieren. Die größten Chancen sieht man aber in der Kooperation mit dem Online-Spielehersteller Playtech, der sich ebenfalls größtenteils in der Hand von Teddy Sagi befindet.

Der Kursverlauf in diesem Jahr war bisher nicht erfreulich. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um 7,5 % nachgegeben. Das ist zwar kein großer Kursrückgang, aber der Verlauf war sehr volatil. Es scheint derzeit so, als versucht die Aktie bei 240 pence einen Boden auszubilden. Berenberg empfiehlt Safecharge mit einem Kursziel von 324 pence zum Kauf. Das entspricht einem Kurspotenzial von 32 %.

• WIRECARD (747 206; 45,41 €) hatten wir schon mehrfach zum Kauf empfohlen. Auch in der Studie der Berenberg-Bank kommt die Aktie gut weg: Die Kaufempfehlung wurde bestätigt und das Kursziel von 48 auf 53,40 € erhöht. Berenberg bescheinigt Wirecard, von der Produktqualität einer der besten Anbieter zu sein. Das Wachstum werde überdurchschnittlich ausfallen. Wirecard kann demnach vor allem von seinen zahlreichen Cross-Selling-Möglichkeiten und seiner internationalen Aufstellung profi tieren. Aber es gibt auch einen Funken Kritik: Investoren achten zunehmend auf die Rentabilität und auf die Kapitalbindungsdauer. Hier gebe es bei Wirecard Verbesserungsbedarf.

Wirecard dürfte aber bis auf Weiteres ein Selbstläufer bleiben. Im 3. Quartal konnte das EBITDA um 30,5 % und der Umsatz um 29,3 % gesteigert werden. Auch die Prognosen für das Jahresschlussquartal und das kommende Jahr sind gut. Wer trotz unserer wiederholten Empfehlungen noch nicht dabei ist, sollte versuchen, die Aktie zu einem Kurs zwischen 43 und 44 € ins Depot zu nehmen.

Fazit: Neben unserer Dauerempfehlung Wirecard sollten Anleger auch PAYSAFE kaufen. Die Gewinn- und auch die Kursentwicklung sind deutlich stetiger als bei SAFECHARGE, allerdings ist das verbleibende Kurspotenzial auch geringer. Wer es etwas riskanter mag, sollte sich dagegen SAFECHARGE anschauen. Das höhere Risiko wird mit einem höheren Kurspotenzial entgolten.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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