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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 21.02.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 21.02.2013:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Der Kabelsektor bleibt im Wachstumsmodus

Insbesondere europäische Kabelnetzbetreiber verwöhnen ihre Aktionäre seit Jahren mit hohen Kursgewinnen. Die Branchenvertreter weisen ein solides Kundenwachstum, zunehmenden freien Cash Flow sowie steigende Profitabilität aus, wobei sie Verlustvorträge zudem noch steuerlich nutzen können. Derzeit ist nicht absehbar, dass sich dieser positive Trend dem Ende zuneigt.

Telekomunikationskonzerne lassen sich von den Kabelnetzbetreibern die Butter vom Brot nehmen. Mit attraktiven Bündelangeboten von Telefonie, Fernsehen und Internet mit Übertragungsraten von über 30 MBit/s luchsen sie den Telekomkonzernen stetig Kunden ab.


Der Erfolg der Kabelnetzbetreiber spiegelt sich in eindrucksvollen Kursentwicklungen wider. So hat sich beispielsweise der Kurs von Kabel Deutschland seit dem IPO im März 2010 bereits verdreifacht. Mittlerweile sind in der Branche auch verstärkte Konsolidierungsbemühungen festzustellen. Die Unternehmen versuchen durch den Zukauf kleinerer regionaler Gesellschaften zu wachsen und in Gebiete vorzustoßen, in denen sie bisher nicht vertreten waren, so wie es Kabel Deutschland mit Tele Columbus vorhatte. Das Übernahmevorhaben ist aber Anfang dieser Woche endgültig gescheitert. Auch Kabel Deutschland selbst befindet sich im Visier: US-Investor BlackRock hat erst kürzlich seinen Anteil aufgestockt. Auch der US-Kabelkonzern Liberty Global hatte ein Auge auf Kabel Deutschland geworfen, will aber nun wohl für 16 Mrd. $ den US-Rivalen Virgin Media schlucken und so vor dem Rivalen Comcast zum weltgrößten Kabelkonzern aufsteigen. Damit dürfte sich auch der australische Medien-Tycoon Rupert Murdoch herausgefordert fühlen, der am Pay-TV- und Kabelkonzern BSkyB bereits gut 39 % hält und möglicherweise weiter aufstockt.


Die Wachstumsaussichten bleiben vor allem im europäischen Kabelgeschäft weiter vielversprechend. Moody‘s erwartet für 2013 ein Umsatzwachstum von 5 bis 6 %. Der Kreditausblick bleibt positiv, was für die teilweise hochverschuldeten Kabelkonzerne besonders wichtig ist. Wahrscheinlich werden die Kabelnetzbetreiber auch weiterhin auf Kosten der Telekom-Ex-Monopolisten wachsen. Laut Schätzungen werden sie ihren Anteil am Breitbandmarkt von 15 % auf 30 bis 40 % ausbauen.


Um Schritt halten zu können, müssten die Telekom-Konzerne massiv in den Aufbau ultraschneller Glasfasernetze investieren. Hier tun sich die Telekomunternehmen aber schwer, sind die Kosten doch immens. Zudem sehen sie sich z. T. bereits starker Konkurrenz regionaler Glasfasernetzbetreiber ausgesetzt. So schreckt die Deutsche Telekom selbst in einer so kaufkräftigen Region wie Frankfurt vor dem Ausbau zurück, weil zu wenige Vorverträge vorliegen. Das resultiert in einer in Deutschland niedrigen Akzeptanz: Laut Deutscher Telekom sind gerade mal 200.000 Kunden mit „Fiber to the Home“ versorgt. In Skandinavien und Asien erreicht die Marktabdeckung bereits einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentsatz aller Haushalte.


Die Modernisierung der bisherigen DSL-Kupferkabelnetze stößt mittlerweile an die Grenzen des technisch Machbaren. Selbst mit dem neuen Vectoring-Verfahren sind Datentransferraten von maximal 100 Mbit/s möglich. Der heutzutage in Breitbandkabelnetzen fast schon gängige Docsis-3.0-Standard erlaubt dagegen Transferraten von bis zu 320 Mbit/s. Über kurz oder lang werden die Telekommunikationskonzerne also gar nicht darum herumkommen, in den Ausbau teurer Glasfasernetze zu investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber auch wenn er erst langsam vonstatten geht: Dieser Ausbau der Glaserfasernetze könnte den Kabelnetzbetreibern über kurz oder lang gefährlich werden. So hat Google im Rahmen eines Pionierprojekts in Kansas City ein Glasfasernetz mit einem Datendurchsatz von 1.000 Mbit/s präsentiert.


Auch könnte das geänderte Nutzungsverhalten der Fernsehkunden den bisherigen Kabelnetzbetreibern gefährlich werden. Diese erzielen nämlich noch immer den Löwenanteil ihres Erlöses aus Verträgen mit linearem, also nicht interaktivem Fernsehen. Je mehr dieser Fernsehkunden aber an das Breitband verlorengehen, desto mehr bricht dieser wichtigste Einnahmeblock weg.


Die Zukunft wird in attraktiven Bündelangeboten liegen. Neben dem klassischen Fernsehen zuhause könnte zukünftig auch vermehrt über WLAN und Tablet-PCs ferngesehen werden. Erste Angebote gibt es derzeit schon in Deutschland, wie z. B. „Sky go“. Der Markt könnte aber auch vor einem völligen Umbruch stehen. Gelingt es Newcomern wie Google oder Apple, sich im TVGeschäft zu etablieren und Verträge mit den Anbietern von Inhalten zu schließen, wären auch Kabelkonzerne gezwungen, verstärkt in Inhalte zu oder in den Ausbau der Netze zu investieren, um die Einnahmeverluste im klassischen TV-Geschäft durch neue Internet-TV-Verträge zu kompensieren. Gefahr droht auch von den Mobilfunkkonzernen. Gerade in ländlichen Gebieten ist das neue LTE-Netz ein ernsthafter Konkurrent für Breitbandkabel- und DSL-Anbieter. Wer also heute in Kabelunternehmen investiert, muss sich bewusst sein, dass die Branche in einigen Jahren ihren Zenit gesehen haben könnte. Bis dahin dürfte sich der Aufwärtstrend der Aktienkurse aber weiter fortsetzen.


KABEL DEUTSCHLAND (KD8 888; 71 €) ist ein attraktiver Branchenvertreter. Mit einem KGV von 18 liegt die Bewertung noch im Branchendurchschnitt. Allerdings ist die Aktie kurzfristig überkauft. Hier sollte zunächst ein Rücksetzer abgewartet werden. Übernahmespekulationen und ein möglicher Bieterwettstreit werden den Rücksetzer aber nicht allzu groß ausfallen lassen.


ZON MULTIMEDIA (A0N EHN; 3,43 €) ist ein portugiesischer Kabelnetzbetreiber. Man will mit Optimus, der Mobilfunksparte von Sonaecom, fusionieren. Ein strategisch höchst sinnvoller Schritt, der viel bisher unerschlossenes Potenzial freisetzen würde!


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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