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Veröffentlicht von Redaktion "zertifikate kompakt" am 24.04.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 24.04.2009:

Börsenbrief zertifikate kompakt
zertifikate kompakt

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Der Devisenmarkt lockt als Anlagealternative

Mit einem täglichen Volumen von bis zu drei Billionen US-Dollar ist der Devisenmarkt mit Abstand der größte Finanzmarkt der Welt. Wobei dem Handel mit dem US-Dollar die überragende Bedeutung zukommt, gefolgt vom Euro. Deutlich wird die aktuelle Gewichtsverteilung auch daran, dass an den Weltwährungsreserven von mehr als sieben Billionen US-Dollar rund 65% auf den USDollar entfallen und etwa 25% auf den Euro.

Gehandelt wird am Devisenmarkt, oder auf Englisch an der Forex (Foreign Exchange Market), zudem zumeist elektronisch von Montag bis Freitag, 24 Stunden am Tag. Und nicht nur das: Es ist auch fast immer irgendwo etwas los. Investoren, die es gerne turbulent mögen, kommen daher voll auf ihre Kosten. Wie an jedem anderen Finanzmarkt auch, werden am Devisenmarkt die Preise einer Währung durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Dieser Preis wird Wechselkurs genannt. Gehandelt werden die Währungen paarweise, wobei der Wechselkurs der Preis für eine Geldeinheit (manchmal auch 100 Geldeinheiten) der so genannten Basis- oder Leitwährung ist, der in der Gegenwährung oder Devise angegeben ist. Wenn zum Beispiel der EUR/USD-Wechselkurs 1,3446 beträgt, heißt dies nichts anderes, als dass für einen Euro 1,3446 US-Dollar gezahlt werden müssen. Die kleinste gehandelte Einheit im Devisenhandel wird übrigens Pip genannt, wobei die exakten Kurse in der Regel mit vier Nachkommastellen angegeben werden.


Privatanleger noch in der Minderheit

Trotz der Vorteile wie hoher Liquidität und ständiger Verfügbarkeit wird das Handelsgeschehen fast ausschließlich von professionellen Marktteilnehmern wie international agierenden den Konzernen, Zentral- und Geschäftsbanken, Fonds und Hedgefonds bestritten. Privatanleger haben den Devisenmarkt, außer wenn sie damit beim Geldumtausch im Urlaub indirekt in Berührung kommen, dagegen bisher nur vereinzelt für sich entdeckt. Ganz nachzuvollziehen ist das nicht, ist der Handel mit Devisen doch eine sehr gute Ergänzung zu Investments in Aktien und Anleihen.


Komplexes Geschehen

Vermutlich hat die Zurückhaltung aber mit der Komplexität des Geschehens zu tun. Die Identifizierung der einzelnen Währungen ist zwar noch einfach. Schließlich hat die International Organisation für Standardisierungen in der ISO-Norm 4217 für jede Währung eine genau dreistellige Buchstabenkombination festgelegt. Für den US-Dollar steht dabei die Abkürzung USD, für den Euro EUR und den japanischen Yen JPY. Möglicherweise auch, um dem ganzen Geschehen ein etwas persönlicheres Antlitz zu geben, wurden für einige Währungen Spitznamen kreiert. So wird der US-Dollar auch Greenback oder Bucks genannt, der Austral-Dollar Aussie, das britische Pfund Cable, der kanadische Dollar Loonie oder der neuseeländische Dollar Kiwi. Diese Verniedlichung ändert aber nichts daran, dass es sich bei Devisenwetten um die Königsdisziplin an den Finanzmärkten handelt. Das hat damit zu tun, dass eine genaue Vorhersage der künftigen Kursentwicklung ausgesprochen schwierig ist. Selbst die besten Experten liegen hier immer wieder falsch mit ihren Prognosen. Das wiederum lässt sich mit den vielen Einflussfaktoren erklären, die auf die Devisenkurse wirken.



Viele verschiedene Einflussfaktoren

Fundamental betrachtet wirken viele volkswirtschaftliche Daten, wie die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt, zum Arbeitsmarkt, der Leistungsbilanz, zur Inflation oder die konjunkturellen Frühindikatoren ebenso auf die Notierungen wie die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbank. Beim letztgenannten Punkt kommt es stark auf die Zinsdifferenz zwischen den einzelnen Währungen an, wobei theoretisch Hochzinsländer mehr Geld anlocken als Niedrigzinsländer. Einiges hängt zudem von den Kapitalströmen ab, und die werden oft vom unter den Marktteilnehmern vorherrschenden Sentiment bestimmt. Sieht die Welt rosig aus, wird mehr Geld in risikoreichere Regionen wie die Schwellenländer gelenkt, während in Krisenzeiten das Kapital eher in als sicher erachtete Währungen wie den US-Dollar oder den Schweizer Franken fließt. Einfluss auf die Devisenkurse haben daneben natürlich auch politische Ereignisse wie etwa Regierungsrücktritte oder Kriege.


Charttechnik und Psychologie


Eine sehr große Bedeutung haben zudem charttechnische Überlegungen. Händler achten mit Argusaugen darauf, ob bestehende Trends intakt bleiben oder gebrochen werden und orientieren ihre kurzfristigen Anlageentscheidungen oft nur daran, ob ein bestimmtes wichtiges Kursniveau über- oder unterschritten wird. Wem das alles schon sehr komplex erscheint, der muss sich mit der Tatsache vertraut machen, dass gerade am Devisenmarkt nicht immer alles nur rational zugeht. Sehr viel wird auch von der Psychologie der Marktteilnehmer diktiert. Und es ist auch nicht immer so, dass ein bestimmter Einflussfaktor im Zeitablauf immer die gleiche Bedeutung hat oder die gleiche Kurswirkung nach sich zieht. Alles das führt dazu, dass man als Devisenhändler am besten nicht nur Volkswirt und Charttechniker, sondern auch noch Psychologe ist.


Devisen eröffnen Chancen

Aber auch wenn das alles sehr kompliziert klingt, Hexenwerk sind Devisenkursprognosen und Engagements am Devisenmarkt auch nicht. Insbesondere dann nicht, wenn man mit Strategie und Disziplin vorgeht. Zu einer disziplinierten Vorgehensweise gehört es dabei, Gewinne laufen zu lassen und vor allem Verluste konsequent zu begrenzen. Wer dies beherzigt, dem bietet der Devisenmarkt sehr viele Anlagemöglichkeiten. Gerade in der jüngeren Vergangenheit boten sich für diejenigen Anleger, welche die vorherrschenden Trends richtig erkannten, ausgesprochen viele Chancen. Denn die Kreditkrise und die damit verbundenen Turbulenzen hinterlassen auch bei den Devisenkursen tiefe Spuren. So wertete allein eine große Währung wie der japanische Yen im Vorjahr binnen weniger Monate gegenüber dem Euro um rund 48% auf, während das Pfund fast zeitgleich um gut 26% abwertete. Wer in dieser Phase auf die richtigen Optionsscheine oder Zertifikate wettete, der konnte das eingesetzte Kapital dank der Hebelwirkung dieser Produkte vervielfachen. Ähnliches gilt natürlich auch für jene Anleger, die rechtzeitig den massiven Abwertungsdruck erkannten, der auf den Schwellenländern lastete. In Asien und speziell in Osteuropa sind viele Währungen regelrecht eingebrochen und haben wie der russische Rubel, der ungarische Forint, der rumänische Leu oder die ukrainische Griwna 30% und mehr verloren.


Produktangebot wächst

Wer diese Bewegungen verpasst hat, sich aber mit dem Gedanken trägt, künftig am Devisenmarkt zu investieren, der muss sich nicht lange grämen. Denn zum einen werden die Anlagemöglichkeiten immer umfangreicher, und zum anderen sprechen die vielen Schwierigkeiten in der Weltwirtschaft für anhaltend volatile Kursausschläge. Wer mitmischen möchte, dem stehen inzwischen beispielsweise mehr und mehr Optionsscheine sowie Zertifikate zur Verfügung. Denn die Emittenten bieten nicht nur Produkte auf die gängigen Währungspaare, sondern auch vermehrt Produkte auf exotischere Währungen an. Außerdem gibt es eine wachsende Zahl an Forex-Brokern, die mit Hilfe von Software den Handel mit Devisen vom eigenen Computer aus ermöglichen. Diese Option ist aber schon eher etwas für echte Spezialisten, die sich intensiv mit der Materie beschäftigen wollen. Eine andere, ebenfalls jedermann offen stehende Möglichkeit, Devisenwetten einzugehen, sind Fremdwährungskredite. Hier wird in der Regel auf Niedrigzinswährungen gesetzt, bei denen man zusätzlich auch noch mit einer Abwertung rechnet. Solche Engagements können aber schnell zum Bumerang werden für den Fall, dass die Kreditwährung wider Erwarten aufwertet. Denn wer dann keine Einnahmen in dieser Währung hat, für den wird die Bedienung und Rückzahlung des Kredits zu einer Herkulesaufgabe. Wie sehr man durch so etwas in die Bredouille geraten kann, erfahren gerade Millionen Sparer in Osteuropa, die Kredite in Euro aufgenommen haben.


Kursentwicklung dürfte volatil bleiben

Was die weitere Entwicklung der Devisenkurse angeht, so dürfte es wie bereits angedeutet bis auf Weiteres sehr volatil bleiben. Dafür spricht alleine schon der Schlamassel, in dem die Weltwirtschaft steckt. Die damit verbundenen Wirren und Turbulenzen haben in den vergangenen Monaten nicht nur zu heftigen Kursausschlägen geführt, sondern auch Diskussionen heraufbeschworen, die noch vor kurzem undenkbar gewesen wären. So wurde zuletzt nicht nur über die Gefahr eines Scheiterns des Euros debattiert, sondern auch über das Ende des US-Dollars als Weltleitwährung. Die Sorgen mit Blick auf den Euro sind aufgekommen, weil sich Osteuropa zu einer Krisenregion entwickelt hat und Euro-Randstaaten wie Irland, Spanien oder Griechenland ebenfalls mit enormen volkswirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben.


Droht ein Abwertungswettlauf?

Der US-Dollar wiederum erscheint manchem Experten nicht zuletzt deshalb gefährdet, weil in Übersee die Staatsverschuldung aus dem Ruder zu laufen droht. Selbst der Schweizer Franken gilt nicht mehr als der Hort der Sicherheit, als der er einmal angesehen wurde, nachdem die Schweizer Nationalbank jüngst als erste Notenbank im Kampf gegen die Finanzkrise offen zum Mittel der Abwertung gegriffen hat. Daran entzündete sich dann schnell eine Debatte darüber, ob vielleicht weltweit ein Abwertungswettlauf droht. Doch damit nicht genug: Vereinzelt wurde zuletzt sogar über die Gefahr einer Währungsreform diskutiert, bei der Geld alle seine Funktionen verlieren würde. Trotz einiger Bankenpleiten ist dies aber so lange keine Gefahr, wie aus den derzeit noch vorherrschenden deflationären Tendenzen nicht eine Hyperinflation wird.


Für Spannung ist gesorgt

Aber auch weil dies, ebenfalls wie eine Rückkehr zum Goldstandard, von Experten nicht völlig ausgeschlossen wird, dürfte es spannend bleiben an den Devisenmärkten. Aktuell sieht es dabei so aus, als ob im Zuge einer wieder etwas steigenden Risikobereitschaft der Anleger die Währungen der Schwellenländer vor einer Kurserholung stünden. Langfristig ausgestanden scheint die Kreditkrise aber noch nicht, weshalb es auch schnell wieder in die andere Richtung gehen kann. Wer es schafft, dabei mit den passenden Produkten auf das richtige Pferd zu setzen, dem winken satte Gewinne. Zumal es am Devisenmarkt relativ leicht ist, neben steigenden auch auf fallende Notierungen zu setzen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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