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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 05.02.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 05.02.2011:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Der beste Januar seit 12 Jahren

Na, so langsam dürften die Arbeitsmarktzahlen in den USA aber Besserung zeigen ˆ doch das war heute nicht der Fall. Vielmehr haben die heutigen Arbeitsmarktdaten aus den USA für große Verwirrung gesorgt:

Statt 150.000 erwarteten neuen Arbeitsplätzen wurden im Januar nur 36.000 neue Stellen geschaffen. Verheerend, würde man auf den ersten Blick meinen, denn die USA müssen neue Stellen schaffen, um die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig ist jedoch die Arbeitslosenquote von 9,4 auf 9,0% gesunken. Marktbeobachter hatten eine Arbeitslosenquote von 9,5% erwartet. Wenn weniger Stellen geschaffen werden, wie kann dann die Arbeitslosenquote fallen? Nun, die Antwort liegt in der Erhebungsmethodik der Statistiken. Ohne Sie mit den Details belasten zu wollen, will ich kurz darauf hinweisen, dass in den USA nicht jeder Arbeitslose in die Arbeitslosenstatistik eingeht, sondern nur diejenigen, die sich als aktiv arbeitssuchend gemeldet haben. Schneesturm und insgesamt schlechte Wetterbedingungen haben dazu geführt, dass im Januar weniger Arbeitslose aktiv nach einem neuen Job suchten, wenngleich sie vermutlich einen neuen Job nicht ablehnen würden. Gleichzeitig wurden die Statistiken aus dem November und Dezember rückwirkend korrigiert, damals wurden mehr Stellen geschaffen, als in der damaligen ersten Erhebung angenommen. Und dann gibt es noch ein paar Effekte aus befristeten Jobs, die wetterbedingt im Januar nicht ausliefen, und ähnliche Effekte, so dass die beiden Ziffern ≥Neue Stellen„ und Arbeitslosenquote auf den ersten Blick so widersprüchlich aussehen. Unterm‚ Strich wird die Verwirrung in ein ≥Durchwachsen„ übergehen: Das schlechte Wetter hat eine Erholung am Arbeitsmarkt verzögert, es ist noch nicht der Zeitpunkt gekommen, die Hoffnung aufzugeben. Der Januar hielt für die Aktienindizes die beste Performance seit 1997 bereit (+2,6% im DAX). Selbst zu besten Zeiten der Internethausse 2000 sowie der Rohstoffhausse 2007 fiel der Januar nicht so gut aus wie dieses Jahr. Und wenn man den Börsenweisheiten glaubt, so ist der Verlauf des Januars richtungsweisend für den Verlauf des restlichen Jahres an der Börse. Und lassen Sie mich mal daran erinnern, welche Meldungen für diese herausragende Performance verantwortlich waren: Euro-Krise mit hohem Refinanzierungsbedarf bei Portugal und Spanien, während sich die Euroländer bis heute noch nicht auf einen gangbaren Umgang mit den Defizitsündern geeinigt haben. Der Ölpreis ist auf Rekordhöhen gestiegen, bei uns in Europa vorübergehend sogar über 100 USD/Fass Nordsee-Öl. Viele Analysten zeigen auf, dass zu hohe Ölpreise die Produktionskosten in die Höhe treiben und dadurch bedingte Preissteigerungen nicht an den Konsumenten weitergegeben werden können, die Gewinne der Unternehmen werden also fallen. Die heißesten Trends des Jahres 2011 auf den Technologiemärkten haben kräftige Dämpfer erhalten: F5 Networks hat den Hype um Cloud-computing und Datensicherung durch einen Kurseinbruch um 22% über Nacht beendet. VMWare hat die Waffen im Bereich der Virtualisierungssoftware gestreckt. Und Amazon verzeichnet rückläufige Gewinnmargen in einer Zeit, da die Konjunktur doch anzieht. Banken zahlen Milliarden-Entschädigungen an die Geschädigten der toxischen Immobilienderivate, immer neue Klagen werden eingereicht. Unwetter in Australien gefährden die Nahrungsmittelversorgung weltweit. Getreidepreise sind explodiert, Unternehmen wie Unilever, Kellogs und Procter & Gamble werden die hohen Einkaufskosten nicht an ihre Kunden weitergeben können. Chaos in Tunesien und nun auch in Ägypten, das sich auf den gesamten Nahen Osten ausweiten könnte. Hier haben wir den Grund für den jüngsten Ölpreisanstieg. Nach einer Kursrallye um 20% im DAX seit vergangenem Herbst waren die Warnungen auf allen Titelseiten zu finden, dass der Markt überhitzt sei, dass das Kursniveau nicht gehalten werden könne. Und über all diesen Befürchtungen schwebt die Angst vor China: Solange dort die Wirtschaft läuft, könnte alles noch gut ausgehen. Doch die Chinesen fürchten inzwischen ebenfalls inflationierte Preise, insbesondere bei den Agrarstoffen und setzen alles dran, eine Überhitzung der Wirtschaft im Keim zu ersticken: Stellen Sie sich auf weitere Zinsanhebungen in China ein! Nun, hört sich das nach Meldungen an, die für den besten Januar seit zwölf Jahren sorgen? Oder hat die Boulevardpresse einfach von Tuten und Blasen keine Ahnung? Oder befinden wir uns nunmehr in der ersten Phase des Vertreters der Österreichischen Schule (volkswirtschaftliche Richtung), die einen Crack-Up Boom erwarten, eine Flucht in reale Werte wie Unternehmensanteile (Aktien!)? Ich kann mir letzteres durchaus vorstellen, zumal mich in den vergangenen Wochen vermehrt Verwandte mit Fragen nach Aktien kontaktieren, die bislang kaum ein Interesse für die Aktienbörse entwickelt hatten. Bei all diesen Spannungen auf den Weltmärkten scheinen Unternehmen derzeit die beste Wahl, sein Vermögen gegen ein eventuelles Chaos abzusichern. ...und Gold? Was ich vom Gold halte, habe ich heute in der Monatsbetrachtung aufgezeigt. Für mich sind diese Entwicklungen sehr spannend. Gleichzeitig können Sie den Sentimentdaten entnehmen (s.u.), dass Anleger nicht verunsichert werden, sondern vermehrt für eine Überzeugung eintreten ˆ egal ob bullisch oder bärisch. Die Spannung wächst, die Überzeugung der Anleger festigt sich, doch auf eine gemeinsame Linie kann man sich nicht einigen. So würde ich mir nun wünschen, dass die Hiobsbotschaften nochmals zulegen, und zwar schleunigst, sodass hoffentlich schon bald eine Konsolidierung der jüngsten Kursgewinne stattfinden kann. Denn vor dem Hintergrund dieser Nachrichtenlage kann die Börse nicht nachhaltig ansteigen. Vielmehr hat es für mich so langsam den Anschein, dass sich Panik breit macht: Kaufpanik. Und sollte die Kaufpanik in den nächsten Wochen durch positive Meldungen noch geschürt werden, dann ≥wird es böse enden„, würden die Weltuntergangspropheten sagen. Ihr Autor sagt, dass sodann eine heftige Korrektur erforderlich würde, und so was strapaziert stets die Nerven. Ungeachtet dessen zeigt jedoch diese Entwicklung, dass Aktienunternehmen derzeit dicke Gewinne erwirtschaften und den geopolitischen Widrigkeiten erfolgreich trotzen. Dies dürfte meines Erachtens im gesamten Jahr 2011 der Fall sein ˆ doch ein mäßiger Kursanstieg mit regelmäßigen kleinen Verschnaufpausen wäre mir lieber, als eine schnelle Rallye in Richtung DAX 7.500 oder gar 8.000. Soweit die allgemeine Betrachtung. Doch wie immer steckt der Teufel im Detail: Es reicht nicht, bullisch für Aktien zu sein, sondern Sie müssen die richtigen Aktien erwischen. Wer braucht Microsoft, wenn es doch Apple gibt? Wer braucht F5, wenn es doch JDS Uniphase gibt? Wer braucht die Commerzbank, wenn ein Ackermann die Deutsche Bank steuert? Anfang 2010 musste ich mich mit vielen Bären herumschlagen: Leserbriefe, die mich davon zu überzeugen versuchten, dass wir uns in einer Bärenmarktrallye befinden und dass alle Aktien schleunigst verkauft werden müssten. Heute, ein Jahr später, diskutiere ich nur noch darüber, welche Aktien wohl am besten laufen werden. Dabei wird inzwischen vielfach bereits das einzige Geschenk der Börse über Bord geworfen: Diversifizierung! Wer alles auf ein Pferd setzt und einen Gewinner wie Salesforce.com im Jahr 2010 erwischt, der wird Ende diesen Jahres über die Performance von diversifizierten Portfolios lachen. Doch die Rallye wird meines Erachtens immer weniger von der breiten Masse getragen, als vielmehr durch immer weniger, aber immer erfolgreichere Unternehmen. Diversifizierung ist nun wichtiger denn je. Wir haben dies im Heibel-Ticker PLUS diese Woche erlebt, als eine unserer vermeintlich ≥heißen„ Anlageideen in Rauch aufgegangen ist. Gleichzeitig gehen derzeit mehr Ideen auf denn je, doch wer sich nur auf ein Pferd verlässt, läuft Gefahr, entstehende Verluste nicht verkraften zu können.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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