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Veröffentlicht von CURT L. SCHMITT Informationsdienste am 24.11.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 24.11.2011:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Der Anleihenmarkt arbeitet derzeit mit einer falschen Grundannahme zum deutschen Anleihenrisiko.

In der jüngeren Zeit markierten zweijährige deutsche Staatsanleihen das niedrigste Rendite-Niveau seit dem zweiten Weltkrieg. Angesichts der Verunsicherung rund um Italien, Spanien und zuletzt eben auch Frankreich verwundert es nicht, denn Deutschland ist definitiv die beste Adresse im Euro-Kontext. Doch die Annahme, hier einen risikolosen Zins zu finden, ist trügerisch.

 

Nicht die Solvenz Deutschlands ist das Problem, sondern das hohe Kursniveau der Anleihen und das damit verbundene hohe Kursrisiko besonders für Marktteilnehmer, die die Bestände nicht auf Endfälligkeit, sondern im Handelsbestand halten. Angesichts der Größe der Engagements dürfte sich so mancher Marktteilnehmer demnächst eine blutige Nase holen.

Während die Renditen noch immer im Keller sind, zeigt der Markt für deutsche Kreditausfallversicherungen bereits Fieberzuckungen. Im Kontext der letzten Jahre liefen die sog. Credit Default Swaps für Deutschland mehr oder weniger im Gleichlauf zu denen für die USA. Seit etwa Mitte dieses Jahres aber haben sich die CDS für Deutschland eindeutig abgekoppelt von denjenigen für die USA. Das macht auch Sinn, denn während die USA ein autarkes Gebilde sind, wo im Zweifelsfall die Notenbank die Schulden monetarisieren könnte und würde, hat Deutschland genau diesen Mechanismus eben nicht und ist außerdem letztlich in Sippenhaft durch das europäische Umfeld. Die völlig missglückte Auktion zehnjähriger deutscher Staatsanleihen ist ein offenkundiges Menetekel.

Der jetzige Kurs dt. Staatsanleihen impliziert im Grunde genommen das Szenario, dass Deutschland den Euroverbund verlässt. In diesem zunächst unwahrscheinlichen Fall wäre das extrem niedrige Zinsniveau Deutschlands gerechtfertigt (und würde dann sogar noch weiter komprimiert). In so ziemlich jeder anderen Lösungsvariante gehört hinter das niedrige Zinsniveau Deutschlands ein Fragezeichen. Der Rettungsfonds EFSF hätte eine Chance bieten können, war aber dann (auch durch das griechische Manöver) letztlich eine Totgeburt. Sollte die EZB tatsächlich die Bazooka herausholen mit einem unbegrenzten Kaufrahmen für Anleihenkäufe, wäre dies letztlich die gehasste Monetarisierung von europäischen Staatsschulden, könnte aber zu effektiven Kapitalrückflüssen aus dem vermeintlich sicheren Hafen Deutschland heraus führen. Folge: Steigende Renditen. Sollte Deutschland über den eigenen stabilitätsorientierten Schatten springen und tatsächlich für andere Euro-Sünder die Zeche zahlen über gemeinsam begebene Eurobonds, wäre das ein direkter Angriff auf das deutsche Bonitätsniveau. Folge: Höhere Renditen als gestiegene Risikoprämie. Letztlich wird es wohl auf eine Eurobond-Lösung hinauslaufen. Wenn es gut geht, können die Deutschen zumindest einige Eckpunkte ihrer Stabilitätsorientierung in Europa verankern.

Auch ökonomisch macht das niedrige Zinsniveau in Deutschland keinen Sinn. 2-jährige deutsche Staatsanleihen rentieren mit 0,45 %, 5-jährige mit 1,13 %, und bei 10-jährigen Papieren sind es derzeit etwa 2,15 %. Dies steht gegen ein Wirtschaftswachstum von 2,6 % im dritten Quartal (gegenüber Vorjahr) und eine deutsche Inflationsrate von 2,5 % (Oktober). Real gerechnet (besonders auch inkl. Steuern) zahlen die Anleihengläubiger drauf. Wie man es dreht und wendet: Deutsche Staatsanleihen zeigen derzeit ein denkbar ungünstiges Chance/Risiko-Verhältnis. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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