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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 17.12.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.12.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

DAX 7.000: VERGLEICH 1999 & 2010

Zum Jahrtausendwechsel 1999/2000 übersprang der DAX erstmals die 7.000 Punkte. Der Goldpreis rutschte damals unter 300 Euro/Uz. Die Internetblase war voll im Gange, KGVs von 100 und mehr waren keine Seltenheit, ich erinnere mich, damals sogar Unternehmen mit ähnlichen KUVs gefunden zu haben. Kurs/Umsatz- Verhältnisse, die nur der Ausdruck von Träumen einer neuen Welt gewesen sein können.

Das war vor elf Jahren. Inzwischen ist die Internetblase geplatzt, die Immobilienblase geplatzt, wir haben Kriege (Afghanistan, Irak), Anschläge (Al Quaida) durchlaufen und die politische Welt wurde neu sortiert. Heute haben wir die G20 und nicht mehr die G7, die Schwellenländer treiben die Konjunktur an und die etablierten Industrienationen taumeln von Finanzkrise zur Währungskrise. Der DAX steht heute wieder bei 7.000 Punkten, der Goldpreis hat sich in diesem Zeitraum auf 1.000 Euro/Uz mehr als verdreifacht. Da haben Sie‚s: Der Beweis. Investieren in Aktien ist zeitaufwändig und lohnt sich nicht! Selbst wenn Sie ihr Vermögen in Ihr Kopfkissen eingenäht hätten, stünden Sie heute nicht schlechter da, als der durchschnittliche Aktieninvestor (in Scheinen bitte, Münzen oder auch Goldbarren sind zu hart). Doch diese Entwicklung war absehbar. Bis zum März 2000 schwang sich der DAX noch auf über 8.000 Punkte auf, dann folgten zehn magere Jahre. Schon Anfang 2000 gab es Analysen, die eine entsprechende Durststrecke in Aussicht stellten. Historische Vergleiche, Elliot-Wellen und weitere langfristige Analysemethoden gaben einen solchen Ausblick. Auch Ihr Autor hatte sich damals mit diesen Thesen auseinandergesetzt und stellte sich daher auf eine Phase ein, in der ≥Kaufen und Halten„ eben falsch war. Was wir von unseren Eltern, der Nachkriegsgeneration, gelernt haben, gilt für unsere Zeit eben nicht mehr. Sie mussten Ihr Vermögen in den vergangenen elf Jahren aktiv anlegen, Sie mussten bereit sein, Gewinne zu versilbern (selbst wenn sie dafür Steuern zahlen mussten), und Sie mussten immer wieder neue Anlageideen ausarbeiten. Eine schwere Zeit für Börsianer, wenn Sie sich im Gegensatz dazu die 90er Jahre anschauen. Der DAX hat sich seit März 2009 von 3.666 Punkten auf nunmehr 7.000 Punkte fast verdoppelt. Das Tief im März 2009 würde ich als Tiefpunkt an der Börse für unsere Generation bezeichnen. Ich denke nicht, dass wir dieses Tief nochmals wiedersehen. Nach der (fast-) DAX-Verdopplung in nur 20 Monaten sitzen viele Anleger vor parabolisch verlaufenden Kurscharts und schütteln den Kopf: Die Rallye in Betrandt haben viele wohl verpasst. Der kometenhafte Aufstieg von Dialog Semiconductor ist an vielen Anlegern spurlos vorbeigegangen. Und wer hat schon den Erfolg von K+S vorher gesehen? Wenn Sie jetzt aufhören zu lesen, dann können Sie den Heibel- Ticker gerne abbestellen und in den nächsten Jahren weiterhin kopfschüttelnd vor parabolischen Kursverläufen sitzen. Doch ich erwarte, dass das Geld verdienen an der Börse künftig wieder etwas leichter wird. Künftig heißt in meinen Augen konkret: Für die nächsten drei bis sieben Jahre. Wir befinden uns in einer Glaubenskrise, an deren Ende gegebenenfalls kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Die politischen Gewichte der Welt verschieben sich, Machtspielchen werden häufig zu Lasten der ökonomischen Vernunft ausgetragen, was für uns Anleger ein unüberschaubares Risiko ist. Demokratien sind heute kaum mehr in der Lage, mit den Problemen unserer Zeit fertig zu werden, geschweige denn föderalistische Systeme wie die EU. Autoritär geführte Staaten gewinnen an Einfluss, während bei uns teilweise die Demokratie durch anarchistische Bewegungen unterlaufen wird (Wikileaks!). Der Zuspruch, den Wikileaks erfährt, zeigt, dass die Menschen ihren Demokratien nicht mehr vertrauen, dass sie sich machtlos gegenüber den bestehenden Strukturen fühlen und nach Änderungen streben. Ich kann das gut nachvollziehen. So sehr ich die Vorgehensweise von Wikileaks hier kritisiere, da ein rechtsfreier Raum ausgenutzt wird, so erwartungsfroh bin ich insgeheim für die daraus resultierenden Änderungen im politischen System. Mehr Transparenz, mehr direkte Verantwortung der Politiker gegenüber ihren Wählern und hoffentlich keine rechtswidrigen Mauscheleien mehr. Wenn ich mir das Aktienuniversum anschaue, dann finde ich keine KGVs von 100 mehr. Ich finde auch keine Branche, die derzeit in die Höhe gejubelt wird und dadurch die Börsenindizes auf unnatürlich hohe Niveaus führt. Internet, Immobilien, Solar, Schwellenländer, innovative Finanzprodukte, ... all diese Blasen wurden entlüftet und dennoch steht der DAX nun wieder bei 7.000 Punkten. Die Bewertungen der Unternehmen sind durch die Reihe weg vernünftig. Wenn Sie sich die Gewinnprognosen der DAX- Unternehmen für das kommende Jahr anschauen, dann werden Sie sehr wenige KGVs 2011e finden, die über 20 stehen. Viele stehen unter 10! In den USA finden wir nun langsam erste positive Zeichen auf dem Arbeitsmarkt. Auch die US-Konjunktur scheint sich langsam aufzurappeln, und der Weihnachtskonsum der Amerikaner ist ungebrochen. Als Stimmungsmacher für die Welt können die USA noch immer herhalten und wenn es den USA besser geht, dann zieht dies auch Europa mit. Das derzeit drückendste Problem sehe ich im Euro. Die Konstruktion ist marode, ganz Südeuropa wettert inzwischen gegen Deutschland, und außer die (zugegebenermaßen schlechten) Vorschläge aus Brüssel abzulehnen, kommt von Angela Merkel nicht viel. Zuerst hat sie meines Erachtens den Fehler gemacht Griechenland zu helfen. Dann hat sie ohne Not gegenüber Sarkozy ihre Forderung nach strikten Regeln für Defizitsünder fallen gelassen. Und nun fehlt es ihr an neuen Konzepten. Heute fährt sie nach Brüssel und lässt ihre Forderung nach strikten Regeln wieder aufleben. Ein Schlingerkurs, der nicht geeignet ist das Vertrauen in den Euro zu stärken. Mein Vorschlag: Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, die wirtschaftspolitische Harmonisierung auf EU-Ebene auf das Protokoll zu nehmen. Dieser Schritt wird seit Anfang der 90-er Jahre angemahnt, doch es traut sich niemand dran. Es wäre jedoch der Königsweg für Europa, und die Währungsturbulenzen und Defizitprobleme sind groß genug, um sich an dieses Thema heranzuwagen. Doch wie weiter oben bereits ausgeführt: Unsere Politik wartet lieber auf ein eindeutiges Mandat der Wähler statt mutig voranzuschreiten. Ja, Sie werden mich wieder heftig kritisieren, doch in diesem Verhalten sehe ich die Ursache für den Erfolg von Wikileaks. Unsere Politiker haben keinen ≥Masterplan„ und geben dies inzwischen öffentlich zu (ich sprach mit einer Bundestagsabgeordneten, die mir unverblümt sagte, dass sie keine Ahnung über die Hintergründe hatte, als sie über die Griechenlandhilfen abstimmen sollte). In diesem Umfeld geht es der Wirtschaft zunehmend besser. Ich glaube nicht, dass der Euro im nächsten oder auch im übernächsten Jahr zu Fall gebracht werden kann. Vor dem Hintergrund weiterer ≥Verschlimmbesserungen„ wird die Wirtschaft weiterhin mit ordentlich Liquidität versorgt, die Wirtschaft wird meines Erachtens in den nächsten Jahren der Rückhalt, ein sicherer Hafen, für Anleger sein. Staatsanleihen verlieren an Vertrauen. Nicht nur, dass konservative Anleger dort nicht mehr so viel investieren, vielmehr muss das dort nicht investierte Geld anderswo untergebracht werden. Meine Erwartung: An der Aktienbörse und in Gold. So ist das Überspringen der 7.000 Punkte im DAX (übrigens nach 1999 und 2007 bereits der dritte Anlauf) nunmehr geeignet, eine Börsenrallye loszutreten, die erst an ihrem Ende auch wieder die privaten Anleger verstärkt zurück zur Aktienbörse bringen wird. Soll ich eine Prognose abgeben? Ach ja, dafür bezahlen Sie mich ja. Also gut: DAX 10.000 denke ich werden wir im Jahr 2012 knacken. Trotz des Schlingerkurses im Euroland, denn die Gewinne vieler deutscher Unternehmen werden zunehmend im Ausland generiert.  

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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