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Veröffentlicht von Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH am 06.02.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 06.02.2014:

Börsenbrief Aktionärsbrief
Aktionärsbrief

Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1989

Das Umfeld für europäische Energieversorger bleibt herausfordernd

Auch die jüngsten Vorschläge der EU-Kommission sowie des Wirtschafts- und Energie-Ministers Sigmar Gabriel brachten bisher nicht die erhoffte Entspannung. Zusätzlich zu den stärkeren regulatorischen Eingriffen zur Förderung des Klimaschutzes sieht sich die Branche mit immer höherer Energieeffi zienz und damit sinkender Stromnachfrage ausgesetzt. Zudem werden energieintensive Industrien teilweise in andere Regionen verlagert.

Auf der Angebotsseite macht Solar- und Windstrom weiterhin Probleme. Insbesondere in Deutschland ist dieser Bereich durch hohe Subventionen und eine garantierte Einspeisevergütung schmackhaft gemacht worden. Das hat zu einem explosiven Ausbau der Kapazitäten geführt, die in Deutschland bereits 80 Gigawatt erreichen. Mit der Folge, dass mittlerweile zumindest zeitweise so viel regenerativ erzeugter Strom in die Netze drängt, dass an vielen Tagen des Jahres ein Überangebot herrscht. Das führt zu der absurden Situation, dass dieses Überangebot nicht nur massiv die Preise drückt, sondern sogar Strom ins Ausland verschenkt werden muss.

Unklar ist, wie es weitergeht, wenn die für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung für Solar- und Windstrom ausläuft. Möglicherweise wird es dann einen kapazitätsregulierten Markt für Strom aus regenerativen Quellen geben. Derzeit ist eine solche Lösung zwar erst für konventionelle Kapazitäten angedacht, aber Branchenkenner halten in Deutschland auch einen Kapazitätsmechanismus zumindest als Zwischenfinanzierungslösung für denkbar. Davon würden Versorger mit konventionellen Reservekapazitäten tendenziell profitieren. Das gesetzlich vorgeschriebene Vorhalten dieser Reserven ist derzeit nicht kostendeckend zu bewerkstelligen. Ein Allheilmittel wären die Kapazitätsprämien aber nicht. Sie würden lediglich helfen, die Verluste etwas zu mildern.

Steigende Strompreise sind vorerst nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Die niedrigen Strompreise, die heute an den Strombörsen gehandelt werden, werden die Unternehmen erst in bis zu drei Jahren voll treffen, denn Versorger verkaufen ihren Strom in der Regel bis zu drei Jahre im Voraus. Dann wird voraussichtlich auch das Profitabilitätstief der Stromerzeuger erreicht sein.

Den Versorgern bleibt nichts anderes übrig, als dieser misslichen Lage mit drastischen Sparmaßnahmen zu begegnen. Darüber hinaus werden Randaktivitäten verkauft, um Kapital freizusetzen. Neue Geschäftsfelder können die fehlenden Erträge aus dem Produktionsgeschäft auf mittelfristige Sicht noch nicht kompensieren. Da die meisten europäischen Versorger negative oder nur marginal positive Cash-Flows erwirtschaften, ist in Zukunft auch mit sinkenden Dividenden und zurückgehenden Investitionen zu rechnen. Auch für die Instandhaltung der bestehenden Kapazitäten wird man nur das Nötigste ausgeben, was nicht gerade förderlich für die Versorgungssicherheit sein wird.

Neue Geschäftsfelder, die den wegbrechenden Produktionsbereich langfristig ersetzen können, sind spärlich gesät. Dazu gehören intelligente Stromnetze („Smart Grids“), die den Betrieb durch das Management von Angebot und Nachfrage optimieren und so die Systemkosten senken. Dieser Bereich ist aber gerade erst am Anfang. Zudem drängen auch branchenfremde Wettbewerber, vor allem Telekom- und IT-Unternehmen, auf diesen noch jungen Markt, was die Situation für die Versorger nicht gerade leichter macht.

Dennoch gibt es Versorger, die sich trotz dieser widrigen Bedingungen eindrucksvoll behaupten. Dazu gehören vor allem britische Versorger. Das liegt daran, dass in Großbritannien die Branche durch ein stabileres regulatorisches Umfeld und geringere Überkapazitäten geprägt ist und so auskömmlichere Margen ermöglicht. Risiken drohen allenfalls, wenn nach einem Regierungswechsel die Tarife gesenkt würden oder die Gaspreise steigen würden.

Zu den besonders attraktiven Versorgern in GB gehört SCOTTISH & SOUTHERN ENERGY (881 905; 1.329 GBp). Das Unternehmen kann nachhaltig Umsatz und Gewinn steigern. Zudem ist die Aktie mit einem KGV von 11 niedrig bewertet. Dazu winkt eine überproportional hohe Dividendenrendite von 6,8 %. In den letzten Monaten hat der Aktienkurs korrigiert, was eine gute Einstiegsgelegenheit ist.

NATIONAL GRID (A0E TYW; 782,50 GBp) ist ein britischer Netzbetreiber. Das Geschäft mit dem Transport von Strom ist zwar stärker reguliert als die Herstellung von Strom, was sich aber nicht negativ niederschlägt. Im Gegenteil: Übertragungsnetzbetreiber werden weniger von den derzeitigen Marktbedingungen beeinträchtigt als die Stromhersteller. Auch National Grid kann Umsatz und Gewinn stetig steigern. Die Bewertung ist mit einem KGV von 14 vertretbar. Die Dividendenrendite von 5,3 % ist dagegen hochattraktiv. Ähnlich interessant, wenn auch etwas riskanter: Der italienische Netzbetreiber TERNA (A0B 5N8; 3,56 €).

Spanische und italienische Versorger wie IBERDROLA und ENEL sind zwar generell Turnaround- Kandidaten, die aber unter der schleppenden Konjunkturerholung und ihrer hohen Verschuldung leiden. Auch die deutschen Versorger RWE und E.ON gehören wegen ihrer hohen Verschuldung nicht zu den Favoriten der Branche. Erst in der vorletzten Woche musste RWE wieder milliardenschwere Abschreibungen vermelden. E.ON steht dagegen einen Tick besser da. Einen positiven Impuls werden beide Werte erhalten, wenn die Zahlungspfl icht für die Brennelementesteuer gerichtlich gekippt werden würde. Dass es tatsächlich so kommt, ist derzeit aber nicht absehbar.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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