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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 04.02.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.02.2011:

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CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Das Münchhausen-Manöver der Amis gelingt!

Während viele Marktteilnehmer sich noch den Kopf über den Schuldensumpf der USA zerbrechen, wird dort Zeile für Zeile die Turnaround-Story geschrieben. Dabei zählen nicht nur die großen Überschriften, sondern auch subtile Botschaften, die in der Summe ein stimmiges Ganzes ergeben und sukzessiv die Stimmung in den USA drehen. In einer Volkswirtschaft, die zu etwa 70 % vom Konsum abhängt, ist dies die entscheidende Schlüsselgröße, die letztlich mit dem üblichen Zeitversatz auch die Beschäftigung mit einschließt und über eine deutliche Dynamisierung der Wirtschaft auch neuen Spielraum in der Behandlung der Verschuldung zulässt. Damit nähern sich die USA dem Schuldenproblem im Vergleich zu den Europäern von der diametral gegenüberliegenden Seite. Indikativ:

Die Amis sitzen wieder im Chefsessel. Der hohe Anteil von Staatsanleihen in Japan und vor allem auch in China war bisher ein Sorgenfaktor. Die Frage war: Was passiert mit dem Dollar, wenn die Chinesen das Vertrauen verlieren? Japan hält derzeit immerhin etwa 877 Mrd. Dollar an US-Staatsanleihen, China steht sogar für 896 Mrd. Dollar. Macht in der Summe 1.773 Mrd. Dollar. Doch was fast keiner wahrnimmt: Durch die Anleihenkäufe der amerikanischen Notenbank ist die FED inzwischen der größte Einzelgläubiger der USA. Volumen etwa 1.108 Mrd. Dollar. Bis Juni dürften es etwa 1.500 bis 1.600 Mrd. Dollar werden. Die globalen Notenbank-Bestände von US-Staatsanleihen werden beziffert mit 2.600 Mrd. Dollar. Was würde also geschehen, wenn die Chinesen ernsthaft verkaufen wollten? Die Fed würde kurz und schmerzlos erhebliche Bestände übernehmen. Es wäre sogar gut vorstellbar, dass man mit den Chinesen intern bereits eine Art Call-Option verhandelt hat, um etwaige Risiken vom Markt zu nehmen. Effekt für das Zinsniveau und auch den Dollar? Mehr oder weniger Null, was schon sehr geschickt ist. Vielmehr ergibt sich ein geschlossener Kreislauf, in dem die Fed die Anleihen erwirbt und letztlich sehr wahrscheinlich auch vom Markt nimmt durch ein Halten bis Endfälligkeit. Damit würde die Fed sogar noch hohe Zinserträge generieren, wenngleich dies nur ein Randfaktor ist. Wichtiger: Die US-Notenbank wird zum wichtigsten Einzelfinanzier des Staates. Allein schon aus psychologischer Sicht ist das ein bedeutsames Signal. Damit konkretisiert sich eine neue Spielregel, die letztlich auch in Europa zum Tragen kommen dürfte. Ein Gesundsparen der Problemländer ist vom jetzigen Niveau und der zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung kaum realistisch zu unterstellen. Neben der Inflation als Schuldentilgungs-Instrument wird wohl auch die EZB oder eine wie auch immer geartete rechtliche Konstruktion letztlich eine aktive Steuerung des Anleihenmarktes vornehmen und diesen damit abfangen. Dies ist ja nicht neu (Stichwort Offenmarktpolitik), aber fortan geht es um eine neue Dimension. Die großen Notenbanken werden zum sog. „Buyer of last Resort“ am Anleihenmarkt und damit auch zu einer Versicherung, dass dieser Markt nicht einfriert wie einzelne Marktsegmente zu den Hoch-Zeiten der Finanzkrise. Insofern wird sich eine Schwäche der Anleihen zwar nicht vermeiden lassen, aber einen Crash wird es zunächst nicht geben. Vielmehr wird das Zinsniveau letztlich ein konstruiertes Gebilde. Das ist zunächst positiv, da damit eine wirkliche Feinsteuerung möglich wird im Gegensatz zu den Rundumschlägen durch eine Erhöhung der Leitzinsen. Auffällig ist, dass die Fed bei den bisherigen Anleihenkäufen mit einem Anteil von 67 % vor allem auf Anleihen mit Restlaufzeit 4,5 bis 10 Jahre setzte, also genau das Laufzeitfenster, das ökonomisch besonders relevant ist. Damit erhält die Notenbank das Instrumentarium, die Zinsstrukturkurve so zu bauen, wie das für die Erholung und auch für die Marktwahrnehmung zunächst nötig erscheint. Der neue Sachrahmen hat natürlich durchaus auch kritische Aspekte. Wenn die Marktzinsen am runden Tisch und nicht am Markt definiert werden, besteht generell die Gefahr, dass es zu Fehl-Verwendungen von Kapital kommt (letztlich war dies ein wichtiger Aufhänger der jüngeren Finanzmalaise). Außerdem steht und fällt das Konzept mit dem verantwortungsbewussten Agieren der beiden Akteure Notenbank und Regierung (bzw. nebst Kongress). Denn letztlich handelt es sich um eine Staatsfinanzierung über die Notenpresse. Wird sie überspannt, riskierte man Vertrauenswürdigkeit und damit den wichtigsten Vermögensposten, den eine Notenbank haben kann.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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