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Veröffentlicht von Redaktion "PortfolioJournal" am 16.03.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 16.03.2011:

Börsenbrief PortfolioJournal
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Das Geld liegt auf der Straße

Brücken, Gleise, Straßen und Strommasten sind in den westlichen Industrienationen allgegenwärtig. Was die Bürger oftmals kostenlos nutzen, kostet den Staat in der Unterhaltung viel Geld – und davon steht dem Fiskus immer weniger zur Verfügung. Auf der anderen Seite gibt es nicht nur im Westen, sondern auch in den Schwellenländern einen gewaltigen Investitionsbedarf. Anleger können über Infrastrukturfonds daran mitverdienen.

Gladbeck ist eine unscheinbare Stadt im Herzen des Ruhrgebiets. Hier hat man noch immer mit den Folgen des längst vergangenen Montanzeitalters zu kämpfen. Das Säckel der 76.000 Einwohner umfassenden Stadt ist chronisch leer. Das war auch der Fall, als es um den Neubau des Rathauses ging. Gladbeck hatte schlichtweg kein Geld, um Ersatz für den PCB-verseuchten Verwaltungssitz aus den 60er Jahren zu finden. Kreative Lösungen mussten her. Seit 2006 hat die Stadt ein neues Rathaus. Der Essener Baukonzern Hochtief hat das Gebäude nicht nur gebaut und ausgestattet, sondern wird es auch in den kommenden 25 Jahren betreiben. Das Zauberwort hinter dieser Kooperation lautet Public-Private-Partnership (PPP). Ob Gefängnisse, Straßen oder Kliniken: Diese Form der Zusammenarbeit ist in Deutschland und weltweit auf dem Vormarsch. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik plant etwa ein Viertel der Kommunen und Länder bis 2014 PPP-Vorhaben. In diesem Zeitraum ist alleine bei Städten und Gemeinden ein Projektvolumen in Höhe von etwa 8,4 Milliarden Euro denkbar. Hinzu kommen noch die Maßnahmen von Bund und Ländern mit einem Potenzial von rund 5,8 Milliarden Euro. Nicht nur in Deutschland gibt es Investitionsbedarf. Die OECD prognostizierte vor zwei Jahren, dass bis 2030 weltweit mindestens 41 Billionen USDollar für die Infrastruktur in die Hand genommen werden müssten. Das entspricht rund zwei Billionen Dollar pro Jahr. Tatsächlich wird aber nur die Hälfte – vornehmlich durch die öffentliche Hand - investiert. Wo staatlichen Kassen das Kapital fehlt, übernehmen Unternehmen Bau und oder Instandhaltung bzw. Betrieb für einen vorher festgelegten Zeitraum. Dabei ist die Entwicklung und Unterhaltung von Infrastrukturen ist für eine Volkswirtschaft essentiell. Sind Straßen, Schienen und Häfen nicht in ausreichendem Umfang vorhanden, kann das wirtschaftliche Wachstum gehemmt werden. Dies ist in vielen Schwellenländern der Fall. Experten gehen davon aus, dass Indiens Wachstum jährlich ein bis zwei Prozentpunkte höher ausfallen könnte, würden die Defizite in diesem Bereich beseitigt. In Südafrika, um ein anderes Beispiel zu nennen, machen die mangelnden Hafenkapazitäten der Wirtschaft zu schaffen. Brasilien will Milliardensummen in die Hand nehmen, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen. Solche Zahlen sind auch für Investoren interessant. In letzter Zeit hat die Zahl der Infrastruktur-Fonds deutlich zugenommen. Doch der Begriff an sich wird relativ weitläufig interpretiert. Zur Basis-Infrastruktur zählen Betreiber von Mautstraßen, Pipelines, Flug- und Schiffshäfen sowie Kommunikationsnetzwerke. Daneben gibt es noch infrastrukturnahe Dienstleistungen (Energieversorger, Logistik u. a.) und sozialer Infrastruktur wie Schulen, Hospitäler oder eben Rathäuser. Eine Besonderheit im Infrastrukturbereich sind natürliche Monopole. Der Betreiber einer Mautstraße beispielsweise muss keine Konkurrenz fürchten, denn eine alternative, ebenfalls kostenpflichtige Route wäre aller Wahrscheinlichkeit nicht rentabel. Hinzu kommen langfristige Konzessionen für den Betrieb der Infrastruktur, ein relativ geringes technologisches Risiko und eine vergleichsweise unelastische Nachfrage. Das bedeutet geringe Schwankungen hinsichtlich Preisveränderungen und eine ger inge Anfälligkeit gegenüber Konjunkturschwankungen. Vor allem die lange Laufzeit der Konzessionen, die im Schnitt bei 50 Jahren liegt, sorgt für Planungssicherheit. Auch die konstante Nutzung der Infrastruktur ist i. d. R. gesichert. Die Nutzung der Mautstraße ist meistens unumgänglich. Selbst Preissteigerungen kann sich der Nutzer nicht entziehen, was stabile Erträge bedeutet – für viele Anleger entscheidende Argumente. Steigende Rohstoffkosten werden ebenfalls an den Kunden weitergegeben. Für Investoren gibt es mehrere Optionen, in dem Segment mitzumischen. Aktienfonds sind sicherlich die einfachste Variante. Hier sollte jedoch darauf geachtet werden, wie das Anlageuniversum definiert ist. Oftmals sind auch Logistikunternehmen und Energieversorger im Portfolio, wobei sich nicht immer eine scharfe Trennlinie ziehen lässt. Klassische Utilities unterhalten zumeist auch Stromnetze, nur macht dies nur einen Teil der Geschäftstätigkeit aus. Der DWS Invest Global Infrastructure gehört zu den Klassikern in dem Segment und investiert in Transport (Straßen, Flug- und Seehäfen sowie Schienenverkehr), Energie (Gas- und Stromübertragung, -vertrieb und -erzeugung), Wasser (Bewässerung, Trinkwasser und Abwasser) und Kommunikation (Rundfunk- und Mobilfunkmasten, Satelliten, Glasfaser- und Kupferkabel). Der Fonds schlägt zwar den Benchmark UBS Developed Infrastructure & Utilities, weist aber auch eine höhere Volatilität auf. Der JB EF Infrastructure ist stabiler in der Wertentwicklung, hat dafür aber eine etwas geringere Performance. Die genannten Fonds konzentrieren sich vorwiegend auf Europa, die USA sowie Japan. Schwellenländer sind untergewichtet. Der Macquarie Emerging Markets Infrastructure Fund beispielsweise kombiniert wie einige andere Fonds beide Trends miteinander. Direktinvestments in einzelne Infrastrukturprojekte sind ebenfalls möglich. Hier sind vor allem geschlossene Fonds zu nennen. Allerdings spielen diese in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle. 2010 wurden nach Angaben des Verbands Geschlossene Fonds nur 49,5 Millionen Euro Eigenkapital platziert. Das entspricht einem Rückgang von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In diesem Segment gibt es eine Vielzahl von Investitionszielen. Die Shedlin Capital AG hat die Fonds Middle East Health Care 1 und 2 aufgelegt, die in Krankenhäuser in Abu Dhabi investieren. Der Infrastruktur Invest 2 von Hannover Leasing will das Geld in den USA anlegen, allerdings handelt es sich um einen Blind Pool. Der Macquarie European Infrastructure Fund 3 ist in den Flughäfen Brüssel und Kopenhagen investiert. Grundsätzlich sind die Aussichten für Infrastruktur-Investments gut. Die Anbieter argumentieren zudem mit einer geringen Korrelation gegenüber anderen Assetklassen. Eine langfristige Anlageperspektive ist für Investoren auch hier sinnvoll. Wer in Richtung geschlossene Fonds oder Aktien-Einzelinvestments tendiert, sollte eine Risikostreuung nicht außer Acht lassen. Stuttgart 21 ist ein gutes Beispiel für die überdurchschnittlich hohen politischen Risiken in dem Sektor – ganz zu schweigen von Naturkatastrophen. Hier sollten die potenziellen Anlageziele genau unter die Lupe genommen werden. Das Beispiel Gladbeck zeigt jedoch im Kleinen, dass Infrastruktur-Investments durchaus eine Win-Win-Situation bedeuten können. Für das Rathaus zahlt die Stadt zunächst Miete und spart im Vergleich zu einem Bau in Eigenregie rund 40.000 Euro im Monat. Hochtief macht nach eigenen Angaben ebenfalls Gewinn.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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