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Veröffentlicht von Weimer Media Group GmbH am 20.03.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.03.2011:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

CFD – Chance fürs Depot

Trading-orientierte Anleger benötigen moderne Finanzprodukte, um ihre Strategien gewinnbringend umsetzen zu können. Herkömmliche Optionen und Hebelzertifikate reichen dafür nicht aus. Die Zahl der semi-professionellen Anleger ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Diese Entwicklung verhilft CFDs zum Durchbruch.

 

CFD ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „contracts for difference“. Die Entsprechung im Deutschen lautet Differenzkontrakte beziehungsweise Kursdifferenzgeschäfte, meist wird jedoch auch hierzulande die Kurzform CFD verwendet. Und auf diesen Begriff stößt man als Anleger mittlerweile immer häufiger, denn die Produkte haben in den vergangenen Jahren enorm an Popularität gewonnen. Doch was verbirgt sich hinter der Bezeichnung?

Es muss nicht immer ein Wertpapier sein

CFDs gehören wie Optionsscheine und Zertifikate zur Gruppe der derivativen Finanzinstrumente. Wie der Name bereits andeutet, ist der Differenzkontrakt ein Vertrag zwischen einem Käufer und einem Verkäufer über den Ausgleich der Kursdifferenz eines bestimmten Basiswertes. Im Gegensatz zu Zertifikaten handelt es sich bei diesen Kontrakten jedoch um ein sogenanntes unverbrieftes Finanzinstrument. Das heißt, CFDs sind keine Wertpapiere – wie beispielsweise Aktien – und auch nicht standardisiert. Dies hat zur Folge, dass die Kontrakte nicht über eine Börse gehandelt werden. Stattdessen wird der Markt von den Anbietern selbst, die als Market Maker auftreten und die Kaufund Verkaufskurse für die jeweiligen Basiswerte stellen, organisiert. Auch das 2009 gestartete Angebot „Contrex“ der Bayerischen Börse bildet hier keine Ausnahme: Die Börse übernimmt lediglich eine Überwachungsfunktion.

So funktionieren CFDs

Um eine bestimmte Position aufzubauen, muss im Falle der Differenzkontrakte nicht das gesamte Volumen eines Basiswertes erworben, sondern lediglich eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegt werden. Dadurch entsteht, ähnlich wie bei Futures, automatisch ein bestimmter Hebel, denn der Anleger partizipiert trotzdem zu 100% an der Entwicklung des Basiswertes. Einziger Einflussfaktor auf den Preis des Kontraktes ist im Grunde die Entwicklung des Basiswertes. Die Volatilität oder Angebot und Nachfrage spielen keine Rolle. Die

Funktionsweise lässt sich an einem Beispiel nachvollziehen. Der Kaufkurs eines CFDs entspricht dem Kurs des Basiswertes, in unserem Beispiel liegt dieser bei 100 Euro. Ein Anleger kauft nun 100 CFDs mit einem Gesamtwert von 10.000 Euro. Im Gegensatz zur Direktanlage muss der Anleger jedoch nicht den vollen Betrag aufbringen, sondern lediglich eine Margin-Gebühr in Höhe von 5% des Volumens hinterlegen. In unserem Beispiel also lediglich 500 Euro. Steigt die Aktie in den folgenden Tagen um 5% auf 105 Euro, dann hätte der Anleger einen Gewinn von 500 Euro (100 Aktien x 5 Euro Gewinn) erzielt. Bezogen auf seinen Kapitaleinsatz von 500 Euro entspricht dies einer Rendite von 100%. Bei einem Kauf der Aktie hätte der Anleger 10.000 Euro aufbringen müssen und bezogen darauf lediglich 5% erwirtschaftet. Mit den CFDs hebelt der Anleger seinen Einsatz im vorliegenden Beispiel also um das 20-Fache.

Hohe Gewinne mit kleinem Einsatz

Der enorme Hebeleffekt ist ein wesentliches Kennzeichen der Differenzkontrakte: Kein anderes Derivat bietet einen höheren Hebel, dieser liegt maximal bei 200! Dazu kommt die geringe Kostenbelastung. CFDs weisen gegenüber Zertifikaten tendenziell deutlich geringere Spreads auf. Bei zahlreichen Brokern beträgt die Spanne zwischen Anund Verkaufskurs für DAX und Dow Jones gerade einmal zwei Punkte. Zinskosten werden nur bei einer Haltedauer über Nacht berechnet. Day-Trader zahlen also keine Zinsen. Kommissionen fallen meist nur beim Handel von Einzeltiteln an. Die Kombination aus geringen Gebühren und hohen Hebeln erlaubte es erstmals auch semi-professionellen Anlegern mit kleinerer Kapitalausstattung, aus Kursbewegungen von wenigen Indexpunkten Kapital zu schlagen. Der Anlagehorizont dieser Klientel ist auf einige Stunden begrenzt, die einzelnen Positionen werden nicht selten nur wenige Sekunden oder Minuten gehalten. Für diese Gruppe eignen sich die Differenzkontrakte demnach perfekt. Bedingt durch ein strenges Money Management und den extrem kurzfristigen Charakter ihrer Trades spielt für sie die Tatsache, dass das Verlustpotenzial bei CFDs nicht auf den Einsatz beschränkt ist, nur eine untergeordnete Rolle. Das theoretisch unbegrenzte Verlustpotenzial ist denn auch der Hauptkritikpunkt der Verbraucherschützer. Denn läuft der Trade gegen den Anleger und schließt dieser die Position nicht, muss er laufend weitere Sicherheitszahlungen leisten.

Privatanleger entdecken
neues Spielfeld
Dessen ungeachtet haben in den letzten Jahren jedoch auch immer mehr Anleger

außerhalb der Day-Trading-Szene die gehebelten Kontrakte für sich entdeckt. Wie aus der CFD-Quartalsstatistik Q3 2010 der Steinbeis-Hochschule hervorgeht, handeln hierzulande mittlerweile wohl rund 50.000 Menschen mit Differenzkontrakten. Die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahreswert liegt bei stolzen 18,8%. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es erst rund 35.000 Anleger. Parallel zum Anstieg der Kundenzahl ist zu beobachten, dass sowohl der durchschnittliche Hebel als auch die Zahl der Transaktionen zurückgehen. Die Steinbeis-Hochschule kommt daher zu dem Ergebnis, dass sich bei den CFD-Investoren eine Verschiebung hin zu weniger risikofreudigen, konservativeren Anlegern vollzieht. Neue Produkte der Broker wie beispielsweise spezielle Konten für anlageorientierte Anleger bestätigen diesen Trend.

CFDs werden erwachsen

Diese Angebote zeichnen sich meist durch eine deutliche Begrenzung der Hebel sowie der Mindesteinzahlung und der Anzahl der handelbaren Werte aus. Bei einigen Kontotypen wie beispielsweise RBS marketindex und dem Investment Account von CMC Markets entfällt zudem die Nachschusspflicht. Mit diesen Anpassungen wird das Produkt für einen größeren Anlegerkreis interessant. So können CFDs beispielsweise dazu eingesetzt werden,

bestehende Positionen günstiger und vor allem transparenter als bisher abzusichern. Denn im Unterschied zu Optionsscheinen beträgt die Partizipation an den Veränderungen des Basiswertes immer 100%, es gibt keinen Zeitwertverlust, keinen Volatilitätseinfluss und auch kein Aufgeld. Damit steigt der Druck auf die großen Banken und Onlinebroker, ihr Produktangebot entsprechend zu erweitern. Jüngstes Beispiel ist der Discountbroker der Sparkassen, S-Broker, der seit dem 10. Februar den Handel mit den Kontrakten anbietet.

Fazit

Mit der wachsenden Popularität der CFDs hat auch die Zahl der CFD-Broker deutlich zugenommen. Diese Entwicklung dürfte sich in den nächsten Jahren noch weiter verstärken. Insbesondere der Markteintritt etablierter Player mit großer Kundenbasis und breitem Produktangebot wird den Markt positiv beeinflussen. Denn deren Bestandskunden benötigen keine zusätzliche Legitimation, um die Kontrakte handeln zu können, und der Aufwand, ein weiteres Konto zu eröffnen, entfällt ebenfalls. Zudem bietet beispielsweise S-Broker eine genaue Abrechnung der Abgeltungsteuer inklusive Gegenverrechnung mit Gewinnen und Verlusten aus Geschäften von Optionsscheinen und Zertifikaten an. Mit solchen Angeboten wird auch der administrative Aufwand für den Anleger immer überschaubarer. Die zunehmende Konkurrenz auf der Brokerseite führt schließlich – wie schon bei den Zertifikaten – zu einer dauerhaften Verbesserung von Qualität und Pricing. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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