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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 14.12.2009

CAToil: Der Marktführer bohrt wieder größere Löcher

CAToil: Der Marktführer bohrt wieder größere Löcher

Eine „absurd niedrige Bewertung“ stellte der Vorstandsvorsitzende Manfred Kastner in der ersten Jahreshälfte fest, als die Aktien des Ölfeld-Service-Unternehmens bis auf unter 2 Euro abgetaucht waren. CAToil jedoch hatte allein mehr an Neuinvestitionen getätigt, als die seinerzeitige Marktkapitalisierung betrug. Derweil hat Vorstandsmitglied und Hauptaktionärin Anna Brinkmann durch weitere Zukäufe ihren Anteil, direkt und indirekt, auf mehr als 40 % aufgestockt – schauen wir also, ob das ein guter Zug von ihr war.

Tanz mit dem Bären

CAToil ist ein in Österreich registrierter Anbieter von Öl- und Gasfeld-Dienstleistungen, spezialisiert auf die Produktivitätssteigerung von Öl- und Gasvorkommen in Kasachstan und Russland. 90 % der Erlöse fallen in Russland an. Zu den Dienstleistungen zählen Verfahren zum Aufbrechen von Gesteinsschichten („Fracturing“) und zum Sidetrack Drilling. CAToil vermag so die Lebensdauer bestehender Öl- und Gasquellen zu verlängern bzw. bereits stillgelegten Quellen wieder neues Leben einzuhauchen. Zu den Kunden gehören nach eigenen Angaben Unternehmen wie Gazprom, Lukoil, Rosneft und viele weitere bekannte Namen der „russischen Szene“. Beim Fracturing beziffert CAToil seinen Marktanteil auf etwa 30 %, beim Sidetrack Drilling, dem Seitwärts-Bohren, ist CAToil zumindest auf Basis der Jobanzahl sogar Marktführer vor Schlumberger (USA) und Trican Well Services (CAN).


Turnaround nach schwachem Auftakt

Das dritte Quartal zeigte nun das ganze Ausmaß des Turnarounds, nachdem es in den vorhergehenden Quartalen vorübergehend gar nicht gut lief – wenig verwunderlich, stand da der Ölpreis auch bei zeitweise unter 30 USD pro Fass. So stieg die Kapazitätsauslastung wieder auf 80 % und mit ihr die EBIT-Marge auf 19,3 %, nach 14,7 % vor einem Jahr. In Landeswährung blieben die Umsätze stabil, aufgrund der Rubel-Schwäche gingen sie jedoch gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf Euro-Basis um 18 % auf 59,3 Mio. Euro zurück. Umso erstaunlicher daher die wiedererstarkte operative Marge. CAToil musste dazu auch signifikant an der Kostenschraube drehen: Die Verwaltungsausgaben kürzten die Österreicher um fast 30 %, genau wie Löhne und Gehälter.


Wieder voll auf Kurs

Mit mehr als 2.300 durchgeführten Aufträgen in den ersten neun Monaten 2009 verzeichnete CAToil einen Rekordwert, derweil der durchschnittliche Umsatz pro Auftrag aber um mehr als ein Fünftel zurückging – so erklärt sich das Umsatzminus gegenüber dem Vorjahr. Auf 9-Monats-Niveau liegt die EBIT-Marge bei 11,5 % exakt auf Vorjahreshöhe, genauso wie (fast) der Periodengewinn bzw. der Gewinn je Aktie (0,24 Euro gegenüber 0,26 Euro). Mit einer Eigenkapitalquote von über 80 % und liquiden Mitteln von 17 Mio. Euro (Vj.: 14 Mio. Euro) steht CAToil heute mehr als solide da. Angesichts eines freien Cashflows von fast 33 Mio. Euro schloss Vorstandschef Kastner auch künftige Dividendenzahlungen nicht aus, sollten sich keine guten Wachstumsmöglichkeiten für CAToil eröffnen.

Durch die Verlängerung bzw. Ausweitung bereits bestehender Verträge für Sidetrack-Drilling-Dienstleistungen mit wichtigen Kunden wie Gazprom, TNK-BP und Rosneft schraubte sich der Auftragsbestand im laufenden Jahr zuletzt auf 228 Mio. Euro – dies im Kontext eines Gesamtjahresumsatzes von 276,2 Mio. Euro im Jahr 2008. Vor dem Hintergrund der Rubel-Schwäche dürften die Erlöse in diesem Jahr ungefähr bei 225 Mio. Euro liegen. Verdient CAToil dabei 0,30 Euro je Aktie, liegt das 2009er Kurs-Gewinn-Verhältnis bei knapp über 22, was innerhalb eines Krisenjahres noch nicht allzu aussagekräftig ist. Auf Basis unserer Prognosen sinkt das 2010er KGV auf 16. Für einen Marktführer mit Wachstumspotenzial ist das nicht zu üppig. Entscheidend für CAToil ist ein nicht zu niedriger Ölpreis, da Dienstleister natürlich die Gewinnmarge der Ölmultis schmälern. Daher werden sie vermehrt in Anspruch genommen, wenn der Ölpreis hoch genug ist. Bei derzeit 75 bis 80 ist CAToil auf der sehr komfortablen Seite.


Fazit

Nach einem Peak bei über 9 Euro im Oktober konsolidieren die Aktien gerade bei unter 7 Euro. Damit stimmt die Bewertung wieder. Aber aufgepasst, zweifellos ist der Titel zyklisch: Nur wenn der Ölpreis dauerhaft das aktuelle Niveau halten kann oder gar steigt, winkt überproportionales Wachstum bei den Österreichern. Dies ist dann der Fall, wenn die Weltwirtschaft nicht einen weiteren Rückschlag erleiden sollte, in dem Fall nämlich würden die Rohstoffpreise wieder nachgeben, wie 2008 schmerzlich erlebt. Auf Sicht von 12 Monaten sind Kurse von 9 bis 10 Euro bei CAToil drin.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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