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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 04.06.2014

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 04.06.2014:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

C.A.T. Oil: Technologie-Dienstleister für die Ölindustrie

Als Technologie-Dienstleister für die Ölindustrie ist C.A.T. Oil in Russland und Kasachstan unterwegs. Die jüngsten politischen Spannungen haben zu einem Ausverkauf geführt, der bereits vor sechs Wochen die Möglichkeit einer Spekulation eröffnete. Inzwischen hat sich die Aktie ein wenig erholt, und ein weiterer Anstieg hängt von der politischen Entwicklung ab.


Anmerkung: Meine Kunden im Heibel-Ticker PLUS Börsenbrief haben aufgrund meiner Empfehlung C.A.T. Oil am 21.5.14 zu 15,70 Euro ins Portfolio genommen. Die Aktie ist seither bereits um 20% angesprungen, und ich werde hier abschließend untersuchen, ob sich noch immer ein Einstieg lohnt oder wann ich ggfls. verkaufen würde.
 

Neue Technologien erschließen alte Ölvorkommen


Sechs Milliarden Fässer Öl lagern weltweit unter der Erde, schätzt man. Rund eine Milliarde Fässer wurden bislang von der Menschheit gefördert und verheizt. Während die ersten Ölbohrungen bereits knapp unter der Erdoberfläche Öl unter hohem Druck herausspritzen ließen, sind diese leicht erschließbaren Vorkommen inzwischen erschöpft. Es wird immer schwerer, weitere Ölvorkommen zu erschließen.

Die Diskussion über die Erschöpfung der weltweiten Ölvorkommen geht also am Thema vorbei. Die Frage ist stets nur, wie lange braucht der Mensch, um mit neuen Technologien die immer schwerer zugänglichen Ölvorkommen zu erschließen?

Immer wenn ein neuer Technologieschub vonnöten ist, springt der Ölpreis auf ein neues Preisniveau. Zuletzt wurde Fracturing (Fracking) und Directional Drilling (auch horizontale Bohrungen) weiterentwickelt. Die Technologien befinden sich seit drei bis vier Jahren massenweise im Einsatz, der Ölpreis ist seither konstant knapp über 100 USD/Fass.

C.A.T. Oil ist ein Technologieunternehmen, das Fracking und Directional Drilling für Kunden überwiegend aus Russland und Kasachstan anbietet. Verwendet werden Technologien, die von Schoeller-Bleckmann und anderen Zulieferern (Mercedes Benz, Baker Hughes, ...) hergestellt werden. C.A.T. Oil ist somit ein Dienstleister für Ölkonzerne.
 

Directional Drilling: Maulwurf in 5.000 m Tiefe


Wie ein Maulwurf kann sich ein flexibler Bohrkopf inzwischen tief unter der Erde in jede Richtung voranbewegen. Über bei Bedarf ausstellbare Widerstände kurz hinter dem Bohrkopf wird der Winkel des flexiblen Bohrkopfs in die gewünschte Richtung verändert, und so können Kurven gebohrt werden. Auf diese Weise können Ölvorkommen erschlossen werden, die zuvor unerreichbar oder nicht wirtschaftlich erreichbar waren.

Nicht wirtschaftlich heißt, dass man für ein kleines Ölvorkommen unweit von einem alten großen Ölvorkommen nicht nochmals ein 4.000 Meter tiefes Loch bohrt. Doch wenn man das alte Loch nutzen kann und nur noch wenige hundert Meter vertikal bohren muss, dann rechnet sich das Ganze schon wieder.

In Russland sind derzeit rund 30.000 Bohrlöcher stillgelegt, und Putin hat das Ziel ausgegeben, in den kommenden Jahren die Hälfte durch diese Technologie wieder in Betrieb zu nehmen, um letzte Reste an Ölvorkommen auch noch zu nutzen. C.A.T. Oil gehört in Russland zu den führenden Anbietern dieser Technologie.
 

Fracking: Anhaltender Boom trotz gefährlicher Nebeneffekte


Die zweite Technologie heißt Fracturing, kurz Fracking. Es können damit Ölvorkommen erschlossen werden, die nicht mehr als ein großer Ölteich im Erdreich durch eine Bohrung leicht gefördert werden können, sondern die über einen größeren Bereich zwischen verschiedenen Gesteinsschichten schlummern und nicht miteinander verbunden sind. Das Problem: Man kann nicht jede Gesteinsschicht einzeln anbohren und die dort befindlichen kleinen Ölmengen separat fördern, um dann ein paar Meter weiter in der Tiefe erneut ein paar Fässer zu fördern. Das ist zu aufwendig.

Stattdessen pumpt man unter hohem Druck eine Flüssigkeit (Pad) in die Gesteinsschichten, die dann durch den Druck Brüche erzeugt. Über diese Brüche können sich dann die verschiedenen Ölvorkommen in den verschiedenen Gesteinsschichten miteinander verbinden. Damit sich die Brüche bei nachlassendem Druck nicht wieder schließen, wird zusätzlich noch ein durchlässiges Material wie Sand oder Keramik in die Tiefe gepumpt.

Nun kann man auf herkömmliche Weise die vielen kleinen Ölvorkommen aus den verschiedenen Gesteinsschichten als ein großes Ölvorkommen fördern.

In Deutschland ist Fracking nicht zugelassen, es gibt Berichte über Erdbeben oder auch nur langsame Absenkungen in Gebieten, die Kilometer von der Fracking-Stelle entfernt sind.

In den USA und in Russland sind diese Ölvorkommen häufig in unbewohnten Gebieten (Sibirien). Ölfirmen beteuern immer wieder, keine Umweltschäden zu hinterlassen, doch es ist meiner Ansicht nach unbestritten, dass der Eingriff in das Erdreich Auswirkungen haben kann, die heute noch kaum jemand überblicken kann.

Es wird laufen wie mit jeder neuen Technologie: Man wird sie solange verfeinern, bis man alle Nebeneffekte im Griff zu haben glaubt. Mir ist keine Technologie bekannt, die aus „Vernunftsgründen" nicht verwendet wurde. Fracking wird also auch in der Zukunft eine wichtige Technologie sein, egal wie laut die Kritik phasenweise sein mag.
 

Ausverkauf durch Ukraine-Krise


Im Rahmen der Ukraine-Krise haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und Russland verschlechtert. Es ist naheliegend, dass ein österreichisches Unternehmen wie C.A.T. Oil unter diesen politischen Spannungen leidet. Noch immer stehen weitreichende Sanktionen gegen Russland im Raum, die schlimmstenfalls sogar die geschäftliche Tätigkeit von C.A.T. Oil direkt betreffen könnten. Es wäre ein herber Rückschlag für das Unternehmen, und entsprechend ist die Aktie seit Jahresbeginn um bis zu 40% auf 13,35 Euro Mitte März und nochmals Mitte April eingebrochen.

Russland denkt nicht daran, westliche Firmen, die an der Ölförderung beteiligt sind, zu vergraulen. Russland würde sich damit eine wichtige Einnahmequelle (Öl-Export) nehmen. Und seitens der EU sind die Sanktionen wohl kaum auf dieser Ebene durchsetzbar, zu sehr sind die Wirtschaften inzwischen miteinander verstrickt. Derzeit bauen die USA und die EU auf Abschreckung und gezielte Sanktionen gegen Einzelpersonen.

Zudem erzielt C.A.T. Oil etwa die Hälfte seiner Einnahmen aus Dienstleistungen und Serviceverträgen. Bohrlöcher also die bereits gebohrt wurden und nunmehr von C.A.T. Oil betrieben und gewartet werden. Solche Verträge laufen über viele Jahre, da kann man nicht mal eben so einfach den Dienstleister wechseln. Das erforderliche Knowhow ist da zu groß.

Ich gehe davon aus, dass das Geschäft auch künftig nicht beeinträchtigt wird.

Im Rahmen der Krise hat der russische Rubel jedoch um 20% abgewertet. C.A.T. Oil hat laufende Verträge in russischen Rubel geschrieben und erleidet allein durch den Währungseffekt derzeit in Euro umgerechnet Mindereinnahmen von 20%.

Meine Sicht: 20% weniger Umsatz sind sicherlich dramatisch, rechtfertigen aber keinen Kurseinbruch um 40%. Zudem halte ich den negativen Währungseffekt für nicht nachhaltig. Der russische Rubel wurde ausverkauft, weil viele Russen im Rahmen der Krise ihre Schäfchen ausser Landes gebracht haben. Das ist eine kurzfristige Verzerrung. Mittelfristig wird der Rubel aber parallel zur Beruhigung der Situation in der Ukraine, oder auch parallel zur Abstumpfung der westlichen Medien hinsichtlich dieses Themas, wieder auf ein deutlich höheres Niveau steigen, was dann zu „überraschend" hohen Gewinnen bei C.A.T. Oil führen wird.
 

Wachstum intakt


C.A.T. Oil investiert kräftig in neue Ausrüstung, um noch mehr Löcher zu bohren. Analysten rechnen bei gleichbleibender Währung mit einem Wachstum von 20% im kommenden Jahr. Im laufenden Jahr geht man von 10% aus. Im jüngsten Quartalsbericht wurde ein Umsatzrückgang von 8,3% vermeldet, der Gewinn ging gar um 13,1% zurück. Wenn wir die 20% Währungseffekt (schwacher Rubel) berücksichtigen, bleibt ein Volumenwachstum von 11,7%.

Trotz dieses schwachen Starts ins Jahr 2014 hält das Management an seinen Zielen für 2014 fest. Striktes Kostenmanagement macht das möglich. Ich habe den Eindruck, dass das Management aktiv die widrigen Einflüsse adressiert und umgehend abzustellen versucht.

Das KGV 14e steht bei 19 und ist für das aktuelle Wachstum angemessen. Wenn wir allerdings die Investitionen berücksichtigen, mit denen 2015 ein Umsatzwachstum von 20% erzielt werden kann, dann sieht mir das KGV 15e von 15 sehr günstig aus. Zudem schüttet das Unternehmen aus dem freien Cashflow eine Dividende aus, die zu einer erwarteten Rendite von 2,8% führt. Immerhin.
 

Zwischen Spekulation und Investment


Ich habe C.A.T. Oil bei 15,70 Euro als Spekulation auf einen übertriebenen Ausverkauf im Rahmen der Ukraine-Krise empfohlen. Auch nach 20% Kursplus sieht die Aktie noch immer günstig bewertet aus. Auf Sicht von 12-18 Monaten sind Kurse von 24 Euro möglich, was immerhin noch 33% Kurssteigerung entsprechen würde.

Doch kurzfristig können die Spannungen um die Ukraine-Krise immer wieder aufflammen. C.A.T. Oil könnte dadurch jederzeit erneut ausverkauft und in den Keller gedrückt werden. Es ist also nichts für schwache Nerven. Zudem schwebt über der ganzen Krise nach wie vor das Damoklesschwert härterer Sanktionen durch die EU, die das Geschäft von C.A.T. Oil beeinflussen könnten.

Ein Abschlag von 33% auf den von mir ermittelten fairen Wert halte ich noch immer für zu groß, zumal ich an eine erneute „börsenrelevante" Eskalation der Krise nicht glaube. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass wir hier einen lang anhaltenden Krisenherd bekommen, der über Jahre schwelt und daher Unternehmen, die Geschäfte in Russland machen, mit einem Bewertungsabschlag versieht.
 

FAZIT: Investment nur für Hartgesottene


C.A.T. Oil ist durch die Ukraine-Krise ausverkauft und extrem günstig geworden. Nach einer Gegenreaktion von 20% ist der Bewertungsabschlag nunmehr nicht mehr so eklatant. Es besteht ein Kurspotential von 33% bis zu einer fairen Bewertung, allerdings könnte die Ukraine-Krise noch jahrelang schwelen und ein Aufholen der Bewertung vereiteln.

Als Investment ist diese Aktie nur für hartgesottene Anleger mit guten Nerven geeignet, die auch eventuelle politische Spannungen aussitzen können und wollen.
 

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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