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Veröffentlicht von Redaktion am 08.06.2011

Brenntag: Verstärkt sich in Nordamerika

Brenntag: Verstärkt sich in Nordamerika

Vom Eiergroßhändler zum Weltmarktführer in der Chemiedistribution, so lässt sich die mehr als 135-jährige Firmengeschichte von Brenntag zusammenfassen. Zum Ausbau der globalen Präsenz gehörten in den vergangenen Jahrzehnten auch immer wieder Akquisitionen. Eine Strategie, an der man bis heute festhält, wie der jüngste Zukauf in den USA zeigt. Der Konzern wächst aber nicht nur extern, sondern vorwiegend organisch. Angesichts der wohl weiter steigenden Weltbevölkerung und des wachsenden Wohlstands in Schwellenländern, hat das Geschäft auch langfristig gute Perspektiven. Schließlich spricht beides für eine anhaltend steigende Nachfrage nach Chemikalien aller Art. Entsprechend aussichtsreich scheint ein Investment in die Aktie zu sein.

Das Papier von Brenntag ist seit März 2010 an der Börse gelistet. Nach einer kurzen Korrektur kurz nach dem IPO bildete sich ein Aufwärtstrend, der nach wie vor intakt ist, auch wenn es – wie bei Kursentwicklungen üblich und nicht ungewöhnlich –immer mal wieder kurze Verschnaufpausen gab. Eine solche zeigte sich auch nach dem Anfang Mai markierten bisherigen Höchststand von 85,69 Euro. Jüngst näherte sich der Kurs diesem Niveau bis auf wenige Cent an, fiel dann aber wieder etwas zurück. Gelänge ein Sprung über diese Hürde, wäre aus charttechnischer Sicht der Weg für weitere Zuwächse frei.

Zukauf in den USA

Neben dem in der vergangenen Woche wieder freundlichen Börsenumfeld, könnte auch die jüngste Nachricht aus dem Unternehmen zum Aufwärtsimpuls beigetragen haben. Der Chemiehändler stärkt mit einem weiteren Zukauf sein Geschäft in Nordamerika. Übernommen wird der US-Konkurrent G. S. Robins & Company, den Angaben zufolge ein führender regionaler Distributor von Industriechemikalien mit Hauptsitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Das familiengeführte Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr Umsätze von 96 Mio. US-Dollar. Angaben zum Kaufpreis wurden zwar nicht gemacht, zu teuer dürfte der Zukauf aber nicht gewesen sein, wenn Brenntag seinem bisherigen Kurs einer umsichtigen Akquisitionspolitik treu geblieben ist. Auch wird die Übernahme als operativ sinnvoll bewertet.

Akquisitionen gehören zur Wachstumsstrategie

Brenntag setzt damit seine Anfang Mai bekräftigte Strategie fort, seine führende Marktposition neben organischem Wachstum auch durch weitere Akquisitionen ausbauen zu wollen. Für Zukäufe stehen dem Unternehmen unter anderem die Mittel aus dem Börsengang zur Verfügung. Erklärtes Ziel ist, die eigene Position in den Märkten aufstrebender Volkswirtschaften zu verbessern, insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum, in Lateinamerika und Osteuropa. In etablierten Märkten wie Europa und Nordamerika soll durch Zukäufe das Produkt- und Serviceportfolio sowie das flächendeckende Distributionsnetz optimiert werden. Dass Brenntag sich mit Akquisitionen und deren erfolgreicher Integration auskennt, beweist die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten: Allein seit 1990 hat der Konzern mehr als 100 Firmen erfolgreich übernommen und integriert und nimmt damit eine führende Rolle in der Konsolidierung des stark fragmentierten Marktes ein. Diese Kernkompetenz will Brenntag weiterhin als Wachstumsbeschleuniger zusätzlich zu seinem organischen Wachstum nutzen. Angesichts des nach wie vor stark fragmentierten Marktes hat der Vorstand weiterhin vor allem kleinere Übernahmen im Visier, die er dann schnell in den Konzern eingliedern will. So soll auch der jüngste Zukauf innerhalb der nächsten sechs Monate in das nordamerikanische Geschäft von Brenntag integriert werden.

Bindeglied mit Potenzial

Durch die vielen Zukäufe in den vergangenen Jahrzehnten ist Brenntag zur Nummer eins in der Chemiedistribution geworden. Hatte die Firma 1874 als Eiergroßhändler begonnen, erfolgte 1912 der Eintritt in den Handel mit Chemikalien. Durch den kontinuierlichen Ausbau ist man heute als Weltmarktführer in einer attraktiven Wachstumsbranche tätig, deren Dynamik insbesondere große Distributoren begünstigt, beispielsweise weil sie vom Outsourcing-Trend in der Chemiedistribution profitieren. Der Konzern sieht sich als Bindeglied zwischen Chemieproduzenten und weiterverarbeitender Industrie. Er kauft von seinen zahlreichen Lieferanten große Mengen an Industrie- und Spezialchemikalien, kommissioniert diese in bedarfsgerechte Größen und bietet seinen Kunden weltweit ein umfassendes Sortiment an mehr als 10.000 verschiedenen chemischen Produkten. Den rund 160.000 Kunden werden dabei dank weiterer Dienstleistungen wie Just-in-time-Lieferung, Mischungen und Formulierungen, Neuverpackung, Bestandsverwaltung, Abwicklung der Gebinderückgabe und technischem Service Lösungen aus einer Hand geboten.

Widerstandsfähig mit Wachstumspotenzial

Das Geschäftsmodell von Brenntag klingt viel versprechend, zudem stellte es in der jüngsten Wirtschaftskrise seine Widerstandsfähigkeit und sein Wachstumspotenzial unter Beweis. Der Konzern profitierte ferner vom sich anschließenden Aufschwung, wie die Zahlen für 2010 und im ersten Quartal 2011 zeigen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz zum Vorjahr von 6,37 auf 7,65 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich von 1,46 auf 1,64 Mrd. Euro. Der Nachsteuergewinn schnellte gar von 0,5 auf 146,6 Mio. Euro. Im Auftaktquartal 2011 gab es weitere Zuwächse, wozu das organische Wachstum des Geschäfts, effiziente Kostenstrukturen sowie die fortschreitende Integration der im dritten Quartal 2010 übernommenen Firma EAC Industrial Ingredients beitrugen. Der Umsatz legte um 22,7% auf 2,13 Mrd. Euro zu. Das EBITDA verbesserte sich um 17,7% auf 158,1 Mio. Euro. Unter dem Strich kletterte der Profit von 2,2 auf 66,9 Mio. Euro, insbesondere dank gesunkener Finanzierungskosten nach der Tilgung von Verbindlichkeiten 2010 und deutlich niedrigerer Abschreibungen.

Fazit:

Das Geschäftsmodell von Brenntag klingt viel versprechend. Der Konzern ist weltweit führend in einem Wachstumsmarkt, der insbesondere große Distributoren begünstigt. Dabei hat er eine äußerst breite und zudem regional stark diversifizierte Kundenbasis, was die Abhängigkeit von einzelnen Branchen und Regionen mindert. Das Unternehmen verfolgt außerdem eine umsichtige Expansionsstrategie, was neben organischem Wachstum eine zusätzliche treibende Kraft ist. Außerdem überzeugen die Geschäftsergebnisse und die derzeit weiterhin guten Aussichten. Auf Basis eines erwarteten Ergebnisses je Aktie (EPS) für 2011 von etwa 5,20 Euro geht auch die Bewertung mit einem KGV von rund 16 in Ordnung, obgleich die Aktie kein Schnäppchen ist. Dennoch bleibt sie insgesamt betrachtet ein interessantes Investment, sodass nach einem Sprung über die Hürde von 85,69 Euro Käufe in Erwägung gezogen werden können.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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