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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Börsenbrief" am 15.10.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 15.10.2009:

Börsenbrief Frankfurter Börsenbrief
Frankfurter Börsenbrief

CURT L. SCHMITT Informationsdienste - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 1954

Bei aller Erholung sollte man ein waches Auge behalten

Zunächst ist die abrupte Kehrtwende in der Weltwirtschaft eine Glanzleistung, die an Münchhausen erinnert. Unverkennbar ist das VMuster in der Erholung (s. Chart), womit auch die steile Börsentendenz eine völlig berechtigte Begleitmusik ergibt.

Der Interbankenzinssatz Libor lag in jüngerer Zeit bei 0,285 % und damit auf eindeutig entspanntem Niveau. Das Vertrauen hat also in der Bankenwelt wieder Einzug gehalten, was beileibe nicht selbstverständlich für die Institute, aber das wichtigste Überlebensargument ist.

Doch bei all dem Schönklang kann man leicht übersehen, daß einzelne Marktsegmente noch weit von einem Normalzustand entfernt sind. Wesentliche Aspekte der Konjunkturstabilisierung bzw. -Erholung sind eine Normalisierung in den Lagerbeständen und des weiteren die künstlichen Eingriffe durch die Notenbanken mit der gigantischen Liquiditätsflutung einerseits und den Regierungen mit gigantischen Konjunkturprogrammen andererseits. So gesehen erleben wir einen künstlich überzeichneten Aufschwung. Definitiv besteht die Möglichkeit, daß daraus ein selbsttragender Aufschwung wird, aber dieses Experiment ist noch nicht ganz entschieden. Dies gilt auch vor dem Hintergrund, daß noch nicht überall Normalisierung angesagt ist, wie man aus den festen Weltbörsen in den letzten Monaten vermuten könnte. Zwei wichtige Aspekte dazu, die eine hohe Relevanz für die Kreditvergabe haben:

Der US-Markt für Kreditverbriefungen hängt teilweise noch an der Herz-Lungen-Maschine der amerikanischen Notenbank. In den letzten Jahren waren die Verbriefungen für etwa 60 % aller Kredite in den USA die Finanzierungsquelle. Somit sprechen wir über einen Eckwert in der Perspektive für die Kreditvergabe. Je nach Art der verbrieften Kredite sind diese Märkte um 40 bis 100 % eingebrochen. Beispiel: Bei Commercial Real Estate Loans gab es keine Verbriefung in den letzten beiden Jahren. Bei Verbriefungen im Bereich Home Mortgages fiel das Marktvolumen von 744 Mrd. Dollar in 2005 auf 8 Mrd. Dollar im ersten Halbjahr 2009. Bis etwa Mitte September kaufte die Fed staatlich garantierte Mortgage Backed Securities im Volumen von 905 Mrd. Dollar. Dies entspricht etwa 80 bis 85 % des Marktvolumens. Die Fed hat also fast allein auf der Käuferseite gestanden. Die Käufe dürften auch noch weitergehen, das veranschlagte Zielvolumen liegt bei 1,25 Billionen Dollar. Damit wird offensichtlich, daß der Markt noch bei weitem nicht alleine für sich tragfähig funktioniert. Andererseits wird die Fed nicht unbegrenzt weiter Assets am Markt kaufen, sonst riskiert sie ihre Glaubwürdigkeit und damit die wichtigste Einflußgröße für die Steuerung der Inflationserwartungen. Ferner:

Für europäische Banken ist eine Erhöhung ihrer Eigenkapitalbestände angesagt. Nach einer Studie von JP Morgan lag das benötigte Eigenkapitalvolumen bei Umsetzung der erwarteten Mindestvorgaben für das Kernkapital (Core Tier 1) für die europäischen Großbanken bei 78 Mrd. Dollar bzw. grob 53 Mrd. €. Dies basiert auf der Erwartung, daß für diese Kernkapitalquote ein Wert von 8 % der risikogewichteten Aktiva als Mindestgröße installiert wird. Nur exemplarisch. Für die Commerzbank werden für 2009 bei dieser Orientierungsgröße 3,3 % unterstellt. Damit dürfte es eine Welle von Kapitalmaßnahmen geben, was auch bereits angelaufen ist (BNP Paribas, Société Générale). Dafür bietet das aktuelle Marktumfeld eine sehr willkommene Möglichkeit, denn andernfalls besteht die Gefahr, daß eine Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe nochmals verstärkt.

Fazit: Begleiten Sie die Erholung weiterhin, denn das Potential ist noch nicht ausgelotet. Euphorie ist indes fehl am Platz und je höher die Kurse, desto schwankungsanfälliger werden die Märkte für kurze Rücksetzer.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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