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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 05.03.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 05.03.2011:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Bedenken der Boulevardpresse

Hier ein paar Gründe, warum Sie um Gottes Willen niemals Aktien kaufen sollten: Hohe Rohstoffpreise schmälern Unternehmensgewinne! Der hohe Benzinpreis schneidet ins Portemonnaie der Bevölkerung, es wird weniger konsumiert! Höhere Baumwollpreise führen zu steigenden Textilpreisen, es werden weniger Klamotten gekauft! Steigende Zinsen führen zu höheren Hypothekenfinanzierungskosten, die Immobilienpreise werden fallen! Höhere Gemeindesteuern schneiden ebenfalls ins Portemonnaie der Bevölkerung, die Folge kennen Sie! Härtere Finanzmarktregeln werden in die Gewinne der Banken schneiden! Höhere Stahlpreise schmälern die Gewinne der Autoindustrie, die gleich doppelt gebeutelt ist, da die Menschen bei höheren Benzinpreisen nicht mehr Auto fahren. Und da haben wir noch gar nicht von der E10-Verunsicherung gesprochen! Ein steigender Goldpreis signalisiert bevorstehende Unruhen! Der steigende Euro-Wechselkurs schadet der Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen auf den internationalen Märkten! Steigt hingegen der US-Dollar, so könnte die US-Konjunktur beeinträchtigt werden, was wiederum schlecht wäre für Europa! Die restriktive Geldpolitik Chinas schadet den europäischen Unternehmen, die dort ihr Geschäft machen. Steigende Zinsen werden Staaten in die Insolvenz zwingen. Niedrige Zinsen führen zu Inflation. Zu hoher Bluthochdruck kann zu einem Herzinfarkt führen.

All diese Aussagen, mit Ausnahme der letzten, sind falsch! So einfach sind die Zusammenhänge nicht, auch wenn die Boulevardpresse das gerne so darstellt. Die Rohstoffpreise sind deshalb so hoch, weil die Konjunktur brummt und die Nachfrage so groß ist. Die Menschen können sich höhere Rohstoffpreise leisten. So könnte ich nun nochmals Punkt für Punkt durchgehen und die Komplexität der Zusammenhänge aufzeigen. Der Markt ist ein sehr flexibles Gebilde, das auf die verschiedensten Ereignisse entsprechend reagiert. Meist überreagiert. Viele der Einflüsse heben sich gegenseitig auf. Oftmals wird Ursache und Wirkung vertauscht. Um es einfach zu halten: Warum nicht einfach feststellen, dass wir uns in allen Bereichen höhere Preise leisten können. Ist das nicht positiv? Und so steigen auch die Aktien höher. Wir befinden uns in einem Bullenmarkt, und in einem Bullenmarkt gilt nicht der Liquidationswert eines Unternehmens als für den Aktienkurs maßgeblich, wie es in Krisenzeiten der Fall ist. In Bullenmärkten schauen Anleger auf die Chancen, auf die Verdienstmöglichkeiten. Anders ist das KGV von Salesforce.com nicht zu erklären: 277! An der Börse zahlen Anleger 17 Mrd. USD für ein Unternehmen, das gerade einmal 1,7 Mrd. USD Umsatz macht. Das Umsatzmultipel beträgt 10, viele Unternehmen wären froh mit einem Gewinnmultipel von 10. Doch Salesforce.com sieht sich heute schon als direkter Wettbewerber, künftig später gerne auf Augenhöhe, von SAP (Marktwert 70 Mrd. USD), Oracle (Marktwert 166 Mrd. USD) und Microsoft (Marktwert 220 Mrd. USD). Scharenweise strömen die Kunden der drei Gorillas in Sachen Unternehmens-IT zu Salesforce.com, um zu günstigen Preisen ein weltweites, konsistentes und performantes Netzwerk aufzubauen. Salesforce.com tut genau das, was nun notwendig ist: Es investiert, was das Zeug hält, um den heutigen technologischen Vorsprung so schnell wie möglich in langfristige Kundenbeziehungen umzuwandeln. Das Geld, was es heute verdient, wird sofort wieder in den Ausbau der Vertriebsmannschaft sowie die Weiterentwicklung der Produkte gesteckt. So kommt ein so hohes KGV zustande. Salesforce.com legt derzeit noch gar keinen Wert auf Gewinne, es steckt die ganze Energie in den Ausbau des Geschäfts, in die Umsatzsteigerung. Und mit 30% Umsatzsteigerung p.a. für die nächsten fünf Jahre kann sich die geplante Entwicklung durchaus sehen lassen. Vorgestern habe ich eine Liste von Argumenten an die Kunden des Heibel-Ticker PLUS geschickt, warum Sie niemals Apple-Aktien hätten kaufen dürfen und auch heute nicht kaufen dürfen. Das Risiko ist zu groß und das kann doch nicht so weitergehen! Doch nächstes Jahr werden Sie erneut feststellen, dass es so weiter gehen kann und dass sich das Risiko gelohnt hat. Das iPad 2 wurde diese Woche von Steve Jobs persönlich vorgestellt. Kürzlich noch war das Ende des Unternehmensgründers ausgerufen worden, ein Boulevardblatt hatte anhand eines schlechten Fotos Krebs im Endstadium diagnostiziert. Nun, Donnerstagabend sprang er ziemlich agil über die Bühne. Doch diese Woche habe ich noch ein anderes Signal erhalten. Ein Signal, das ich in den vergangenen Jahren vermisst habe: Eine Hass-E-mail, weil ein Kunde eine lukrative Spekulation NICHT mitmachen konnte. Ich hatte Silver Wheaton als Spekulation auf den Silberpreis vorgestellt und zum Kauf zu 20 Euro geraten. Der Kurs fiel jedoch Ende Januar nur knapp unter 22 Euro und sprang sodann auf nunmehr 32,20 Euro. Nun wirft mir ein Kunde vor, ich habe ihn daran gehindert, 40% Profit in diesem Wert zu machen! Hallelujah! Willkommen im Schlaraffenland der Börse. Es wird nicht mehr geschätzt, wenn ich hin und wieder das Verlustrisiko zu minimieren versuche, indem ich möglichst günstigen Kaufkursen nachjage. Vielmehr wird mir ein entgangener Gewinn vorgehalten, als hätte ich Geld gestohlen. Na, wenn das die Messlatte ist, dann sind Sie im Heibel-Ticker leider nicht gut aufgehoben. Solche Kritik prallt an mir leider ab, ohne auch nur das geringste Mitleid oder Verständnis zu erzeugen. So haben wir ein Gemenge an makroökonomischen Bedenken und unternehmensspezifischen Chancen, die wohl die Börsenrichtung der nächsten Wochen bestimmen werden. Werden sich die makroökonomischen Probleme ausweiten und die Börsen zum Einknicken bringen? Immerhin ist der Optimismus bei Anlegern bereits überschäumend hoch, wie die Hass-E-mail dieser Woche zeigte.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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