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Veröffentlicht von Redaktion "BÖRSE am Sonntag" am 20.12.2009

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 20.12.2009:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Bechtle: kräftiger Aufwärtsimpuls

Bei den deutschen Leitindizes liegt der TecDAX bis dato in Sachen Performance 2009 mit einem Plus von rund 60% vorn. Nicht ganz so üppig ist der Zuwachs beim IT-Dienstleister Bechtle, aber auch er konnte sich im zu Ende gehenden Jahr erholen und legte etwa 42% zu. Jüngst zeigte sich die Aktie dabei sehr dynamisch.

Zwar gab es in der vergangenen Woche keine neuen fundamentalen Fakten, das anziehende Handelsvolumen zu Wochenbeginn könnte jedoch ein Indiz dafür sein, dass die Investoren verstärkt darauf setzen, dass Bechtle 2009 solide Ergebnisse abliefert. Basis dafür ist das Geschäftsmodell, mit dem sich das Unternehmen von der Konkurrenz abhebt. Bechtle setzt bei seiner Strategie auf die Kombination von Systemhaus-Dienstleistungen mit dem Direktvertrieb von IT-Produkten. Der Konzern bietet aus einer Hand ein lückenloses herstellerunabhängiges Angebot rund um die IT-Infrastruktur.

Die Rechnung geht offenbar auf. Seit der Gründung 1983 ist die Gesellschaft kontinuierlich gewachsen. Heute ist sie mit mehr als 50 Systemhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv und zählt europaweit zu den führenden E-Commerce-Anbietern im IT-Bereich.


Talsohle durchschritten

Trotz glänzender Marktposition ging aber auch an Bechtle die Konjunkturflaute nicht  vorbei. Insbesondere zu Jahresbeginn 2009 gab es heftige Einbrüche bei den Geschäftszahlen. Der Konzern hat sich inzwischen aber offenbar wieder gefangen. Bei Vorlage der Neunmonatsbilanz sagte Firmenlenker Thomas Olemotz: „Viele Indikatoren deuten darauf hin, dass die Talsohle durchschritten ist“. Seinen Worten zufolge hat das Geschäft im September spürbar an Fahrt aufgenommen, und Bechtle schaffte im dritten Quartal die Wende. Bei den Werten aus dem vergangenen Boomjahr 2008 ist die Gesellschaft jedoch noch nicht wieder angelangt. Im Zeitraum Juli bis September gab der Umsatz zum  Vorjahreszeitraum um 6,4% auf 323,3 Mio. Euro nach. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag sogar 32,5% niedriger.

Es konnte sich nach dem schwachen ersten Quartal 2009, als nur 5,8 Mio. Euro (-50,2%) anfielen, aber sukzessive verbessern. Im zweiten Jahresviertel waren es 6,5 Mio. Euro (-40,3%) und im dritten 11,8 Mio. Euro. Beide Geschäftsfelder, Systemhaus und Versandhandel, trugen dazu bei. Trotz steigender Tendenz liegt das EBIT auch in den ersten neun Monaten weiterhin deutlich unter dem Vorjahreswert. Es verringerte sich um 39,8% auf 24,1 Mio. Euro. Der Nachsteuergewinn schrumpfte um 42,6% auf 17,5 Mio. Euro. Bechtle ist somit aber nach wie vor profitabel. Beim Umsatz verbuchte der IT-Dienstleister einen Rückgang von 6% auf 964,8 Mio. Euro.


Öffentliche Hand stützt

Im größten Segment (IT-Systemhaus & Managed Services), das etwa zwei Drittel zu den Konzernumsätzen beisteuert, gab es dabei die geringsten Einbußen. Der Umsatz verringerte sich um 2,6% auf 639,3 Mio. Euro. Die Gesellschaft betreut in diesem Bereich vor allem mittelständische Kunden. Angefangen bei der IT-Strategieberatung, über die Lieferung von Hard- und Software, Projektplanung und -durchführung, Systemintegration, Wartung und Schulung bis hin zum Komplettbetrieb der IT, bietet sie hier das volle Programm. Ein Angebot, das offenbar auch in der Krise zieht. Zwar war im dritten Quartal aus der Industrie eine anhaltende Investitionszurückhaltung zu spüren, die starke Nachfrage der öffentlichen Hand wirkte sich jedoch stabilisierend aus.


Leistungsstarke Logistik

Beim zweiten Standbein Versandhandel (IT-E-Commerce) gab der Umsatz in den ersten neun Monaten um 12,1% nach. Bechtle bietet in diesem Segment über Internet, Katalog und Telefon mehr als 37.000 IT-Produkte im Direktvertrieb an. Eigenen Angaben zufolge ist man einer von nur wenigen Anbietern, die in der Lage sind, tagesaktuell für das gesamte Sortiment Preise und Verfügbarkeiten bereitzustellen. Daneben zeichnet sich der Konzern durch schlanke Prozesse und eine leistungsstarke Logistik aus. Laut Vorstand ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Aktiv ist man bislang in elf Ländern. Mit der Eröffnung einer eigenen Landesgesellschaft in Polen im zweiten Quartal 2010 will Bechtle die internationale Wachstumsstrategie im E-Commerce fortsetzen und sich damit einen Zugang zum osteuropäischen Markt erschließen. Mit seiner Handelsmarke „Bechtle direkt“ wird der Konzern dann in zwölf Ländern Europas vertreten sein.


Zuversichtlicher Ausblick

Wie der Vorstand bei Vorlage der Neunmonatsbilanz erläuterte, hat sich Bechtle in diesem Jahr in einem sehr schwierigen Umfeld wacker geschlagen. Zwar gibt es Unsicherheiten und die wirtschaftlichen Rah menbedingungen dürften weiterhin schwierig bleiben, für das Gesamtjahr stellte er jedoch ein solides im Branchenkontext sehr gutes Ergebnis in Aussicht. 2010 geht der Konzern von einer Fortsetzung der 2009 begonnenen konjunkturellen Erholung aus. Der Firmenchef blickt daher optimistisch nach vorn, auch wenn er nicht davon ausgeht, bereits im nächsten Jahr das wirtschaftliche Niveau von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise zu erreichen.


Fazit:

Nach einem schwachen Jahresstart hat sich die Situation von Quartal zu Quartal mehr entspannt. Der Geschäftstrend zeigt aufwärts. Im Gesamtjahr dürften nach den Rekorden 2008 zwar deutlich niedrigere Werte bei Umsatz und Profit anfallen, Bechtle sollte jedoch trotz schwieriger Rahmenbedingungen insgesamt solide Ergebnisse abliefern. Dazu könnte auch das Schlussquartal beitragen, sollte es sich, wie saisonal üblich, auch dieses Jahr als stark erweisen. Besonders im Dezember schöpfen viele Firmen, vor allem aber die öffentlichen Auftraggeber, traditionell ihre Budgets aus. Vielleicht ein Grund, der zuletzt kurstreibend wirkte. Aus charttechnischer Sicht gelang es der Aktie dabei, das bisherige Jahreshoch 2009 bei 18,79 Euro zu überwinden.

 Damit wurde womöglich die Konsolidierungsphase seit Anfang September, die einem kräftigen Aufwärtsimpuls seit Juli folgte, trendkonform nach oben aufgelöst. Gleichzeitig kletterte der Kurs über das 38,2%-Fibonacci-Retracement der langfristigen Abwärtsbewegung, die im November 2007, ausgehend vom Mehrjahreshoch bei 35,80 Euro, begann und den Kurs bis Anfang November 2008 um fast 40% auf 9,39 Euro abstürzen ließ. Der jüngste Aufwärtsimpuls führte den Kurs sogar bis zur Hürde bei 20,93 Euro (Zwischenhoch September 2008). Er prallte aber zunächst nach unten ab. Ein Sprung darüber dürfte die Widerstände im Bereich von 22,00 bis 22,60 Euro ins Visier rücken lassen.

Hier verläuft beispielsweise bei 22,54 Euro das 50%-Retracement der langfristigen Abwärtsbewegung. Sollte es gelingen, diese Marke nachhaltig zu überwinden, könnte dies als mittelfristiges Kaufsignal interpretiert werden. Erste spekulative Käufe mit Kursziel von etwa 22,50 Euro sind jedoch auch aktuell denkbar.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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