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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Report" am 13.03.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 13.03.2010:

Börsenbrief Gold- & Rohstoff-Report
Gold- & Rohstoff-Report

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Baumwolle: Nach starker Rally korrekturgefährdet

Die Baumwollpreise stiegen vom Märztief von 40 cents auf zwischenzeitlich 84 cents. Schlechtere Ernten, rückläufige Lagerbestände und eine Nachfrageerholung bei Textilien durch die Konjunkturerholung trieben die Preise nach oben. Aus der alten Ernte des vergangenen Jahres bleiben in den USA noch 3.2 Millionen Ballen übrig, das entspricht 20,6% des jährlichen Verbrauchs. Das US-Agrarministerium musste die Lagerbestandsschätzungen in den vergangenen Monaten mehrmals nach unten anpassen, was die Preise nach oben trieb. Als die Statistiker dieses Mal ihre Zahlen nach unten korrigierten, passierte aber das Gegenteil. Die Preise fielen. In dieser Woche wurde sogar die 80-cents-Marke durchbrochen. .

Ein Blick auf den Chart zeigt: Die 84-cents-Marke war in den letzten Jahren immer ein Bereich, in dem es an den Terminbörsen für Baumwolle zu einem starken Angebotsüberhang kam. Landwirte nutzen dieses Niveau offenbar gerne, um sich diese doch recht ansehnlichen Preise für die neue Aussaat im Frühjahr zu sichern. Sie verkaufen zu diesem Preis die Ernte, die erst im Herbst eingefahren wird. Das erzeugt Preisdruck, weil zusätzlich an den Terminmärkten Spekulanten eine höhere Erntemenge und wieder steigende Lagerbestände wittern und ihrerseits Shortpositionen aufbauen. Das drückt die Preise. Ein Blick auf die Candlestick-Chartdarstellung offenbart im Wochenchart einen „Shooting“-Star, und dieser kombiniert mit dem langjährigen Widerstand bei 84 cents ergibt aus technischer Sicht ein Verkaufssignal. Ob die Terminhändler, die in diesem Monat bereits die Baumwollpreise für Mai handeln, damit Recht behalten werden, ob das Angebot des Hard Commodities Baumwolle steigen wird, bleibt abzuwarten. Höhere Preise wie jene in den letzten Wochen gehandelten motivieren Landwirte aber in der Regel immer, höhere Anbauflächen für die neue Aussaat zu bewirtschaften. Da die Preise für Weizen, Sojabohnen und Mais am Boden liegen und eher noch weiter fallen, ist gerade in den USA nicht mit großer Flächenkonkurrenz durch diese drei Getreide zu rechnen. El Nino, das Wetterphänomen, das im vergangenen Jahr auf Dürren in den USA und einen geringeren Monsunregen in Indien zurückgeführt wurde, befindet sich nach Beobachtungen des australischen Wetterbüros seit Dezember auf dem Rückzug. Für ein ideales Wetter spricht das noch nicht, die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Wetter sich aber normalisiert, steigt dadurch. Sollten die Ertragsraten, also das, was pro Quadratmeter wächst, das Niveau des Jahres 2007 wieder erreichen, dann könnten die US-Lagerbestände Ende der Saison 2010 um über ein Drittel zulegen und dann für fast die Hälfte des Jahresverbrauchs ausreichen, glaubt David Hightower, Rohstoffanalyst aus den USA. Ob dann noch Preise um 80 cents gerechtfertigt sind, die immerhin so hoch sind, wie zuletzt vor gut zwei Jahren, ist fraglich. Insbesondere wenn man bedenkt, dass auch in Indien die Erntemenge wieder ansteigen könnte, wenn der Monsun in diesem Jahr normal ausfällt. An den Zuckermärkten, die bereits um über 40% vom Hoch korrigierten, wird die Erwartung einer höheren indischen Ernte bereits gespielt. Bei Baumwolle könnte das gleiche Spiel beginnen. Immerhin lag die indische Baumwollernte in den vergangenen Jahren stets über dem indischen Verbrauch und der Subkontinent trat auf dem Weltmarkt in direkte Konkurrenz mit den USA, dem traditionell größten Baumwollexporteur der Welt. Landwirte haben damit die beste Motivation, viel anzupflanzen. Da ein stärkerer Dollar die Landwirte in den USA etwas schlechter stellt, als noch vor einigen Monaten, könnten die USA am Ende der Saison auf einem höheren Anteil an den weltweiten Lagerbeständen sitzen bleiben. Da Anleger mit Baumwollzertifikaten und ETCs auf Veränderungen des in den USA gehandelten Terminmarktpreises setzen, spielt auch das Angebot auf dem US-Markt eine besonders wichtige Rolle. Zwar erwarten Analysten in diesem und auch in den folgenden Jahren eine stetig weiter wachsende Baumwollnachfrage. Pakistan, der weltweit viertgrößte Baumwollproduzent, wird bis zu zwei Millionen Ballen Baumwolle importieren müssen, obwohl das Land mit 16 Millionen Ballen in diesem Jahr eine Rekordernte wegen den hohen Preisen einfahren könnte. Die pakistanischen Baumwollpreise sprangen Anfang dieser Woche auf ein Rekordhoch. Die Angst vor einem Überangebot, das in diesem Jahr an den Markt strömen wird, lässt die Baumwollpreise in den USA auf dem Niveau von 80 cents aber als zu hoch erscheinen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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