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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 24.03.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 24.03.2016:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

BASF - Zweitgrößter Chemiekonzern

Durch die Fusion von DuPont mit Dow Chemical ist BASF plötzlich nur noch zweitgrößter Chemiekonzern und das mit gewaltigem Abstand. Im Agrarbereich wurde das Übernahmeziel Syngenta von den Chinesen weggeschnappt, und im Ölgeschäft werden Verluste aufgehäuft. So richtig rund läuft es nicht, doch seit der Ölpreis drehte, konnte die Aktie schon wieder um 18% zulegen. Ich beleuchte die Chancen der einzelnen Unternehmensteile und leite daraus meine Anlagemeinung ab.

STIPVISITE IM KELLER


Es trifft sich gut, dass Sie sich heute erneut BASF als Wunschanalyse gewünscht haben. Ich hatte BASF erst im Dezember für Sie analysiert und damals vor einem Durchrutschen des Kurses unter 67 Euro gewarnt. Tatsächlich ist die Aktie Anfang Januar unter 67 Euro gefallen und fand Mitte Februar ihr Tief bei 56,70 Euro. Seither ist der Ölpreis angesprungen, und die Aktie von BASF hat gestern wieder die 67 Euro überspringen können.

Haben sich die schwachen Hände damit aus der Aktie verabschiedet? Oder handelt es sich bei der Erholung lediglich um eine Zwischenerholung im Abwärtstrend? Schauen wir uns die Aussichten des Unternehmens einmal im Detail an, um diese Fragen zu beantworten.
 

INDUSTRIECHEMIKALIEN MIT MARGENDRUCK UND OHNE WACHSTUMSPHANTASIE


Das Hauptgeschäft von BASF, aus dem Einsatzstoff Öl Industriechemikalien für die Automobil-, Elektro-, Bau- und chemische Industrie zu erstellen, hängt maßgeblich an der Konjunkturentwicklung. Als stark konjunktursensibles Unternehmen hat BASF ein Beta zum DAX von 1,2. Das heißt, wenn der DAX um 10% steigt, steigt BASF um 12%. Wenn der DAX jedoch um 10% fällt, fällt BASF um 12%.

Mit einer EZB, die mit weit geöffneten Geldschleusen keine Wachstumsphantasie mehr erzeugen kann, fällt es mir schwer, für diesen Bereich von BASF in den kommenden Jahren von steigenden Umsätzen auszugehen. Doch das wäre vorübergehend nicht so tragisch, wenn BASF durch Kosteneinsparungen dennoch den Gewinn noch ein wenig steigern könnte. Effizienzprogramme werden bei BASF schon sehr langer Zeit alle zwei Jahre neu aufgelegt.

Doch diesem Wunsch macht nun die Fusion von DuPont mit Dow Chemical einen Strich durch die Rechnung. Mit 100 Mrd. Euro Marktkapitalisierung wird das durch die Fusion geschaffene Unternehmen deutlich größer sein als BASF mit aktuell 61 Mrd. Euro. BASF rückt also vom Platzhirsch auf einen abgeschlagenen zweiten Platz in der Chemieindustrie. Und da bei Produktionsunternehmen Skalenerträge mit zunehmender Größe steigen, hat das neu geschaffene Unternehmen DuPont / Dow Chemical viel Raum für einen Preiswettbewerb.

Effizienzsteigerungen bei BASF werden in diesem Umfeld wohl lediglich dazu führen, dass der Gewinn bestenfalls konstant gehalten werden kann. Wachstum ist also weder beim Umsatz, noch beim Gewinn zu erwarten.
 

ANGESPANNTER ÖLMARKT


Mit Wintershall hat sich BASF von den Schwankungen der Energiemärkte unabhängig gemacht. Der Hauptrohstoff für die Produktion technischer Kunststoffe wird im eigenen Hause gefördert, raffiniert und zu den Produktionsstätten gebracht. Als der Ölpreis über 100 USD/Fass gesprungen war, war dies ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Chemiegiganten. Besser noch, Wintershall produzierte so viel Öl, dass der Überschuss sogar noch mit hohem Gewinn verkauft werden konnte. Streckenweise steuerte Wintershall ein Drittel zum Konzerngewinn bei.

Inzwischen war der Ölpreis bei 27 USD/Fass WTI, heute steht er wieder bei 41 USD/Fass. Davon, dass mit Wintershall Gewinn gemacht werden kann, ist BASF weit entfernt. Im Gegenteil, in den vergangenen Monaten hat BASF für Wintershall noch drauf zahlen müssen. Andere Chemiekonzerne konnten den günstigen Ölpreis nutzen, um günstig einzukaufen, während BASF die teuren Produktionsanlagen von Wintershall am Laufen halten musste.

Entsprechend auffällig ist, dass BASF gemeinsam mit dem Ölpreis Mitte Februar den Boden der Korrektur erreichte: Öl am 9. Februar bei 27,57 USD/Fass, BASF am 10. Februar bei 56,70 Euro. Seither ist der Ölpreis um 50% angesprungen, BASF um 18%.

Aus dieser Entwicklung leite ich ab, dass die Aktie von BASF zu einem großen Teil deswegen ausverkauft wurde, weil Anleger Angst vor Verlusten Wintershalls haben. Solange der Ölpreis zwischen 40 und 70 USD/Fass pendelt, dürfte Wintershall relativ neutral für die Ergebnisentwicklung des Konzerns sein. Im Falle eines Anstiegs des Ölpreises über 70 USD/Fass kann BASF den Vorteil dieser vertikalen Integration (eine möglichst tiefe Produktionskette von Rohstoffförderung bis Endprodukt wird mit „vertikaler" Integration umschrieben) ausspielen. Sackt der Ölpreis hingegen nochmals deutlich unter 40 USD/Fass, so dürfte sich Wintershall als Belastung herausstellen.

Erschwerend kommt hinzu, dass BASF die Chemikalien für die Fracking-Industrie herstellt. Die Fracking-Industrie ist in den USA groß geworden und hat dort zu einem Ölförderboom geführt, der nun so langsam aufgrund des niedrigen Ölpreises abebbt. Fracking ist teuer, lohnt sich nach meinen Informationen inzwischen ab 40 USD/Fass.

Fracking ist extrem flexibel. In kurzer Zeit können in den USA ausgediente Ölquellen mit der Fracking-Methode erschlossen und weiter ausgequetscht werden. Sobald der Ölpreis also nachhaltig über 40 USD/Fass notiert, gehe ich von einer Fördermengenausweitung in den USA aus, die einen Anstieg des Ölpreises in Richtung 70 USD/Fass vereiteln dürfte. Schlimmer noch, ich gehe für das laufende Jahr nicht davon aus, dass der Ölpreis sich über 40 USD/Fass wird halten können.
 

AGRARSEKTOR IM UMBRUCH


Ich habe den Eindruck, dass der Agrarsektor am aussichtsreichsten ist. Die Agrarpreise sind seit Mitte 2012 kontinuierlich gesunken. Wir erinnern uns, 2012 gab es heftige Debatten um die Ethik von Bio-Ethanol aus Getreide. Entsprechende Gesetze würden die weltweiten Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben und für ärmere Gegenden unerschwinglich machen. Natürlich ist genau das Gegenteil passiert, die Preise sind im Durchschnitt um über 50% gesunken.

Gleichzeitig ist die Weltbevölkerung weiter angestiegen. Hier gibt es keine Konjunktur, die einen Nachfragerückgang erzeugen könnte. Im Gegenteil, hier hängt der Preis im Wesentlichen von den geschaffenen Produktionskapazitäten ab, und derzeit wird viel produziert.

Der Preisdruck ist groß, und so sucht die Branche ihr Heil in Konsolidierung. Es gibt im Wesentlichen zwei Anbieter von Saatgut: Syngenta (Schweiz, 37 Mrd. USD Marktkapitalisierung) und Monsanto (USA, 39 Mrd. USD Marktkapitalisierung). BASF wurde Interesse an Syngenta nachgesagt, doch das Unternehmen wurde ihnen von Chinesen vor der Nase weggeschnappt. So vermutet man nun, dass sich BASF um Monsanto bemühen könnte.

BASF verfügt über ein eigenes Geschäft mit Saatgut, experimentiert dort genau wie Monsanto auch mit Biotechnologie herum, hält sich jedoch mit gentechnisch veränderten Produkten bislang noch zurück. Das Geschäft mit dem Saatgut geht Hand in Hand mit Düngemittel, Schädlingsbekämpfung bis hin zur Tiernahrung.

CEO Kurt Bock wird eine starke Zurückhaltung mit Übernahmen nachgesagt. Entsprechend wäre eine Übernahme von Monsanto ein Paukenschlag, den man ihm nicht zutraut. Ich halte dies jedoch für eine interessante Option, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell nur mäßigen Perspektiven für die beiden anderen Geschäftsbereiche Öl und Kunststoffe.
 

ÜBERNAHMEKARUSSELL


Für wahrscheinlicher halte ich eine aktive Rolle von BASF im Rahmen der Fusion von DuPont mit Dow Chemial. Die Kartellbehörden werden hier Auflagen erstellen, die zum Verkauf einiger Unternehmenssparten führen sollten. Diese Sparten kann BASF dann aufgreifen, wenn sie ins eigene Portfolio passen.

Gleichzeitig wird an der Börse ebenfalls diskutiert, ob Monsanto vielleicht Interesse an der Agrarsparte von BASF sowie auch von Bayer haben könnte. Diese Option halte ich jedoch für weniger wahrscheinlich. Zum einen wird auch CEO Bock um die gute Perspektive gerade des Agrarbereichs wissen, zum anderen würde BASF sodann weniger diversifiziert und kleiner dastehen, hätte der Übermacht von DuPont / Dow Chemical anschließend nur noch wenig entgegen zu setzen.
 

BEWERTUNG AMBITIONIERT, DIVIDENDE ATTRAKTIV


Für das laufende Jahr gehen Analysten von einem Gewinnrückgang um 10% aus, 2017 soll der Gewinn dann wieder um 10% steigen. Danach soll der Gewinn jährlich um 9% anwachsen. Diese Achterbahnfahrt wird mit einem KGV 2017e von 13 belegt, ich halte das für ambitioniert.

Attraktiv ist die Dividendenrendite von 4,4% (2,90 EUR je Aktie), die aufgrund der soliden Bilanz und aufgrund des hohen Cashflows (8,71 Euro je Aktie) als gesichert angesehen werden kann.
 

FAZIT: NIEMANDSLAND


Ganz ehrlich: BASF ist solide, ihr bläst der Wind bei Kunststoffen und Öl aber derzeit ins Gesicht. Es gibt Chancen im Bereich Agrar, dafür muss der Konzern jedoch nun die Weichen richtig stellen. Das Abrutschen des Kurses unter 67 Euro bis auf 57 Euro war dem niedrigen Ölpreis geschuldet. Die Erholung auf 67 Euro ist der Erleichterung zuzuschreiben, dass der Ölpreis bei 27 USD/Fass einen Boden gefunden zu haben scheint. Doch für einen Anstieg in Richtung 73-78 Euro fehlt mir vorerst ein Grund. Allein die attraktive Dividende dürfte dafür nicht ausreichen.

Was möchte BASF morgen sein: „Nur" die Nummer zwei der Chemiekonzerne, und das mit großem Abstand zur neuen Nummer eins? Gibt es weitere Übernahmechancen in Folge der Fusion, gibt es weitere Wettbewerber, die ggfls. vollständig übernommen werden können? Oder sucht BASF seine Zukunft nun im Agrarsektor? Ich habe den Eindruck, dass wir in den nächsten Monaten einige strategische Entscheidungen erwarten dürfen. Diese würde ich abwarten, bevor ich mich für oder gegen diese Aktie entscheide.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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