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Veröffentlicht von Weimer Media Group GmbH am 11.03.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 11.03.2012:

Börsenbrief BÖRSE am Sonntag
BÖRSE am Sonntag

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Autohersteller erfreuen Aktionäre und Käufer

Die Aktien von Volkswagen und BMW konnten in den letzten drei Jahren kräftig zulegen und auch bei Daimler läuft es rund. Zu Recht: Die Gewinne der deutschen Hersteller explodieren geradezu. Doch auch die Rabatte auf Neuwagen bewegen sich derzeit auf rekordverdächtigem Niveau. Ob das gut gehen kann, erfahren Sie hier.

 

Wer seit Anfang 2009 VW-Vorzugsaktien in seinem Depot liegen hat, dürfte seinen Augen kaum trauen. Um gut 355% sind die Titel seitdem geklettert. Freunde von Premium-Marken, die statt auf Masse lieber auf Klasse setzten, fuhren zwar nicht ganz so gut, dürften angesichts eines Kursplus von rund 240% bei BMWund 137% bei Daimler-Aktien aber trotzdem zufrieden sein. Der DAX schaffte im gleichen Zeitraum nämlich nur ein Plus von etwas mehr als 80%. Zuletzt hat sich die Outperformance der Automobilaktien sogar noch einmal beschleunigt: In dem noch jungen Jahr 2012 konnten Daimlerund BMW-Titel um ca. 25% beziehungsweise um ca. 28% zulegen, während der Leitindex lediglich auf ein Plus von 10% kommt.

Autoaktien nach wie vor günstig

Befeuert wurden die Kurse von der glänzenden Ertragsentwicklung. So hat Volkswagen nach vorläufigen Zahlen 2011 im operativen Geschäft 11,3 Mrd. Euro verdient. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von 60%. Daimler erzielte 2011 mit einem EBIT von 9 Mrd. Euro (+24%) ebenfalls ein neues Rekordergebnis. Fundamental ist das Bild daher weiterhin stimmig. Bei VW liegt das 2012er-KGV bei 7,5, bei BMW liegt der Wert bei 9,5 und bei Daimler bei 8,5. Übertreibungen sehen anders aus. Und auch bei den Zulieferern läuft es blendend. Continental, ElringKlinger sowie Leoni & Co. melden ebenfalls glänzende Geschäfte. Dieser positive Trend dürfte sich auch noch einige Zeit fortsetzen. Schließlich hat man sich die hervorragende Wettbewerbsposition durch den Aufbau eigener Produktionsstätten in allen wichtigen Wachstumsmärkten über Jahre aufgebaut. Mit einem Zertifikat von xMarkets lässt

sich passenderweise auf die gesamte deutsche Branche setzen. Das Solactive-Zertifikat (WKN: DE0CAR) auf den deutschen Automobilsektor-Performance-Index enthält neben den großen Autoherstellern auch die wichtigsten börsennotierten Zulieferer.

Rückgänge nur in Europa

Zwar stellen sich die deutschen Autobauer im laufenden Jahr auf ein schwächeres Wachstum ein, mit einem Einbruch rechnet jedoch niemand: „Wir haben Geschwindigkeit zurückgenommen, halten aber noch vergleichsweise hohes Tempo“, so Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie. Dass man seitens der Industrie versucht, die Erwartungen etwas zu dämpfen, liegt an der Krise in Europa. Für den Rest der Welt haben sich die Perspektiven dagegen zuletzt deutlich verbessert: „Eine ganze Reihe von Anzeichen deuten darauf hin, dass die EU-Schuldenkrise beherrschbar bleibt und sich keine wesentlichen Konjunkturauswirkungen außerhalb Europas zeigen“, so Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. In seiner jüngsten Prognose geht das Institut für 2012 von einem Absatz von weltweit rund 63 Mio. Pkws aus. Davon entfallen knapp 13 Mio. auf Europa – was einem Rückgang von 5% entsprechen würde. „Das Wachstum kommt aus den USA und Asien“, so Dudenhöffer weiter.

Mit 4.300 Euro zu einem neuen Golf

Apropos Europa. Wer sein Geld statt in Aktien in einen Neuwagen investieren möchte, kann sich derzeit über hohe Rabatte freuen: „Der harte Konkurrenzkampf um Marktanteile wird in einem weitgehend ausgereizten Absatzmarkt wie Deutschland naturgemäß über das Preisinstrument geführt. Das wird sich auch 2012 nicht ändern“, sagt Alexander Bugge von MeinAuto.de. Laut einer Auswertung des Internet-Portals stiegen die durchschnittlichen Preisnachlässe beim Kauf von Neuwagen über das Internet in den letzten vier Jahren pro verkauftem Modell von 16,6% im Jahr 2008 auf 20,03% 2011. „Auf den Listenpreis des Herstellers sparten Kunden 2011 durchschnittlich 5.587 Euro pro Neuwagen. Damit ist der absolute Nachlass auf Neuwagen im Internet seit 2009 (4.203 Euro) um 1.384 Euro angestiegen“, so das Neuwagenportal in einer aktuellen Pressemeldung. Besonders hohe Rabatte werden derzeit auf Modelle gewährt, bei denen ein Modellwechsel ansteht. So ist ein neuer Golf im Netz bereits für rund 15.000 Euro zu bekommen. Da drängt sich natürlich ein kleines Rechenexempel auf: Wer vor drei Jahren als Anzahlung 4.300 Euro in VW-Aktien investiert hat und diese jetzt verkauft, kann die Aktien heute in einen nagelneuen Golf tauschen.

China: Fluch und Segen

Das Beispiel macht aber noch etwas anderes deutlich. Den Großteil ihrer Gewinne erwirtschaften die deutschen Autobauer mittlerweile im Ausland. Der chinesische Markt ist heute für den Volkswagenkonzern der wichtigste Markt überhaupt, Daimler und BMW befinden sich auf dem Weg dahin. Kein Wunder, denn Statussymbole wie die

Mercedes-S-Klasse, der 7er von BMW und der Audi A8 laufen im Reich der Mitte besonders gut. Und weil die Hersteller an den Topmodellen besonders viel verdienen, ist der Anteil der Gewinne aus dem Chinageschäft überproportional hoch. Das erzeugt eine gefährliche Abhängigkeit. Zum einen besteht die Gefahr, dass der Markt durch regulatorische Eingriffe quasi über Nacht einbricht, zum anderen versucht die Regierung, die heimische Industrie mit allen Mitteln aufzubauen. So nimmt die Automobilindustrie eine zentrale strategische Rolle im zwölften 5-Jahres-Plan ein. Wichtiges Ziel ist die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien, namentlich batteriebetriebener Elektro-Autos. Doch ausgerechnet auf diesem Gebiet hinken die deutschen Hersteller der Konkurrenz hinterher.

In der Realität angekommen

„Die Einführung von Zukunftstechnologien wurde in Deutschland völlig verschlafen. Während Toyota und Honda die Hybridisierung bereits bei Kleinwagen einführen, finden wir den Hybridantrieb bei deutschen Herstellern ausschließlich unter den Luxuslimousinen“, so Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Damit werden laut Lottsiepen lediglich die Spritschlucker im Normtest unter zehn Liter Verbrauch gebracht. „Allein der Bau von effizientesten und schnellsten Luxusautos reicht aber nicht aus, um gegenüber der Konkurrenz aus Asien zu bestehen“, so Lottsiepen in einer Pressemeldung. Firmen, die sich dem Thema verschrieben hatten, galten daher lange Zeit als hochattraktive Investments. Es verwundert daher nicht, dass für dieses Hype-Thema ein gleichnamiges Themen-Zertifikat auf den Solactive EPower Automobil Index (WKN: A0XW1N) existiert. Die Wertentwicklung verlief bislang allerdings äußerst unerfreulich. In den letzten zwölf Monaten fiel die Notierung um über 40%. Im laufenden Jahr konnte das Papier jedoch bereits um 6% zulegen. Ein Umschwung, der möglicherweise nicht zufällig entstanden ist. Wie aus einer neuen Studie, die das Marktund Sozialforschungsinstitut Infas im Auftrag von Continental erstellt hat, hervorgeht, haben 58% der befragten Chinesen die grundsätzliche Absicht, sich später einmal ein E-Mobil anzuschaffen. Die Zeit für einen Einstieg scheint daher günstig.

Fazit

Kurzbis mittelfristig dürfte die hiesige Autoindustrie ihre Rekordfahrt fortsetzen können. Auf dem aktuellen Niveau sind die Titel daher ein Kauf. Auf Sicht der kommenden Jahre könnten sich die Gewichte jedoch verschieben. Nicht nur die Marktführer bei E-Autos dürften dann zu den Gewinnern zählen. Auch Unternehmen wie Google, die an computergesteuerten Fahrzeugen arbeiten, könnten sich künftig eine Scheibe vom Kuchen abschneiden. Langfristig orientierte Anleger sollten daher nicht ausschließlich auf die deutschen Hersteller setzten. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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