Apple - Überraschend gute Q-Zahlen: solide Prognose

Veröffentlicht von Stephan Heibel am 29.10.2015
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Heibel-Ticker

Ich bin Ihnen noch eine Einschätzung zu den Apple-Quartalszahlen vom vergangenen Dienstag schuldig. Meine Erwartung wurde bestätigt, das China-Geschäft läuft ungeachtet der dortigen wirtschaftlichen Turbulenzen robust. Der Absatz des iPhones stieg in China um 120%, der Umsatz um 99%. Die in der internationalen Presse viel beschriebenen Konjunkturprobleme scheinen sich, wie von mir mehrfach ausgeführt, auf die Import/Export-Tätigkeit zu beschränken. Dem chinesischen Konsumenten geht es hervorragend.


iPhone und iPad im Vergleich

Im Apple-Konzern macht das iPhone inzwischen 63% des Umsatzes aus, der iPhone Umsatz weltweit ist um 36% angestiegen. der iPad-Umsatz fiel um 20%, das Wachstum anderer Bereiche (Mac +4%, Services +10%, iPod, Beats & Watch +61%) spielt nur eine untergeordnete Rolle. Damit sind wir auch gleich beim größten Kritikpunkt an Apple: Mehr und mehr entwickelt sich Apple zu einem Ein-Produkt-Konzern. Das iPhone ist so erfolgreich, dass bereits ein gutes Smartphone eines Wettbewerbers heftige Verwerfungen im Apple-Konzern auslösen könnte. 

das sind die Sorgen, denen sich die meisten Apple-Skeptiker hingeben. Hinzu kommen noch Sorgen über die Aktionäre von Apple, die zu einem großen Teil aus Staatsfonds und anderen institutionellen Anlegern wie Unternehmen mit großen Barreserven bestehen, die Apple aufgrund der hohen Liquidität schätzen. Sollte das Zinsniveau in den USA tatsächlich irgendwann zu steigen beginnen, so werden solche institutionelle Anleger wieder verstärkt in Anleihen (Staatsanleihen) investieren und das in Apple geparkte Geld abziehen, so die Befürchtungen. 

Hohe Profitabilität

Nun, schauen wir einmal die Zahlen an: Apple wird 2016 voraussichtlich 245 Mrd. USD umsetzen und wird aktuell mit 671 Mrd. USD Marktkapitalisierung bewertet. das ist hoch, spiegelt aber die hohe Profitabilität des Konzerns wieder. Immerhin hat Apple eine Gewinnmarge von stolzen 39,9%. Alles über 20% gilt als nicht nachhaltig, da der Wettbewerb solche Margen angreifen wird. Apple hat jedoch dank seines iOS-und Services-Universums die Hürden für einen Wechsel zu einem Wettbewerber sehr hoch aufgelegt. Oder würden Sie einfach so ihr iPhone gegen ein anderes Smartphone eintauschen? Sie müssten sich umgewöhnen und könnten vorab kaum einschätzen, welche Daten bei dem Übergang ggfls. verloren gehen. 

Die hohe Profitabilität zeigt sich dann auch schon in dem in meinen Augen extrem niedrigen Kurs/Gewinn-Verhältnis von 12, bezogen auf die für 2016 erwarteten Gewinne. Der Gewinn wird Analystenschätzungen zufolge in den kommenden fünf Jahren mit jährlich 15% wachsen, ein KGV von 30 wäre also durchaus möglich. Stattdessen notiert die Aktie bei nur 12. Ich würde sagen, das Risiko der iPhone-Dominanz ist damit ausreichend eingepreist. 

Als wertvollstes Unternehmen der Welt wird die Aktie von Apple immer wieder mit Problemen zu kämpfen haben, die eher die internationalen Finanzmärkte betreffen und weniger Apple selbst. Daher ist es inzwischen extrem schwierig geworden, die Apple-Aktie für spekulative Zwecke zu traden. Vielmehr gehe ich davon aus, dass die Aktie langfristig weiter steigen wird, kurzfristige Schwankungen werden wir wohl aussitzen müssen oder ggfls. extreme Korrekturen zum Nachkaufen nutzen. 

Vorreiter, nicht Folger in der Entwicklung sein 

Als wirklich gefährlich sehe ich eigentlich nur, wenn Apple eine der nächsten Entwicklungen verschläft. In meinen Augen müsste Apple schleunigst Fitbit kaufen, um im Markt der individuellen Gesundheitsvorsorge eine Führungsposition zu sichern. Mit Apple Pay hat es Apple schwer, eine führende Rolle gegen Paypal und die Kreditkartenabwicklungen einzunehmen, es fehlt mir noch das schlagende Argument zugunsten der Apple Pay - Lösung. Und in Sachen Betriebssystem sollte CEO Tim Cook vielleicht doch nochmals überlegen, ob das von Steve Jobs vorgegebene Mantra, iOS und MacOS in jedem Fall als zwei getrennte Betriebssysteme zu belassen, auch heute noch gültig ist. Immerhin hat nun nach Microsoft auch Google angekündigt, ein plattformübergreifendes Betriebssystem anzubieten. 

Es gibt also tatsächlich Themen, die im erfolgsverwöhnten Konzern mehr Beachtung verdienen. Diese werde ich im Blick haben. Nicht aber die kurzfristigen Kursschwankungen, die häufig nichts mit den Vorgängen im Apple-Konzern selbst zu tu haben. 

Doch vorerst dürfte die Aktie stabil bleiben. Die Zahlen waren überraschend gut, die Aktie konnte wider Erwarten nach den Q-Zahlen ansteigen. Wir bleiben dabei, haben aber ein wenig Luft in der Position um im Falle eines Ausverkaufs nachzukaufen. 

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