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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 27.04.2016

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 27.04.2016:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Apple mit durchwachsenen Quartalszahlen

Gestern Abend hat Apple Quartalszahlen veröffentlicht. Die Zahlen waren bestenfalls durchwachsen, wenn nicht gar schlecht und die Aktie notiert heute mit 8% im Minus. Ich denke, wir werden den Rückschlag zum Ausbau unserer Position nutzen, nicht heute oder morgen, aber wenn sich die Aufregung gelegt hat. 

Sinkender Umsatz und Gewinn 

Der Umsatz ist um 13% auf 50,6 Mrd. USD gesunken, erstmals ein rückläufiger Umsatz seit über 10 Jahren. Erwartet oder befürchtet wurden 52 Mrd. USD, die schlimmsten Befürchtungen waren also nicht schlimm genug. 

Der Gewinn je Aktie ist im Vergleich zum Vorjahresquartal analog zum Umsatz um 12% auf 1,90 USD gesunken. Die Gewinnmarge ist von 40,8% auf 39,4% zurückgegangen. 

65% des Konzernumsatzes werden mit dem iPhone gemacht. 51,2 Mio. iPhones wurden verkauft (-16%), wurden 51,2 Mio. Aufgrund der gleichzeitig schwindenden Gewinnmarge fiel der Umsatzrückgang mit 18% auf 32,9 Mrd. USD ein wenig stärker aus als der Absatzrückgang. 

Der Absatz und Umsatz beim iPad (20% des Konzernumsatzes) ging um 19% zurück. Auch hier hatten Analysten einen stärkeren Rückgang befürchtet. der Umsatz mit Mac Computern (10% des Konzernumsatzes) fiel um 9%. Hier kann ich nur wiederholen: Apple ist hier Opfer seines eigenen Erfolges. Sowohl mein iPad, als auch mein MacBook Pro sind in ihrem stattlichen Alter von dreieinhalb Jahren nach wie vor nahezu neuwertig, warum sollte ich also schon einen neuen Mac kaufen?

Lichtblick im Service

Services sind um 20% auf 6 Mrd. USD angewachsen, hier hebt Apple den Erfolg des AppStores (+35%) und Apple Music (Abwärtstrend umgekehrt) hervor, Apple Pay hingegen habe zwar eine hoffnungsvolle Zukunft, ist derzeit aber noch winzig klein, was den Umsatz angeht. 

Die Apple Watch wird unter Sonstiges geführt, wo auch Apple TV, Beats Kopfhörer und iPods ausgewiesen werden. Deren Umsatz insgesamt ist um 30% auf 2,2 Mrd. USD gestiegen, weitere Details gibt es nicht. 

Vor einem Jahr war das damals neue iPhone 6 sowie die erstmals volle Erschließung des chinesischen Absatzmarktes Wachstumstreiber. Allein das China-Geschäft war um 81% gewachsen und von dieser hohen Basis aus ging es nun um 26% zurück. Der Rückgang sei zudem zum großen Teil durch den starken US-Dollar erzeugt worden, ohne Wechselkurseffekte betrage der Umsatzrückgang in China „nur“ 7%. Der Konzernumsatz zu gleichen Wechselkursen sei statt um 13% nur um 9% zurückgegangen. 

Apple als Accessoire

Apple ist mehr denn je ein Modekonzern. Das iPhone 6 war durch sein größeren Displays sowie die schicke Alu-Schale genau das iPhone, auf das ich gewartet hatte - und mit mir offensichtlich auch viele andere. Der Absatzsprung durch die Eiführung des iPhone 6 war gigantisch, das im vergangenen Herbst folgende iPhone 6S kann an diesen Erfolg nicht mehr anschließen. 

Nachdem ein Computer dank der MacBook Pro Serie inzwischen viele Jahre hält, das iPad seit dem iPad Air ebenfalls für Modefans den Zenit markierte scheint es nun beim Smartphone das iPhone 6 zu sein, dass so große Zufriedenheitswerte (mit über 90% laut Apple die höchsten aller Zeit) erzeugt, dass ein Wechsel zum jeweils neuen Modell nicht mehr so dringend nötig erscheint. 

In der anschließenden Telefonkonferenz fragte jeder zweite Analyst nach dem Effekt des am 31. März eingeführten günstigeren iPhone SE. Die Gewinnmarge kommt unter Druck, gleichzeitig würden die teuren iPhones kannibalisiert, so die Bedenken der Analysten, die Tim Cook auch nicht ausräumen konnte. 
 

Zukünftige Wachstumsbereiche gesucht

Nun suchen Analysten händeringend nach dem nächsten Wachstumsbereich bei Apple: Die Apple Watch ist ein zu kleiner Teil des Konzernumsatzes, als dass da in den kommenden Quartalen ein nennenswerter Gewinnbeitrag erwartet werden könnte. Ein iCar, so schön die Idee klingen mag, ist wohl noch viele Jahre von der Marktreife entfernt, selbst wenn Apple seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 31% auf 2,5 Mrd. USD erhöht hat. Sie erinnern sich sicher an die Meldung des kleinen Start-Ups in Berlin, dessen Tätigkeit Apple zugeschrieben wird. Zudem wirbt Apple nach wie vor heftig Mitarbeiter von Tesla ab. Services wachsen zwar ordentlich, haben auch eine hohe Gewinnmarge, doch da fragte der Analyst von UBS, ob das Wachstum bei Services auf die große Anzahl verkaufter iPhone 6 zurückzuführen ist, oder aber ob so viele iPhone 6 verkauft wurden, weil die Services so gut seien? Was war also zuerst: Das Ei oder die Henne?

Apple Pay entwickele sich gut, auch Apple Health ist ein Zukunftsmarkt, das Tracking der eigenen Gesundheit. Doch all das ist Zukunftsmusik und nicht geeignet, den aktuellen Umsatzrückgang im Konzern aufzuhalten. 

Bleibt das iPHone 7, das für diesen Herbst erwartet wird. Und, wem das nicht reicht, inzwischen gibt es schon Gerüchte, Apple werde im kommenden Jahr auf das Zwischenmodell iPhone 7S verzichten und sogleich das iPhone 8 nachschieben. Das iPhone 8 soll endlich Schluss machen mit der Broken Glass App - jeder von Ihnen kennt sicherlich jemanden, dessen Handy-Display durch einen Sturz zersplittert ist. Apple will das „unkaputtbare“ iPhone bauen. 
 

Gegenwärtige Zahlen sprechen für sich

Viele aussichtsreiche Zukunftsvisionen in den Kinderschuhen also, doch die Gegenwart sieht düster aus: Der Absatz- und Umsatzrückgang wird uns auch im laufenden Quartal begleiten. Unterstützung für die Aktie kann nur durch das Bewertungsniveau kommen. Doch welches KGV wollen wir für ein Unternehmen ansetzen, das einen rückläufigen Umsatz und Gewinn verzeichnet? 

Das KGV 2017e steht bei nur noch 10. Attraktiv ist inzwischen die (zum vierten mal in vier Jahren erhöhte) Dividendenrendite von 2,4%. Doch in dieser Phase hilft nur eine langfristige Betrachtung anhand anderer Kennziffern. 

Der Unternehmenswert liegt bei 600 Mrd. USD für 235 Mrd. USD Jahresumsatz, das Verhältnis steht also bei 2,6. Für ein Unternehmen, das mit einer Gewinnmarge von rund 40% arbeitet, ist das günstig. Ich gehe nicht davon aus, dass die Marge in den kommenden Quartalen deutlich unter 35% fallen wird, da Apple dank seines Designs sowie dank der hohen Kundenbindung durch das gesamte Apple-Ökosystem weiterhin Premiumpreise erheben kann. 

Die schwachen Zahlen waren erwartet worden. In Teilen fiel das Ergebnis gestern Abend schlechter, in Teilen besser aus als erwartet. Entsprechend betrachte ich die Entwicklung zwar mit Sorge, doch die Aktie ist ja bereits um 28% vom Höchstkurs zurückgekommen. Die Sorgen wurden nun bestätigt, aber nicht schlimmer. Daher sollte der Ausverkauf nicht lange anhalten, bevor sich Bewertungstechnische Gründe durchsetzen sollten und wieder zu Käufen führen. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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