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Veröffentlicht von Redaktion "rohstoffe kompakt" am 02.09.2009

Anlegen mit Rohstofffonds

Anlegen mit Rohstofffonds

Einerlei ob bei Nahrungsmitteln, Energie oder Metallen: Eine weiter stetig wachsende Weltbevölkerung dürfte dafür sorgen, dass der Rohstoffbedarf künftig weiter zunimmt. Investments im Rohstoffsektor sind daher gefragt und spielen bei der Zusammensetzung des Portfolios eine immer wichtigere Rolle. Wir zeigen Ihnen, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, mit Fonds im Rohstoffsektor zu investieren.

Zu welchen Kurskapriolen die Rohstoffmärkte fähig sind, hat die jüngste Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt. Die boomende Weltwirtschaft und der wachsende Hunger nach Bodenschätzen aufstrebender Volkswirtschaften wie China oder Indien führten bei vielen Rohstoffen bis 2008 zu deutlichen Zuwächsen. Bestes Beispiel ist der Ölpreis, der sich allein von Anfang 2007 bis Mitte 2008 fast verdreifacht hat. Vom Zwischentief im November 2001 ging es in der Spitze sogar um rund 750% aufwärts. Angesichts derartig satter Zuwächse verwundert es nicht, dass immer mehr Anleger auf Rohstoffe setzen. Allerdings wachsen auch hier die Bäume nicht in den Himmel, wie die herben Einbrüche bei vielen Rohstoffen seit Anfang/Mitte 2008, ausgelöst durch die Finanzkrise und der in ihrem Schlepptau einknickenden Weltwirtschaft, zeigen. Grundsätzlich gilt daher: Auch Rohstoffinvestments unterliegen Schwankungen, die mitunter sehr deutlich ausfallen können, was entsprechend zu berücksichtigen ist. Dennoch sind sie bei der Streuung des Portfolios ein wichtiger Bestandteil. Aber welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, mittels Fonds in Rohstoffe zu investieren?


Klassische Investmentfonds

Als Erste zu nennen wären da die klassischen Investmentfonds. Hier vertrauen Sie einem Fondsmanager Ihr Kapital an, der dieses dann gemäß den Anlagerichtlinien des entsprechenden Fonds investiert, also die Produkte nach seinen Markteinschätzungen auswählt. Dieses aktive Management ist natürlich nicht umsonst und wird vergütet. Neben der Bezahlung des Managers umfasst die je nach Fonds unterschiedliche jährliche auf das Fondsvermögen berechnete prozentuale Verwaltungsgebühr die Kosten für Personal, technisches Management und Erfüllung der Dokumentationspflichten. Sie liegt meist zwischen 0,5% und 2,5% pro Jahr und wird direkt aus dem Fondsvermögen entnommen. Denkbar sind zudem renditeabhängige Vergütungen, beispielsweise, wenn der Fonds besser abschneidet als der Vergleichsmarkt (Benchmark). Zur Deckung der Vertriebskosten werden bei klassischen Fonds in der Regel zusätzlich Ausgabeaufschläge erhoben, die etwa zwischen 2,5% und 5% liegen. Viele Banken oder Fondsvermittler bieten jedoch auch reduzierte oder Fonds ohne Ausgabeaufschläge an. Klassische Investmentfonds im Rohstoffsektor investieren meist in Aktien von Unternehmen, die im Rohstoffsektor tätig sind, um so indirekt an steigenden Rohstoffpreisen zu partizipieren. Es gibt jedoch Fonds, die zudem auch in Zertifikate und Terminkontrakte wie Optionen und Futures oder direkt in physische Rohstoffe wie Edelmetalle investieren können, um so von der direkten Entwicklung der Rohstoffe zu profitieren. Einige setzen sogar komplett nur auf Instrumente, die direkt an der Rohstoffentwicklung teilhaben und lassen Unternehmen aus dem Sektor außen vor.


ETFs und ETCs

Neben den klassischen Fonds sind in den vergangenen Jahren so genannte Exchange Traded Funds (ETFs) und Exchange Traded Commodities (ETCs) mehr und mehr in Mode gekommen. Beide weisen im Vergleich zu den klassischen Fonds in der Regel niedrigere Gebühren auf. Die jährlichen Verwaltungsgebühren liegen zumeist unter 1%, und es fallen weder Ausgabeaufschläge noch Rücknahmegebühren an. Zudem können ETFs und ETCs einfach direkt an den Börsen gehandelt werden. Dabei sorgen Designated Sponsors, die als Händler im Auftrag von einem Emittenten einen fortlaufenden Handel sicherstellen, jederzeit für Liquidität bei den Papieren, sodass sie sich vergleichbar mit Aktien handeln lassen. Die Notierungen orientieren sich an den Spotpreisen der abgebildeten Rohstoffe und Indizes oder an entsprechenden Terminkontrakten wie Futures und weichen nur geringfügig davon ab, sodass eine transparente Preisbildung gewährt wird. ETFs und ETCs weisen somit viele Gemeinsamkeiten auf, haben jedoch einen wichtigen Unterschied. Während ETFs genauso wie klassische Investmentfonds als Sondervermögen gehandhabt werden und diese für den Fall der Insolvenz des Emittenten vor Ansprüchen Dritter geschützt sind, besteht bei ETCs theoretisch ein Emittentenrisiko.


Theoretisches Emittentenrisiko

Denn ETCs sind unbefristete besicherte Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Damit sind sie nicht prinzipiell vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, sind die Forderungen der Inhaber von ETCs doch gleichrangig mit denen aller anderen Gläubiger. Viele ETCs sind jedoch besichert, und die Emittenten wollen durch treuhändische Verwahrung der Vermögenswerte den Zugriff Dritter von vorneherein ausschließen. Dies kann zum einen durch die physische Hinterlegung der Rohstoffe erfolgen, was vor allem oft bei ETCs auf Edelmetalle der Fall ist. Dabei werden beispielsweise Gold- oder Silberbarren im Namen des Emittenten treuhändisch verwahrt. Bei den meisten anderen Rohstoffen jedoch, bei denen eine physische Hinterlegung nicht sinnvoll ist, wie z.B. bei Agrarprodukten, sind entsprechende Terminkontrakte eines Kontrahenten hinterlegt Zusätzlich können die Terminkontrakte zum anderen nochmals mit Kreditsicherheiten wie Staatsanleihen besichert werden, was jedoch nicht hundertprozentig das Emittentenrisiko ausschließt, aber zumindest deutlich mindert. Ein theoretisches Emittentenrisiko gibt es im Übrigen auch bei ETFs, denn nicht immer werden sie komplett mit den zugrunde liegenden Basiswerten hinterlegt. Oft nutzen die Emittenten auch Derivate, um einen Basiswert kostengünstiger abzubilden. Dazu gehören so genannte Swaps. Das sind Tauschgeschäfte, bei denen eine Bank dem ETF-Anbieter die Performance des zugrunde liegenden Index garantiert, ohne dafür zwingend genau den Basiswert besitzen zu müssen. Durch diese Tauschgeschäfte besteht das Risiko, dass der Vertragspartner, also die Bank, die die Performance garantiert, pleite geht. Dieses faktische Emittentenrisiko ist jedoch begrenzt. Der Einsatz von Swaps ist bei ETFs gesetzlich auf maximal 10% des Fondsvolumens beschränkt. In der Praxis sind es in der Regel sogar weniger. Einige Emittenten verzichten sogar ganz auf den Einsatz von Swaps.

Großes Angebot

Die Vorteile von ETFs und ETCs, wie der einfache Handel an der Börse sowie die geringen Gebühren, haben die Nachfrage und auch das Sortiment in den vergangenen Jahren deutlich steigen lassen. Immer mehr Anbieter – einige finden Sie in der Tabelle – bieten heute ein umfangreiches Sortiment aus Produkten auf einzelne Rohstoffe sowie Rohstoffindizes und -körbe an. Dabei gibt es nicht nur ETFs und ETCs, mit denen auf steigende Kurse, sondern auch auf fallende gesetzt werden kann. Zudem sind inzwischen Produkte mit Hebel auf dem Markt, mit denen sich die Renditechancen erhöhen lassen, aber auch naturgemäß das Risiko steigt.


Fazit:

Das Angebot, um mit Fonds in die Rohstoffmärkte zu investieren, ist durch ETFs und ETCs deutlich gestiegen. Für Investoren, die direkt in Rohstoffe investieren möchten und dabei auch flexibel auf Marktveränderungen reagieren wollen, dürften ETFs und ETCs aufgrund der leichten Handelbarkeit an der Börse sowie der in der Regel zu klassischen Investmentfonds vergleichsweise geringen Gebühren erste Wahl sein. Allerdings setzt ein solcher Handel mit einem entsprechenden ETF oder ETC eine gewisse Marktmeinung für den jeweiligen Rohstoff oder Rohstoffkorb voraus. Daher dürfte das umfangreiche Sortiment an ETFs und ETCs sowie deren Möglichkeit, auch auf fallende Kurse zu setzen oder mit Hebel zu spekulieren, vor allem für erfahrene Anleger eine Bereicherung sein. Für Anleger, die indes eher vermögensverwaltende Ansätze suchen, weil sie nicht die Zeit oder Kompetenz besitzen, ständig den Markt zu beobachten, bleiben klassische Investmentfonds trotz der höheren Gebühren eine Alternative. Allerdings hängt die Wertentwicklung hier von der Qualität des Fondsmanagements ab, weshalb bei der Auswahl geschaut werden sollte, dass der Fonds über mehrere Jahre kontinuierliche solide Erträge erwirtschaftet hat. Natürlich gilt aber auch hier, dass Gewinne in der Vergangenheit keine Garantie für künftige Entwicklungen sind. Bei der Wahl des Fonds sollten Investoren zudem schauen, ob dessen Anlagestrategie zum eigenen Chance/Risiko-Profil passt.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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