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Veröffentlicht von Stephan Heibel am 13.08.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 13.08.2010:

Börsenbrief Heibel-Ticker
Heibel-Ticker

Stephan Heibel - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit März 2000

Ängste aus der Retorte

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wodurch sich das Sommerloch auszeichnet? Im Zeitalter der automatisch formulierten Berichte, die von einem Computer redigiert werden, dürfen Sie im sogenannten Sommerloch nicht damit rechnen, WENIGER Meldungen, Schlagzeilen, Hiobsbotschaften oder Artikel unter die Nase gerieben zu bekommen. Doch wenn Sie sich die Inhalte genau anschauen, dann werden Sie den Betrug erkennen. Seit einigen Wochen werden immer wieder die gleichen Säue durch’s Dorf getrieben, immer wieder die gleichen Themen strapaziert. Ich gebe Ihnen heute eine kurze Übersicht und entlasse Sie sodann hoffentlich frühzeitig ins wohlverdiente Sommerwochenende. Denn ich habe keine Lust, Sie mit alten Neuigkeiten aufzuhalten. Witzig ist dabei, dass die Artikel der Journalisten stets gleich lauten, die Schlussfolgerung der Börse jedoch unterschiedlich ist – je nach DAX-Stand. Bei einem DAX von 5.800 Punkten werden Hiobsbotschaften besonnen aufgenommen. Beim DAX von 6.200 hingegen folgt ein Ausverkauf.

Hier ein paar Beispiele: Die Medien schreiben: Chinas Immobilienmarkt wird implodieren. China hat auf die Bremse getreten, ist zu einer restriktiven Geldpolitik übergegangen (wir kennen das Thema schon seit März 2010) und uhh, ohh, die Konjunktur Chinas könnte dadurch im Jahr 2010 nicht um 11% sondern nur um 7 oder 8% wachsen. Das würde die Weltwirtschaft umgehend in eine zweite Rezession werfen. Mein Kommentar: Quatsch! Das kommunistische China hat seine Wirtschaft besser im Griff als die freien Marktwirtschaften der sogenannten Industrienationen. Der Immobilienmarkt ist kräftig rückläufig, wir haben dies an HeibelbergCement leider erfahren, doch das Wirtschaftswachstum Chinas ist mit über 8% weiterhin robust und macht keine Anstalten, weiter zurückzugehen. Die Medien schreiben: Die US-Konjunkturprogramme werden verzögert oder teilweise gestrichen. Das könnte dazu führen, dass die USA in eine zweite Rezession abgleitet. Die schlechten Arbeitsmarktdaten der vergangenen Wochen unterstützen diese Theorie. Mein Kommentar: Ja, in der Tat ist Obama wider Erwarten skrupellos beim Umsetzen seiner ideologisch sinnvollen Ideen und er nimmt weit weniger Rücksicht auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte, als auch ich es immer wieder zu hoffen wage. Die Erholung des Bankensektors lässt weiter auf sich warten. Die Gesundheitsreform führt zu einer neuen Belastung für US- Unternehmen. In dieser Unsicherheit stellen Unternehmen nicht ein, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch und so zieht sich auch die Erholung des Immobilienmarktes in die Länge. Deswegen notiert der Dow Jones auch nur bei 10.300 Punkten und nicht über 11.000! Einen Rückfall in eine Rezession fürchte ich noch immer nicht, immerhin hat Ben Bernanke überraschend die weit geöffneten Geldschleusen nicht ein wenig zurückgedreht, sondern lässt sie weit offen. Die US-Notenbank nutzt die zurückgezahlten Ausleihungen für Immobilienderivate nicht, um die eigene Bilanzsumme wieder sukzessive zu verkleinern, sondern steckt diese Gelder direkt in US-Staatsanleihen. Obama fährt leider nachhaltig mit Höchstgeschwindigkeit ein Rekorddefizit nach dem anderen ein. Seinen Idealismus erkauft er sich durch Inflationsrisiken für die Zukunft. In dieser Konstellation ist kein Börsencrash zu fürchten, sondern irgendwann in der Zukunft Inflation. Deswegen steigt der Euro auch wieder, deswegen steigt der Goldpreis auch wieder und deswegen sollten auch die Aktienkurse wieder steigen. Die Medien schreiben: Europas Erholung ist doch nicht so stark wie erhofft. Dadurch ist Europa doch wieder instabil, die Zukunft des Euros ist ungewiss und ohne Europa als potenten Teilnehmer am Welthandel kann es keine nachhaltige Konjunkturerholung geben. Die Welt steuert auf eine weitere Weltwirtschaftskrise zu. Mein Kommentar: Nun, Griechenland, Spanien und Portugal haben tatsächlich Probleme. Auch Großbritannien hat nicht viel vorzuzeigen, worauf es stolz sein könnte. Immerhin scheint der größte Steuerzahler, BP, zumindest zu überleben. Aber Deutschland als führende Wirtschaftsnation Europas zieht kräftig an und im Kielwasser fahren eine ganze Reihe weiterer EU-Staaten dicke Handelsbilanzüberschüsse ein. Die Medien schreiben: Der Markt der Smartphones wird in einen heftigen Wettbewerb münden. Das Internet hat die Grenzen des Wachstums erreicht und Technologieunternehmen können keine dicken Gewinnmargen sichern. Mein Kommentar: Auch das ist natürlich Quatsch. Dort, wo es dicke Gewinnmargen gibt, wird es einen heftigen Wettbewerb geben. Der Markt der Smartphones ist lukrativ und deswegen wimmelt es dort zunehmend von Wettbewerbern. Doch das führt zu einer Explosion der Datenübertragung über das Mobilfunknetz, was wiederum Investitionen in die Infrastruktur erfordert. Cisco, Akamai, F-5 und Ericsson stehen parat, um diesen Bedarf zu befriedigen. Wenn Sie sich natürlich nur den Markt der PCs anschauen, die dicken, schweren Dinger, die so flexibel sind, dass sie nicht mehr beherschbar sind, dann können Sie zu Recht Zweifel am Wachstum der Technologiebranche haben. Doch nicht bei Smartphones, bei Netbooks, bei verteilten Rechenzentren mit intelligenter Software für die Synchronisation der Datenbestände, bei Videostreaming über Mobilfunknetze, etc. Dort müssen Sie schauen und dort findet Wachstum statt. Denn dort wachsen die Erwartungen auch wieder in den Himmel. So hat Cisco diese Woche ein sehr gutes Quartalsergebnis vermeldet, aber die Erwartungen waren schon wieder so weit nach oben geschossen, dass John Chambers diese kühnsten Hoffnungen nicht erfüllen konnte. Die Aktie brach nach dem Quartalsergebnis ein, Medien schreiben von einem enttäuschenden Quartalsergebnis und Anleger folgern, dass der Technologiesektor tot ist. Mickey Mouse Konzern Walt Disney hat ein super Quartalsergebnis abgeliefert. Der Gewinn ist um 36% gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Über eine Milliarde US-Dollar hat der Konzern verdient, insbesondere die Kino-Sparte hat ordentlich zugelegt. Doch was lesen Sie in den Medien? Die Walt Disney Freizeitparks (Disneyworld etc.) haben 45 Mio. USD weniger Gewinn gemacht als vor einem Jahr. Ein im Verhältnis zum Gesamtgewinn kleiner Bereich, der nicht optimal lief, wird ganz nach oben gestellt Warum? Weil die Kurse am Tag nach dem Disney-Ergebnis nun einmal gefallen sind, und da schaut man eben nach den möglichen Gründen. Also: Es schein, dass die intelligenten Köpfe in diesen Wochen Urlaub machen. Was geschrieben wird, sollten Sie nicht allzu Ernst nehmen. In diesem Sinne höre ich nun lieber auf...

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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