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Veröffentlicht von Redaktion am 30.04.2011

Zuspitzung

Zuspitzung

Und wieder kreisen alle Gedanken um Griechenland! Einst Wiege der Demokratie, heute über den Umweg Brüssel Katalysator ihrer Abschaffung. Trotz aller Beteuerungen der griechischen Regierung scheint ein Schuldenschnitt unmittelbar be- vorzustehen. Er ist längst in den Kursen der Anleihen zumindest teilweise eingepreist.

 

Zur Veranschaulichung: eine Anleihe mit einem Jahr Restlaufzeit: WKN: A0T6US, Laufzeit bis 20.03.2012, Kurs aktuell ca. 85,30%, Rendite über 25,0%. 10jährige Anleihen rentieren jetzt mit ca. 16% und haben damit die Abverkaufskurse vom Mai letzten Jahres längst überboten. Auch die Anleihen der anderen „PIIGS“ sind wieder im Sinkflug. Wer sagt, er müsse die Banken und sonstigen Anleger vor Verlusten schützen und daher käme ein Schuldenschnitt nicht in Frage, der täuscht die Öffentlichkeit. Die Verluste sind ja längst da und spiegeln sich in den gesunkenen Kurswerten wider, sie wurden nur noch nicht in den Bilanzen der Banken ausgewiesen und realisiert bzw. abgeschrieben... Wer diese Anleihen in Hoffnung auf einen großen Reibach kaufte oder trotz Verschärfung der Lage behielt, denn der Steuerzahler wird ja einspringen, der darf dafür nicht belohnt werden. Warum gilt bei den Anleihen nicht, was bei jeder anderen Investition gilt, für die man als Käufer selber ver

antwortlich ist? Weil die Banken, die der Staat jetzt „retten“ muss, wiederum den Staat finanzieren! Es ist eine unheilvolle, wahnwitzige Symbiose und eine Einladung für „Moral Hazard“. Dennoch können die Marktkräfte nicht dauerhaft außer Kraft gesetzt werden. Wenn jemand überschuldet ist, dann gesundet er nicht, in dem ich ihm noch mehr Kredit gebe und seine Zinsverpflichtungen weiter in die Höhe treibe. Das ist völlig unlogisch und deshalb muss es einen anderen Grund für die „Rettung“ der Südschiene geben, Zeitgewinn, Umverteilung, Verarmung!

Verkündete man heute einen Schuldenschnitt, z.B. um 50%, dann verminderten sich die Verbindlichkeiten der Griechen von 340 Mrd. € auf 170 Mrd. €, die Anleger müssten entsprechend 170 Mrd. € abschreiben und die Griechen hätten einige Jahre Zeit, das alte Schuldenniveau wieder neu aufzubauen. Falls ihnen noch jemand Kredit gibt. Und genau das ist nach einem Schuldenschnitt zweifelhaft. Es bliebe als Käufer der Junk-Bonds nur die EZB übrig.

Das Problem des Club-Med ist natürlich die ungleiche Wettbewerbsfähigkeit, der Euro bringt das deutlich zutage. Die angebliche Lösung lautet: Sie müssen ihre Wirtschaft aufbauen, mehr und fleißiger arbeiten! Mohamed El-Erian von Pimco schrieb neu

lich im Handelsblatt, dass Sparmaßnahmen von weiteren Strukturreformen ergänzt werden müssen, Friedrich März sagt das gleiche. Aber wie wahrscheinlich ist es, die Griechen zur ehrlichen Steuerzahlung zu überreden, die Schattenwirtschaft zu bekämpfen, die Renten zu senken, Gehälter auf breiter Front zu kürzen etc.? Das gibt Aufstand, ganz zu schweigen davon, dass „Europa“ nicht das Recht hat, sich in die Angelegenheit der Griechen, Iren, Portugiesen etc. einzumischen und ihre Lebensart zu kritisieren. Das Recht glauben sie jetzt zu haben, weil sie ihnen Geld leihen. Der Widerstand dagegen wird steigen und das ganze Ansinnen zum Scheitern bringen. Vorschläge in Richtung Strukturreformen, mehr Wachstum etc. kann man nur als „naiv“ bezeichnen. Was dem Club-Med früher half, waren seine Währungsabwertungen, denn sie haben ja Industrie für Exporte und eine starke Tourismusindustrie. Genau hier liegt die einzige sinnvolle Lösung! Alles andere kauft nur Zeit. Die politischen Entscheidungsträger bleiben also lieber bei der bewährten Handlungsweise des Aussitzens und Verschlimmerns, weil sie sich nicht trauen, mit einem Schuldenschnitt „Terra incognita“ zu betreten. In der Tat wäre das eine Premiere für Westeuropa, auf eine Stufe mit Mexiko, Argentinien, Brasilien und anderen „ Bananenrepubliken“ abzusin- ken.

Also bleibt es besser beim Aussitzen und dafür haben sie ein großes Vorbild beim "großen Bruder", Alan Greenspan und seinem Nachfolger Hubschrauber-Ben. Was wir seit Jahren prognostizierten, wird Realität, nämlich die Unmöglichkeit, in überschuldeten Wirtschaften die Zinsen erhöhen zu können. Was die EZB tat, war schon grenzwertig, die FED kann die Zinsen nicht erhöhen und befeuert bei

steigender Geldmenge die Inflation und damit die Edelmetallpreise. Mit der Politik des billigen Geldes, die jede normale Marktbereinigung verhinder hat, wurde ein unheilvoller Weg beschritten. Und diese Politik spiegelt sich in sämtlichen Rohstoffpreisen und ganz besonders beim alternativen Geld – Gold und Silber – wieder. Hubschrauber-Ben und seine Kollegen in den anderen Zentralbanken haben keine andere Wahl mehr. Das Monster steht vor ihnen und

es bietet zwei Alternativen an: 1. Einbruch sofort, Vernichtung aller Schulden und Guthaben, Massenarbeitslosigkeit, Revolution etc., dann sauberer Neubeginn oder 2. Ereignisse analog 1., aber etwas später und dafür schlimmer und absolut unkalkulierbar. Wollen wir Bernanke, Trichet etc. vorwerfen, dass sie 2. wählen?

Und da wir sicher sein können, dass sie sich immer für die Verschiebung des Absturzes entscheiden werden, ist die Anlageentscheidung einfach. Gold und Silber werden weiter outperformen und die Bankanalysten werden sich weiter die Augen reiben, weil das einzige "echte Geld" so in ihren Köpfen nicht existiert. Sie bemessen den Wert von Gold und Silber an deren Industrieund Schmucknachfrage und sind blind für die wahre Bedeutung. Uns stehen noch weitere Jahre einer großartigen Hausse bei den Edelmetallen bevor. Bleiben Sie drin, aber stellen Sie sich auf steigende Volatilitäten ein. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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