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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Report" am 08.10.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 08.10.2010:

Börsenbrief Gold- & Rohstoff-Report
Gold- & Rohstoff-Report

BörseGo AG - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2002

Wie optimal Rolloptimierung ist, hängt von der Haltedauer ab

Rohstoffe sind im aktiven als auch im passiven Asset Management mittlerweile die dritte Anlageklasse und spielen im etwa seit zehn Jahren eine immer wichtiger werdende Rolle. Der Anleger kann mittlerweile mit verschiedenen Finanzprodukten einzelne oder mehrere Rohstoffe abbilden – egal ob mit Fonds, Zertifikaten, ETFs oder ETCs. Gerade Exchange Traded Products (ETPs) unter die sowohl ETFs als auch ETCs fallen, werden immer beliebter.

Beide haben eine unbegrenzte Laufzeit. Während man mit ETCs in einen einzigen Rohstoff investieren kann, der, wenn es sich um ein Edelmetall handelt, oft auch von dem Emittenten physisch hinterlegt wurde, kann man durch einen ETF an der Wertentwicklung eines Rohstoff-Indizes partizipieren. Der ETF ist anders als ein ETC ein Sondervermögen und hat damit ein minimales Ausfallrisiko. Dieses liegt in der Regel bei maximal zehn Prozent, da Rohstoff-ETFs swap-basiert sind. Die Qual der Wahl unter den verschiedenen Indizes, auf die es mittlerweile ETFs gibt, stellt die Anleger aber vor dem Kauf vor wichtige Entscheidung. Soll ich einen ETF auf einen Index mit einem hohen Energieanteil nehmen oder mit einem niedrigen? Will ich einen rolloptimierten Index als Underlying haben oder nicht? Die erste Frage ist von der Marktmeinung des Anlegers abhängig. Die zweite Frage hängt davon ab, wie lange der Anleger sein Investment halten will. Eine Rolloptimierung sei bei einem langfristigen Anlagehorizont sinnvoll, aber nicht bei einem kurzfristigen Engagement, betonten die Rohstoffexperten Kemal Bagci von der Royal Bank of Scotland und Philip Knüppel auf dem 3. ETF-Forum der Deutschen Börse. Rollen bedeutet, dass die Future-Position auf einen Rohstoff vor der Fälligkeit eines Kontrakts verkauft und in den nächstfolgenden Kontrakt investiert wird. Bei roll-optimierten Indizes wird versucht, den Future-Kontrakte anlegerfreundlich rollen zu lassen. Man will dabei positive Rolleffekte maximieren und negative minimieren. Ein negativer Rolleffekt heißt Backwardation. Backwardation bedeutet, dass der Preis eines Futures niedriger als der Kassapreis beziehungsweise als der ihm vorgelagerte Future-Kontrakt ist. Ist das Verhältnis umgekehrt, der Preis also höher als der vorherige Future- Kontrakt, nennt man diese Situation Contango. Das Rollen ist auch der Grund, dass die Performance der Finanzprodukte von den physischen Kassapreisen abweicht. Die tagesaktuellen Rohstoffpreise sind damit keine verlässliche Orientierungshilfe für Anleger, wenn sie wissen wollen, wie sich ihr Investment gerade schlägt. Wie Knüppel in seinem Vortrag erläuterte, sind für das Abweichen vom Spot-Preis die Lagerhaltungskosten, Zinsen und VerfügbarkeitspraÅNmien verantwortlich. Warum bei Rolloptimierung erst bei einer langen Laufzeit tatsächlich dem Anleger zusätzliche Gewinne verschaffen kann, liegt an folgendem Phänomen. Laut Knüppel funktioniert Rolloptimierung genau dann, wenn die Terminkurve stabil bleibt und/oder es zu einer Contango-Situation kommt. Bewegt sich die Terminkurve Richtung Backwardation, funktioniert es nicht mehr. Bei einer langen Laufzeit gleichen sich dementsprechend Backwardation-Situationen aus, bei einer kurzen Haltedauer läuft der Anleger Gefahr, genau in die Backwardation zu rollen. „Rolloptimierung ist kein Allheilmittel – bei stabiler Kurve aber eine mächtige Innovation“, betonte Knüppel. Rohstoffe weisen einige Vorteile auf, die sie als Portfoliobeimischung attraktiv machen. Sie können zum Beispiel als Inflationsschutz dienen. K. Geert Rouwenhorst, Professor für Finanzen an der Universität von Yale sagte auf einem Vortrag in Amsterdam, dass Rohstoffe eine niedrige Korrelation mit anderen Asset-Klassen und dass sie eine bessere Inflationskorrelation aufweisen als traditionelle Assetklassen wie Aktien. Es kommt bei Rohstoffen auf den Index an. ETFs auf Rohstoffindizes ohne Rolloptimierung bietet Lyxor an. Die Commerzbank hat einen eigenen Index kreiert, den CoCo-Index, der 16 Rohstoffe umfasst und monatlich rollt und auf den comstage einen ETF anbietet. Die Deutsche Bank hat mehrer selbstkreierte rolloptimierte Indizes, auf die es auch ETFs gibt, Easy-ETF und die ETFPlattform der Royal Bank of Scotland haben sich auf Rohstoff-ETFs spezialisiert und eine breite Auswahl im Programm. Auch iShares bietet einen Rohstoff-ETF an.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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