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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 28.06.2010

Westag & Getalit: Value-Schatz wartet auf Hebung

Westag & Getalit: Value-Schatz wartet auf Hebung

Zu den eher unauffälligen Titeln auf dem deutschen Kurszettel zählt die Westag & Getalit AG. Keine Bank covert die Aktie, die Threads in Internet-Foren sind nur spärlich besucht und außer den quartalsmäßigen Ad-hoc-Meldungen läuft kaum etwas über den Ticker. Trotzdem – oder gerade deshalb – verdienen die Ostwestfalen einen näheren Blick, denn hinter dem unscheinbaren Auftritt verbirgt sich ein durchweg solides und vor allem günstig bewertetes Unternehmen.

Drei Geschäftsbereiche Bei Westag & Getalit dreht sich alles um Holzwerkstoff- und Kunststofferzeugnisse für die Bauwirtschaft sowie Industrie und Handel. Das Geschäft teilt sich in drei weitgehend eigenständige Sparten auf: Fast die Hälfte des Konzernumsatzes oder gut 90 Mio. Euro in 2009 trägt der Bereich „Türen/Zargen“ bei. Hier bietet die Gesellschaft Türen und Rahmen sowohl für Wohnräume als auch für spezielle Objektanwendungen, etwa mit Feuer-, Schall- oder Diebstahlschutz. Den zweitgrößten Geschäftsbereich bildet die Einheit „Laminate/Elemente“, die mit Erzeugnissen aus Sperrholz oder HPL (High Pressure Laminate), wie Küchenarbeitsplatten und Fensterbänken, rd. 70 Mio. Euro im Jahr bzw. ein Drittel der Gruppeneinnahmen erwirtschaftet. Abgerundet wird die Produktpalette durch das Segment „Sperrholz/Schalung“. Hier erlöst die Gesellschaft rd. 30 Mio. Euro mit Betonschalungsplatten (Gussformen für Frischbeton) oder Sperrholz- und Verbundplatten für den Fahrzeug- und Waggonbau. Fertigen lässt Westag & Getalit ausschließlich in Deutschland, wo am Firmensitz Rheda-Wiedenbrück und im Zweigwerk Wadersloh gut 1.200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Auch absatzseitig liegt der Schwerpunkt auf dem Binnenmarkt, allerdings hat sich der Export, vor allem ins europäische Ausland, mittlerweile auf 20 % ausgewachsen. Profitabel durch die Krise Das Auslandsgeschäft war denn auch ein wesentlicher Grund, warum die Ostwestfalen die Wirtschafts- und Finanzkrise merklich zu spüren bekamen. Während der Inlandsumsatz mit einem Minus von 5 % auf 162,2 Mio. Euro bemerkenswert stabil gehalten wurde, brachen die Exporterlöse um 29 % auf 39,2 Mio. Euro ein. Zusammen genommen ergab sich ein Umsatzrückgang von 11 % auf 201,4 Mio. Euro. Dass dieser Rückgang nicht wie sonst üblich überproportional auf die Profite durchschlug, kann als beachtliche Managementleistung gewertet werden. Durch ein breit angelegtes Kostensenkungsprogramm, in dessen Rahmen u.a. die Materialaufwandsquote von 51 auf 47 % gesenkt und ein flexibles Arbeitszeitmodell eingeführt wurde, konnten die Erträge sogar annähernd stabil gehalten werden. So gaben sowohl EBIT als auch Nettogewinn lediglich um 2,5 bzw. 2,6 % auf 14,5 respektive 10,5 Mio. Euro nach. Der Gewinn je Aktie belief sich auf 1,84 Euro nach 1,89 Euro im Vorjahr. Makellose Bilanz Damit setzte sich auch 2009 der Trend der letzten Jahre fort, dass Westag & Getalit durch alle – teils heftigen – Zyklen der Bauwirtschaft hindurch profitabel bleibt. Lohn dieser gewinnorientierten Unternehmensführung ist eine Bilanz, die nur so vor Kraft strotzt. Die Eigenkapitalquote liegt mittlerweile bei über 70 %, die Eigenmittel decken mit 100 Mio. Euro bereits den kompletten Börsenwert ab. Bankschulden sucht man vergebens. Vielmehr konnte das Unternehmen mit der seit mehreren Jahren zweistelligen Eigenkapitalrendite nicht nur locker das eigene Wachstum finanzieren, sondern auch noch Cashreserven von fast 20 Mio. Euro sowie 265 Tsd. eigene Aktien im Wert von 4,7 Mio. Euro anhäufen. Turnaround vollzogen Und diese Kriegskasse wird weiter anwachsen, nachdem Westag & Getalit auch im ersten Quartal 2010 wieder einen ordentlichen Gewinn ausweisen konnte. Mit 1,45 Mio. Euro nach Steuern wurden 16 % mehr als im Vorjahr verdient, damit scheint der krisenbedingte Einbruch aus 2009 endgültig überwunden. Das signalisiert auch der Umsatz, der trotz „Jahrhundertwinter“ mit 50,2 Mio. Euro auf dem Vorjahresniveau gehalten werden konnte. Für das Gesamtjahr halten wir daher leicht steigende Erlöse und Gewinne von 210 Mio. Euro und 1,87 Euro je Aktie für realistisch. Keinerlei Wachstum eingepreist Schon auf Grundlage dieser eher vorsichtigen Schätzungen liegt das KGV für 2010 mit 9,4 nur im einstelligen Bereich. Vollends zu Tage tritt die Unterbewertung der Aktie in unserer Ertragswertbetrachtung. Nimmt man konstante Erträge für die Zukunft auf dem Niveau von 2010 an, so ergibt sich bei einer hohen Renditeforderung von 10 % p.a. bereits ein fairer Wert von 18,70 Euro. Die Börse preist also beim aktuellen Kurs von 17,66 Euro nicht einmal eine Gewinnstagnation ein. Rechnet man noch die freien Mittel mit rd. 4 Euro je Aktie dem fairen Wert hinzu, so liegt er mit 22,70 Euro schon um 28 % über den aktuellen Notierungen. De facto wird also derzeit eine deutliche und dauerhafte Gewinnschrumpfung eskomptiert, für die wir fundamental aber keine Hinweise sehen. Fazit Tun Sie es dem Management nach und spekulieren Sie darauf, dass sich Westag & Getalit deutlich besser als vom Markt angenommen entwickeln wird. Sofern das Unternehmen, wie vor der Finanzkrise, wieder einen Wachstumskurs einschlagen kann, sind Kurse um 30 Euro fundamental gerechtfertigt. Wir nehmen das Unternehmen daher mit der heutigen Ausgabe in unsere Empfehlungsliste auf. Dabei greifen wir zu den Vorzügen, da diese mit 1 Euro je Aktie eine üppige und leicht höhere Dividende als die Stämme bieten.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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