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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Spiegel" am 22.08.2010

Verteilungskämpfe ziehen auf

Verteilungskämpfe ziehen auf

Falls Sie mit dem Modell der Bedürfnispyramide nach Maslow vertraut sind, dann wissen Sie, dass Menschen weitergehende Bedürfnisse erfüllen (können), wenn untergeordnete dauerhaft gesichert sind. Die Basis der Pyramide wird gebildet und grundlegende Bedürfnissen wie Essen, Schlafen, Atmen sichern die Körperfunktionen. Anschließend trachtet man nach Sicherheit, einem Heim, körperlicher Unversehrtheit, woran sich soziale Bedürfnisse – Familie, Freundschaften, Bekanntheit, Gruppenbildung etc. – anschließen.

Die vorletzte Stufe stellen individuelle Bedürfnisse dar, Anerkennung, Lob, Wertschätzung. Die Spitze der Pyramide nennt sich „Selbstverwirklichung“. Maslows Theorie besagt jetzt, dass der Mensch bei Nichterfüllung eines Segments der Pyramide auf das darunterliegende oder noch tiefer gelegene abstürzt. Übersetzt bedeutet das, dass Ihnen Selbstverwirklichung völlig egal ist, wenn Sie nichts mehr zu essen haben. Damit wird auch klar, dass sich die Masse der Menschheit im unteren Bereich der Pyramide bewegt, aber nach oben strebt, die Mehrheit der Menschen im Westen weit oben ist und langsam nach unten abdriftet. Gruppenzugehörigkeit ist völlig egal, wenn man täglich um seine Nahrung kämpfen muss oder wie es Hobbes sagte: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“. Von daher ist es für ein dauerhaftes friedliches Zusammenleben extrem wichtig, die Grundbedürfnisse zu decken und die Möglichkeit des Aufstiegs einzuräumen. Und genau das ist immer weniger der Fall. Die Preisanstiege von Getreide und Kaffee wurden hier schon besprochen, auch Baumwolle stieg gerade jetzt auf ein Mehrjahreshoch. Jeder Nationalstaat hat primär aber genau den Zweck, die Versorgung seiner Bürger und deren Sicherheit zu gewährleisten. Also kauft China beispielsweise weltweit riesige Agrarflächen auf, um seinen eigenen Schwund an Ackerland (durch Überschwemmung, Verschmutzung, Versteppung, Zersiedelung) auszugleichen. China erwarb bisher auf den Philippinen 1,24 Mio. ha, in Laos 0,7 Mio. ha, in Russland 80.400 ha, in Australien 43.000 ha und weitere kleinere Flächen in Kamerun, Kuba, Uganda, Mexiko (Quelle: Handelsblatt vom 18. August 2010). Hinzu kommen große Käufe durch Golfstaaten, Hedgefonds und Banken (z.B. Goldman Sachs). Unvergessen auch der Versuch von Daewoo aus Südkorea, sich die halbe bebaubare Fläche Madagaskars unter den Nagel zu reißen. Ebenso existenziell ist Wasser und auch hier nimmt die Brisanz weltweit zu, Stichworte Westjordanland, Kalifornien, Australien, Nordafrika etc. Das weltweite Bevölkerungswachstum führt also dazu, dass der volkswirtschaftliche Anteil an Ressourcen, die aufgebracht werden müssen, um die elementaren Bedürfnisse zu decken, permanent steigt. Und dabei wird immer rabiater vorgegangen. Wenn Indien neuerdings große Flächen in Äthiopien bewirtschaftet, wird das der lokalen Bevölkerung kaum etwas nutzen, abgesehen von wenigen Arbeitsplätzen. Zu den „Ressourcen“, die zum Einsatz kommen, um die Grundbedürfnisse zu decken, zählen natürlich auch Energie, effizienzsteigernde Mittel und Geld. In immer größerem Maße ist eine effiziente Landwirtschaft technisiert und damit von Ölprodukten und Bodenverbesserern wie Dünger abhängig. Gerade diese Woche greift BHP nach Potash Corp. Das wird nicht der letzte Versuch dieser Art bleiben. Auf funktionierenden Märkten kann jeder Defizite durch Käufe ausgleichen, wenn er gutes Geld besitzt. Als gutes Geld kristallisiert sich immer mehr Gold heraus, weswegen die Staaten immer intensiver daran arbeiten, die Kontrolle darüber zu erhöhen. China steigert permanent seine Goldproduktion und liberalisiert gerade den Goldhandel, was zu massiv ansteigenden Importen führen wird. Damit ist völlig logisch, auf welchen Gebieten sich die Verteilungskämpfe intensivieren werden. Die Situation spitzt sich weltweit zu. Laut Maslow rangieren die basisnahen Bedürfnisse vor denen an der Spitze. Um die Basis zu sichern, werden immer mehr Bedürfnisse an der Spitze zum Opfer fallen. Aus diesem Grund stellt die aktuelle Wirtschaftskrise auch eine große Gefahr für die Freiheit der Menschen dar und die Politik wird ihnen die Sicherung ihrer Grundbedürfnisse als Begründung für ihren Freiheitsverlust verkaufen. Und wer ganz unten ist und nichts mehr zu verlieren hat, der wird radikal.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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