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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 17.02.2011

Vermögen im Ausland

Vermögen im Ausland

„Das in Kanada angelegte Vermögen habe ich einfach aus den Augen verloren“, soll der österreichische Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser im Rahmen einer (möglicherweise verspäteten) Selbstanzeige zu „vergessenem“ Vermögen in Kanada zum Besten gegeben haben. Solche Erklärungsversuche sind weder originell noch hilfreich. Wer auch immer Vermögen im Ausland, ob nun in Österreich, der Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg „aus den Augen“ verloren haben sollte, ist gut beraten, rechtzeitig eine wirksame Selbstanzeige zu machen, und zwar ohne jede weitere Kommentierung. „Aus den Augen verloren“, mit solchen Einwendungen erntet man bei der Steuerfahndung und/oder dem Strafrichter nur ein müdes Lächeln. Aber vielleicht tun sich (Ex-) Finanzminister ja schwerer, alle relevanten Daten für die eigene Steuererklärung im Auge zu behalten!

OECD rügt Schweiz: Angeblich werden die jüngst vereinbarten OECD-Regeln durch die Schweiz zu restriktiv gedeutet. Jedenfalls ist die Schweiz bislang davon ausgegangen, auch nach den neuen OECD-Standards im Rahmen der grossen Auskunftsklausel nur dann Amtshilfe gewähren zu müssen, wenn der nachfragende Staat Name, Adresse der verdächtigen Person und den Namen der Bank nennt, bei welcher diese Person das Geld deponiert haben soll. Eine solche Namensnennung sei nicht notwendig - sagt nunmehr die OECD. Notfalls müssten insoweit auch IBAN-Nummern etc. reichen. Die Schweiz gibt sich unterwürfig. Selbstverständlich werde man dann eben auch ohne eine eindeutige Identifizierung des Kontoinhabers Amtshilfe leisten - um nicht wieder Gefahr zu laufen, erneut auf einer schwarzen Liste zu landen. Die bürgerlichen Parteien geisseln diese Unterwürfigkeit als „Nacht-und-Nebel-Aktion“ (FDP), die SVP spricht von einer „Salamitaktik zur Schwächung des Finanzplatzes Schweiz“. Und so weiter und so fort: Gesetzesänderungen, nochmals verschärfte Gesetzesänderungen, im Gefolge nochmals verschärfte extensive Auslegung etc. - all das sind die Bausteine zum von uns ohnehin seit Jahren prognostizierten automatischen Informationsaustausch. Schweizerische Zinssteuer: Wie das in der Schweiz demnächst mit der neuen Abgeltungsteuer für EU-Bürger laufen soll (individuelle Abgeltungsteuersysteme?), weiss noch keiner. Was bei all dem Verhandlungswirrwarr um die neuen DBA allerdings fast in Vergessenheit geraten ist: Nach dem EU-Zinsbesteuerungsabkommen aus dem Jahre 2005 erhebt die Schweiz bekanntlich eine einheitliche Abgeltungsteuer auf Zinserträge von EU-Bürgern. Aktuell sind das noch 20 %. Ab dem 01.07.2011 steigt der anwendbare Satz von 20 % auf 35 %. Sie haben völlig richtig gelesen: Ein deutscher Anleger zahlt auf Zinserträge bald weniger Steuern, wenn er sein Geld in Deutschland hält statt in der Schweiz. Rätselhafter Baltic Dry Index: Der Baltic Dry Index zeichnet die Frachtraten für Standardrouten für das Verschiffen von Trockengütern nach. Der Index gilt als ein sog. Frühindikator, weil er am stärksten und direktesten mit der Nachfrage nach Rohstoffen im Zusammenhang steht und daher bereits sehr früh auf die Lage der Weltwirtschaft hinweist - sagt man. Hiernach stehen der Weltwirtschaft schwere Zeiten bevor: Seit Mai 2010 (kurzfristiges Zwischenhoch bei 4’200) ist der Baltic Dry Index kontinuierlich in die Tiefe gerauscht, auf zuletzt nur noch knapp 1’000 im Januar 2011. Wenn der Baltic Dry Index ein verlässlicher Frühindikator ist, steht hiernach die Weltwirtschaft vor der schwersten Rezession aller Zeiten. Aber vielleicht ist der Baltic Dry Index eher ein verlässlicher Kontra-Indikator: Im Mai 2008 - also unmittelbar vor einer der schärfsten Rezessionen in der Weltwirtschaft - notierte der Baltic Dry Index auf nie dagewesenen Höchstständen bei ca. 12’000. Kurz darauf stürzten Aktien, Rohstoffe und Anleihen weltweit im Gleichschritt ins Bodenlose - nicht gerade ein Szenario, wie der Baltic Dry Index als angeblicher Frühindikator für die Weltwirtschaft dieses hätte vermuten lassen. Aber wahrscheinlich ist der Baltic Dry Index weder das eine noch das andere: Hierzu sollte man sich klar machen, dass der Baltic Dry Index nichts über das Volumen der verschifften Güter und die damit zusammenhängende weltweite Nachfrage aussagt. Eine Aussage wird lediglich über die Preise von „Frachtraten“ getroffen, und das wieder ist eine Sache von Angebot und Nachfrage. Und die Frachtraten sinken seit geraumer Zeit schlicht und einfach deswegen, weil durch den Bau vieler neuer Schiffe in den letzten Jahren die Frachtkapazitäten extrem ausgeweitet wurden. Aus allem gilt zu lernen: Zahlen, Statistiken sind letztlich nur Schall und Rauch, sofern sie nicht präzise hinterfragt werden. Und genau das ist ein Grund mehr, warum die von grossen Teilen der Finanzindustrie hoch gelobten Managed-Future- Modelle mit ihren automatischen Programmierungen auf Dauer scheitern. Wir wissen nicht alles, aber eins wissen wir bestimmt: Es gibt kein „Reichmacher-System“, das in jeder Marktlage funktioniert. Nicht auszudenken, wie viele Fehlsignale der angebliche Frühindikator Baltic Dry Index bei diesen Modellen bereits geliefert hat. jur. Muc 2011©

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