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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 15.03.2010

SAF Holland: Kein „Business as usual“ in Sicht

SAF Holland: Kein „Business as usual“ in Sicht

Zuletzt Ende Mai vergangenen Jahres wiesen wir im Rahmen eines Updates auf unseren ehemaligen Langfristdepottitel hin. Die spekulative Empfehlung brachte eine weitere Kursverdopplung binnen zwei Monaten (!), bevor die Aktien seit Dezember einen geordneten Rückzug angetreten zu haben scheinen. Hat der Lkw-Zulieferer etwa die Ankupplung verloren?

Platter Reifen und mehr Das Tief des von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelten Spezialisten für Anhängerachsen-Systeme, Federungen, Sattelkupplungen, Königszapfen, Luftfederfahrwerksysteme, Stützwinden und Achsschenkelbolzen wurde erreicht im Ausverkauf Ende Februar 2009, als der Kurs zeitweise nur noch bei 0,30 Euro lag, korrespondierend zu einer Marktkapitalisierung von ganzen 6,2 Mio. Euro. Mittlerweile notiert das mit Firmensitz in Luxemburg ansässige Unternehmen wieder bei über 2 Euro, nach zwischenzeitlich jedoch fast 4 Euro im Sommer 2009. Vorstandswechsel und Restrukturierung prägten zuletzt die Nachrichtenlage. Marktführer für Lkw-Equipment Der Hersteller und Anbieter von Systemen und Komponenten für die Auflieger- und Anhänger-, Lkw-, Bus- und Campingfahrzeugindustrie ging hervor aus der Otto Sauer Achsenfabrik (SAF) und der US-amerikanischen Holland Group, mit der SAF Ende 2007 fusionierte. SAF produziert in 20 Fabriken rund um die Welt und exportiert in sechs Kontinente an Original Equipment Manufacturers oder Original Equipment Suppliers. Bei Achsensysteme und Scheibenbremsen beträgt der Marktanteil in Europa nach eigenen Angaben rund 40 %. Sanierung light Die Restrukturierung war kurz und schmerzvoll. Neben einem Stellenabbau nutzte SAF auch Möglichkeiten zur Kurzarbeit, um die enormern Überkapazitäten abzubauen. Aber von einem Rekordjahresumsatz 2007/08 lässt es sich nicht so schnell auf halbe Kraft reduzieren – obwohl SAF vergleichsweise schnell reagierte. Problem: hoher Leverage Die Nichteinhaltung laufender Kreditklauseln berechtigte die Kreditgeber dazu, die Forderungen fällig zu stellen. Doch zeigten die Banken offenbar noch guten Willen, wohl ahnend, dass ihre Ausfälle bei einer Insolvenz deutlich höher wären. Im Winter hatte eine außerordentliche Hauptversammlung der finalen Finanzierungsvereinbarung mit den Kredit gebenden Banken zugestimmt: Die Finanzierung von SAF über eine Höhe von mehr als 300 Mio. Euro sei demnach bis 2014 gesichert. Die Nachfolge von Dr. Reiner Beutel, der SAF während der Restrukturierungsphase geleitet hatte, übernahm wieder Rudi Ludwig – er war bereits von 2003 an für sechs Jahre lang Vorstandsvorsitzender. In den Händen der Kreditgeber Im Gegenzug allerdings wurde den Banken eine leichtere Sicherheitenverwertung eingeräumt, sollte SAF nicht den Turnaround aus der angespannten Marktlage schaffen. Das Problem ist aufgeschoben, nicht aber aufgehoben. Vor einem Jahr zu dieser Zeit stand SAF praktisch vor der Abwicklung aufgrund seines zu hohen Fremdkapitalanteils – heute ist der Zeithorizont lediglich gestreckt. Ein „Business as usual“ ist derzeit nicht in Sicht, die Krise hinterlässt Narben, die keinesfalls heute oder morgen verschwunden sein können. Die Bilanz ist allemal wacklig. Fazit Es ist derzeit noch völlig offen, ob und wie nachhaltig der Turnaround von SAF ausfallen wird. Dass Tilgungen der Kredite bis 2012 aufgeschoben und die Finanzierung bis 2014 als gesichert deklariert wurde, bedeutet zunächst einmal nicht viel. Es war lediglich eine Rettung aus größter Not. Nur eine Rückkehr zu halbwegs normalen Marktgegebenheiten kann SAF dauerhaft helfen. Von Rekordumsätzen wie im vorletzten Geschäftsjahr ist die Gesellschaft Lichtjahre entfernt. Der Kurs dürfte weiterhin unter Druck stehen, da die Erholung zu heftig ausfiel. Erst die nächsten und übernächsten Quartalszahlen werden belegen können, ob SAF zurück in der Spur ist.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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