Rinderzüchter trauen ihren Augen nicht

Veröffentlicht von BörseGo AG am 27.01.2011
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Gold- & Rohstoff-Report

Rindfleisch ist so teuer wie nie zuvor. Die Terminmärkte geben Hinweise darauf, dass die Preissteigerungen noch weiter anhalten können. Die Rinderzüchter in den USA reiben sich die Augen. Was haben sie in den vergangenen Jahren nicht alles mitgemacht: Erst BSE, dann steigende Futtermittel, und eine schier nicht mehr zu befriedigende Exportnachfrage. „Da ist es verständlich, dass viele Züchter den neuen Preisen nicht trauen“, kommentiert Derell Peel von der Oklahoma State University die Situation.


Dabei könnte man meinen, dass hohe Preise eigentlich gut für die Züchter sind. Seit dem Jahr 2006 scheint dies aber nicht mehr zu gelten. Nicht außer Acht lassen darf man, dass neben steigenden Rindfleischpreisen auch die Futtermittel kräftig gestiegen sind, sodass die Gewinnmargen seit dem Jahr 2006 auf einem kümmerlichen Niveau verharren. Der Grundstein für die miserable Lage wurde schon Anfang des vergangenen Jahrzehnts gelegt. Die Rinderseuche BSE im Jahr 2003 zwang die Züchter dazu, ihre Herden durch Notschlachtungen drastisch zu reduzieren. Der Zwang, diese Angebotslücke zu schließen, wurde durch die Aufzucht neuer Jungtiere beantwortet. Das brachte in den Jahren 2004 und 2005 hohe Gewinne, bis sich die Welt für die Züchter wieder von Grund auf veränderte, als im Jahr 2006 die Getreidepreise nach oben sprangen. Das verteuerte auch Futtermittel wie Mais dermaßen, dass die Gewinnmargen wieder in sich zusammenfielen. Die Züchter waren zu einschneidenden Veränderungen gezwungen, die bis heute nachwirken. Der Verlust der Profitabilität durch hohe und volatile Inputpreise, zu denen neben Futtermitteln auch Wasser, Energie und medizinische Produkte zählen, führte zu einer immer weiter gehenden Reduzierung der Herdengröße, was schließlich zu der stark dezimierten Zahl an Mast- und Lebendrindern am heutigen Tag führte. Die Rindfleischpreise müssen kräftig steigen, sodass die Produzenten wieder in die Gewinnzone kommen. In den 70er Jahren kostete in den USA eine Gallone Diesel noch 13 Cents. Heute kostet die gleiche Menge 2,80 Dollar. Die Preise für Rindfleisch haben sich in dieser Zeit nur marginal verändert. Jetzt scheinen sich die Preise an die neue Realität anzupassen. Denn es deutet vieles darauf hin, dass sich das Angebot in diesem Jahr weiter verringern wird, was an den Warenterminbörsen bereits vorweggenommen wird. Einkäufer von Futtermitteln auf Maisbasis müssen mit Einkäufern von Brennereien konkurrieren, die das stärkehaltige Getreide zur Ethanolherstellung brauchen. Teure Futtermittel und geringe Herdengrößen führen dazu, dass die Tiere – Kälber und Rinder – geschlachtet werden müssen, noch bevor sie ganz ausgewachsen sind, was wiederum nicht dazu beiträgt, dass das Angebot wächst. Unterdessen bleibt die Exportnachfrage unaufhaltsam hoch, während die Binnennachfrage Anzeichen einer Belebung zeigt. „Die Schlüsselfrage lautet: Wie hoch können die Preise steigen, bevor die Nachfrage zurückgeht?“, weiß Peel. „Normalerweise schießt der Markt kurzzeitig nach oben und kommt dann etwas zurück, und zeigt uns, wo der echte Hochpunkt liegt. Es scheint nicht, als wäre die Zeit dafür schon reif, und wenn ja, dann werden wir für längere Zeit auf dem jetzigen Preisniveau verharren. Die heutige Situation wurde in zehn Jahren aufgebaut und wird nicht so schnell vorübergehen.“

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