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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 04.01.2010

Recht vertraulich: „Strategische Überlegungen zum Jahreswechsel (II)“

Recht vertraulich: „Strategische Überlegungen zum Jahreswechsel (II)“

Flexibel bleiben! Das war unser Schlusswort der Jahresendausgabe. Und diese Devise gilt erst recht für unsere nachfolgenden Überlegungen. Mehr als je zuvor gilt für die nächsten Jahre die weise Erkenntnis des altgriechischen Philosophen Heraklit: „panta rhei: alles fliesst, nichts besteht, noch bleibt es je dasselbe“.

Steuersätze: Anschauungsunterricht für die heraklitschen Erkenntnisse liefert soeben das heutige Griechenland. Geradezu vorbildlich kannte Griechenland erinnerlich als einziger EU-Staat bislang keine Besteuerung von Kapitalgewinnen. Doch nun fordern Haushaltsdefizit und massiv gestiegene Verschuldung ihren Tribut. Per Juli dieses Jahres wird eine Kapitalgewinnsteuer von 10 % eingeführt. Noch versucht man in Deutschland, mit dem „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ (wer weiss, welcher Bürokrat diesen Namen erfunden hat?) steuerliche Entlastungen unters Volk zu bringen. Und wenn das alles nicht richtig funktioniert, dann gibt es demnächst eben das „Steuereinnahmenbeschleunigungsgesetz“. Ein kurzer Knopfdruck, und die Abgeltungssteuer beträgt dann eben z. B. 30 %. Und, allen anders lautenden Beteuerungen zum Trotz, die Wiedereinführung einer Vermögensteuer (wenn die Banker mit ihren „Boni“ so weiter machen, wird man irgendwie das Volk beruhigen müssen) wird auch kein Tabuthema sein.

Besteuerung von Gold: Durchaus erstaunlich ist, dass Gold-Investments steuerliche Privilegien geniessen. So ist sogenanntes Anlagegold in allen EULändern nach der EU-Richtlinie 2006/112/EG mehrwertsteuerfrei. Auch bleiben für deutsche Steuerbürger Gewinne aus effektivem Goldbesitz nach einem Jahr steuerfrei, werden also von der Abgeltungsteuer nicht erfasst. Erstaunlich deswegen, weil ja grundsätzlich kein Staat der Welt Interesse daran haben kann, die „Währung“ Gold in Bezug auf die eigene Papier-Währung zu privilegieren. Um es kurz zu machen: Aus vertraulichen Quellen wissen wir, dass die steuerlichen Privilegien für Gold vermutlich noch in diesem Jahr fallen werden. Wir bleiben ohnehin bei unserer These: Gold (ca. 10 - 15 % des Vermögens) ist eine sinnvolle Krisenabsicherung; man sollte es ausschliesslich physisch besitzen, und möglichst nicht in Griffweite des heimischen Fiskus!

Bankgeheimnisse im Stresstest: Man sollte sich da nichts vormachen. Das zurückliegende Jahr war in Sachen Bankgeheimnis ein Quantensprung in George Orwells Vision vom totalen Überwachungsstaat. Was stört mich das Geschwätz von gestern: So, als wäre nichts gewesen, akzeptieren Länder wie Luxemburg, Belgien, Österreich sowie Hongkong und Singapur, aber auch Schweiz und Liechtenstein nunmehr zumindest vom Grundsatz steuerliche Amtshilfe nach OECD-Standard. Insoweit wird es - und zwar überall! - KEIN ZURÜCK mehr geben. Es wird in Zukunft ausschliesslich darum gehen, ob Nicht-EU-Länder wie z. B. Schweiz und Liechtenstein zumindest die letzte Bastion (kein automatischer Auskunftsverkehr) verteidigen können. Mit Interesse wird zu beobachten sein, ob Länder wie z. B. die Schweiz mit einem „Plan B“ („Gysi-Modell“/siehe Geldbrief 18/2009) einen Hauch von Diskretion und Privatsphäre behaupten können.

Managed Futures: Vor den völlig unüberschaubaren Risiken von Hedge- Fonds oder neuerdings bevorzugt „Managed Futures“ genannten Anlageprodukten warnen wir seit Jahren - ohne wenn und aber. Zuletzt in aller Deutlichkeit im Geldbrief 12/2009. Damals war uns der Fall des mutmasslichen deutschen Anlagebetrügers Helmut Kiener noch nicht bekannt. Dieser soll über 500 Millionen Euro in den Sand (oder auf welche privaten Pfründe auch immer) gesetzt haben, nachdem er über mehrere Jahre über 8’000 Kunden mit angeblich todsicheren

Superrenditen (unsere ganz einfache Faustregel lautet: sobald das Wort „super“ auftaucht, Finger weg!) geködert hatte. Geworben wurde und wird mit spektakulären Ergebnissen - aber eben nur auf dem Papier! Noch Ende 2006 konnte Kieners Vertriebskoordinator in einer ganzseitigen Anzeige für den Hedge-Fonds „K1Fund Allocation System“ stolz verkünden, dass aus angelegten 10’000 Euro (Anfang 1996) nach der K1- Strategie im November 2006 stolze 108’274 Euro geworden wären. „Bewiesen“ wird das dann ausschliesslich mit Zauberkurven und Charts, wofür man schliesslich nur ein Stück Papier und einen Drucker braucht. Das Fatale ist: In der Werbung für Hedge-Fonds und Managed Futures wimmelt es noch immer (oder immer mehr) an solchen Zauberkurven für eine angeblich in der Vergangenheit erzielte Performance.

Ob und wie diese behauptete Performance in der Vergangenheit erzielt worden sein soll, bleibt völlig offen und unbewiesen. Vereinfacht gesagt findet mit solchen „Zauberkurven“ für angeblich in der Vergangenheit kontinuierlich erzielte Gewinne nach wie vor schlicht und einfach eine riesengrosse „Verarschung“ (sorry, aber das muss einmal so gesagt werden) von Kapitalanlegern statt. Also Vorsicht vor Hedge- Fonds und Managed Futures - und zwar ohne Ausnahme.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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