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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 16.12.2009

Recht vertraulich: Strategische Überlegungen zum Jahreswechsel

Recht vertraulich: Strategische Überlegungen zum Jahreswechsel

Es geht darum, dass Sie richtig positioniert sind - für die grossen Dinge. Oder anders ausgedrückt: Alles richtig machen kann man ohnehin nicht. Es geht darum, dass man keine entscheidenden Fehler macht - oder möglichst wenige. Und dazu wollen wir an dieser Stelle beitragen.

Gruselkabinett „Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz“: Nach diesem Gesetz sei es nun so, dass für Besteuerungszeiträume ab dem 01.01.2010 vom Steuerpflichtigen die Versicherung der Richtigkeit der im Besteuerungsverfahren gemachten Angaben an Eides statt verlangt werden kann. Ganz so schlimm ist es allerdings nicht: Dieses gilt nur für „Steueroasen“, die auf der „schwarzen Liste“ stehen. Und aktuell wird kein Land (mehr) von der OECD als unkooperativ im Sinne der schwarzen Liste eingestuft. Aber klar: Diese Folterinstrumentarien können jederzeit aktiviert und/oder erweitert werden.

Grosse Auskunftsklauseln auch mit Schweiz und Liechtenstein: Grundsätzlich gelten die großen OECD-Auskunftsklauseln demnächst auch für den Auskunftsverkehr mit der Schweiz und Liechtenstein. Allerdings: Der schweizerische Bundesrat hat alle Doppelbesteuerungs-Abkommen referendumsfähig gemacht. Letztlich soll also das Schweizer Stimmvolk das letzte Wort haben, ob die Amtshilfe auch auf einfache Steuerhinterziehung gemäss OECD-Standards erweitert wird. Wir werden Sie auf dem laufenden halten. Wer glaubt, auf Zeit spielen zu können, vergisst die Länge der Verjährungsfristen.

„Das neue Testament“: Damit sollte sich jeder beschäftigen, wobei die Rede von den erbrechtlichen letztwilligen Verfügungen ist: Umfragen zufolge sollen fast 90 Prozent aller Testamente unwirksam oder unbrauchbar (Fehler oder Widersprüche) sein. In knapp 30 Prozent sollen unklare Testamente zu Streitigkeiten in der Familie führen oder geführt haben. Knapp 50 Prozent aller Deutschen ab 60 Jahren sollen noch immer kein Testament gemacht haben. Dabei geht es um viel: 250 Mrd. Euro werden in Deutschland jährlich verschenkt/vererbt. Im übrigen gilt es, zumindest in Deutschland, alte Testamente ohnehin zu überdenken, da in Deutschland ab 01.01.2010 ein teilweise geändertes Erbrecht in Kraft tritt.

Fallstricke und Fehlerquellen gibt es vor allen Dingen dann, wenn Auslandssachverhalte (ausländische Bankkonten, Trusts und/oder Stiftungen; ausländische Ferienwohnungen; zwingendes ausländisches Erbrecht etc.) eine Rolle spielen. Ihr Geldbrief wird Sie hierüber im nächsten Jahr schwerpunktmässig informiert halten. Wir arbeiten bereits an einer umfassenden Checkliste über typische Fehler im Erbrecht - für den Hausgebrauch und zur Vorbereitung auf Ihr Gespräch mit Ihrem Rechtsanwalt und Steuerberater.  

Rohstoffe. Rohstoffe. Rohstoffe: Rohstoff-Guru Jim Rogers läutet wieder zum Einstieg in Rohstoffe, wo es angeblich nur einen Trend geben soll: nämlich nach oben. Spätestens die Finanzkrise hat gelehrt, dass man auch mit Rohstoffen auf die Schnelle auf Kursverlusten zwischen 60 - 80 Prozent sitzen konnte. Wir raten dringend dazu, mit Rohstoff-Engagements keine Klumpenrisiken zu bilden. Auch halten wir Rohstoffe ganz generell für eine fragwürdige Asset-Klasse: Wenn - wie in der Finanzkrise erlebt - die Aktienmärkte fallen, fallen eben auch - wegen schwacher Nachfrage - die Rohstoffmärkte. Insoweit besteht nur eine geringe Korrelation - anders als gemeinhin behauptet. Zumindest gilt das für sämtliche Industrie-Metalle.

Gold: Beim Gold ist die Sache komplizierter. Völlig unabhängig von einer steigenden oder fallenden Nachfrage von Seiten der Wirtschaft könnte sich Gold auf Sicht der nächsten Jahre faktisch zu einer Welt-Reservewährung entwickeln. US-Dollar, Euro oder Yen: All das sind und bleiben Papierwährungen, die beliebig gedruckt/vermehrt werden können. Gold jedoch nicht.

Modetrends: „Modetrends“ sind in erster Linie ein Marketing-Gag der Finanzindustrie, um entsprechende Produkte besser verkaufen zu können. Modetrends wie Wasser/ Wasseraktien, Infrastruktur, alternative Energien etc. beinhalten aus Anlegersicht nur unnötige Klumpenrisiken. Wenn derartige Dinge als Zertifikate und/oder Fonds auf den Markt kommen, ist der entsprechende Trend (sofern er jemals einer gewesen ist) schon lange „gelutscht“. Was für den Kapitalanleger dann übrig bleibt: Überteuerte Klumpenrisiken!

Geschlossene Fonds: Ob fragwürdige Dubai-Fonds, Medienfonds oder jetzt wieder verstärkt Schiffsfonds und Flugzeugfonds. Irgendwas geht immer schief: Entweder floppen die Investitionen oder das Finanzamt erkennt die Verluste (Liebhaberei) nicht an oder die Initiatoren sind mit dem Geld getürmt usw. In jedem Falle sitzt man über Jahre auf unverkäuflichen, bürokratischen Monstern, von denen man ausser dem Wort „Steuerersparnis“ nichts verstanden hat. Auch hier gilt: Unnötige, überteuerte und regelmässig illiquide Klumpenrisiken vermeiden!

Inflation: Als zumindest fragwürdiger Megatrend wird auch die Inflation bis hin zu Währungsschnitten verkauft. Vorsicht daher vor dubiosen „Inflationsschutz“- Angeboten. Japan z. B. hat, trotz jahrelanger Nullzins-Politik, noch immer mehr die Deflation als Inflation zu fürchten! Vor allem: Hüten sollte man sich auch vor Tabellen, die in Prozentpunkten ausweisen, wie sich Inflation, Stagnation oder Rezession auf die unterschiedlichen Anlageklassen auswirken. Da ist dann z. B. zu lesen, dass Aktien im Falle eines „Aufschwungs“ +6 Prozent, bei Stagnation -5 Prozent, bei Depression -35 Prozent und bei Hyperinflation ebenfalls -35 Prozent Wertentwicklung aufweisen.

Solche Prozentzahlen sind der absolute Schwachsinn: Als wenn das nur irgendeiner mit einer solchen Prozentzahlen-Genauigkeit vorhersagen könnte. Zumal man insoweit Erfahrungen aus der Vergangenheit nur bedingt hochrechnen kann. Vielmehr gilt der Grundsatz: Crash-Szenarien sind nur bedingt zu prognostizieren, weil sich nichts (genau) wiederholt - vielleicht ähnlich, aber anders. Wir bleiben daher bei unserer vorsichtigen Prognose wie folgt: Erst langfristig ist mit erhöhter Inflation zu rechnen, aber eben auch nicht mit Hyperinflation. Vom Trend her wird man auf Sicht der nächsten Jahre in Sachwerten (Aktien, Immobilien und Gold) am besten aufgehoben sein - ohne dass wir uns für diese Szenarien mit Prozentzahlen festlegen können und wollen. Flexibel bleiben!


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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