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Veröffentlicht von Redaktion "Geldbrief" am 16.06.2010

Recht vertraulich: Deflation, Inflation, Schuldenschnitt?

Recht vertraulich: Deflation, Inflation, Schuldenschnitt?

Die Inflationsangst ist derzeit das zentrale Thema in den Finanzmedien und bei Kapitalanlegern. Zunächst einmal ist die Angst vor (Hyper-)Inflation verständlich und berechtigt: Es geht ja um unser Geld, unsere Ersparnisse. Die Notenbanken weltweit haben die Märkte nun einmal zur Stabilisierung der Weltwirtschaft mit Liquidität, mit extrem viel Liquidität geflutet – und nach gängigen Lehrmeinungen führt die gestiegene Geldmenge zu Inflation, zu extrem hoher Inflation. Aber Vorsicht.

Die Dinge sind, wie so oft, komplexer und damit differenzierter zu betrachten. Es gibt gewichtige Gründe, warum die aktuelle Geldflutung nicht zwangsläufig und vor allem nicht sofort die Inflationsspirale in Gang setzen muss: Entschuldung durch Inflation: Ein gängiges (und grundsätzlich auch nicht falsches) Argument für hohe Inflationsraten ist, dass sich die staatlichen Schuldner weltweit durch galoppierende Inflation am einfachsten – ohne parlamentarische Mehrheiten etc. – ihrer wachsenden Schuldenberge entledigen können. Die Schulden werden real entwertet. Gutes Geld wird mit schlechtem Geld zurückgezahlt. Nur: Bekanntlich („Schuldenspirale!“) benötigen Staaten immer wieder neues Geld, um ihre alten Schulden zu begleichen. Der Preis wären somit extrem höhere Zinskosten bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen. Ergo: Die weltweite Staatsverschuldung lässt sich allein durch Inflation (bedingt durch die damit unvermeidlich kostspieligere Neuverschuldung) eben nicht so einfach weginflationieren. Und zuvor gibt es natürlich noch die Möglichkeit, „Zwangsanleihen“ (sogar mit niedrigerem Zinscoupon) herauszugeben. Flutung der realen Wirtschaft?: Ferner wird übersehen, dass die „Geldflutung“ in der realen Wirtschaft, geschweige denn beim Verbraucher, gar nicht angekommen ist. Die vielfach gestellte Frage „wie kriegen wir die Zahnpasta zurück in die Tube?“ stellt sich bislang gar nicht. Das Geld zirkuliert im Bankensystem und eben nicht in der "realen Wirtschaft". (Anmerkung: auch und gerade die Banken gehören zur „realen Wirtschaft“!).Unternehmer und Verbraucher, die mit den Banken Kreditverhandlungen führen, können davon ein Lied singen. Aus allem folgt: Das Problem (schleichender) Inflation wird man sorgfältig im Auge behalten müssen. Vieles spricht jedoch dafür, dass die klassische Inflation (steigende Verbraucherpreise) nicht das Problem der nächsten Jahre sein wird. Nochmals: Das eigentliche Problem ist die weltweite Staatsverschuldung. Eine Möglichkeit ist, dass die Staaten versuchen, die wachsenden Schuldenberge „wegzuinflationieren“. Die Versuchung ist gross, aber langfristig ist das keine Lösung (s. o.). Der aktuelle Trend läuft anders: Die weltweiten Schuldenexzesse sind schon lange unbezahlbar. Ob nun China die Schulden der USA stützt, Deutschland und die EU die Schulden von Griechenland, Spanien etc., in der Sache geht es nur um eins: Pleiten werden verhindert/verzögert, indem alte Schulden mit dem Geld aus neuen Schulden beglichen werden. Diese Spirale lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Denken sollte man an die Worte des Ökonomen Heiner Flasbeck im SPIEGEL 17/2009: „Wenn alle pleite sind, ist keiner mehr pleite“ (vgl. Geldbrief 11/2009). Und daher bleibt es dabei, so hart wie es klingt: Die Schuldenexzesse sind definitiv nur über einen Schuldenschnitt (ob das nun Währungsreform, „Hair-Cut“, teilweiser Forderungsverzicht oder was auch immer genannt wird) zu lösen. Und das hat gravierende Auswirkungen für Ihre aktuelle Kapitalanlage. Natürlich, wie an dieser Stelle seit langem thematisiert, ergibt sich daraus zunächst einmal ganz generell der Trend zur Anlage in Sachwerten. Aber Vorsicht: Die Anlage in „Rohstoffen“ gehört nur bedingt dazu, auch wenn „Rohstoff-Päpste“ wie Jim Rogers aus höchstem Eigeninteresse insoweit immer wieder anderes suggerieren und vor einem „regelrechten Inflations-Holocaust“ warnen. Gold ist kein Inflationsschutz, sondern eher als Versicherung gegen Worst- Case-Szenarien zu betrachten. Im Übrigen muss man in Gold „richtig“ investieren. Gleiches gilt für Immobilien und natürlich auch für die grundsätzlich sinnvolle Anlage in Aktien. Der oberste Grundsatz für alles muss lauten: Diversifikation – oder anders und besser ausgedrückt: Klumpenrisiken vermeiden. Dazu mehr in Ihrem nächsten Geldbrief.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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