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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 01.03.2010

R. Stahl: Eine sichere Sache

R. Stahl: Eine sichere Sache

Bei den Unternehmen, die wir in den vergangenen Monaten im Rahmen unserer Empfehlungen vorgestellt hatten, war oft ein ähnliches Muster erkennbar: eine starke Marktstellung, verbunden mit einem dynamischen und profitablen Wachstum bis Mitte 2008, ein tiefer Einbruch der Geschäftsaktivitäten im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise und eine zwar von Fall zu Fall in Stärke und Startzeitpunkt variierende, aber doch schon klar erkennbare Erholung. Gerade im Hinblick auf den letztgenannten Aspekt ist unser heutiger Kandidat, die R. Stahl AG aus Waldenburg in Baden-Württemberg, anders. Denn hier wurde noch für das dritte Vierteljahr 2009 eine Verschlechterung der Umsatzentwicklung gemeldet, auch die bereits bekannt gegebenen Umsatzzahlen für das vierte Quartal deuten allenfalls auf eine Stabilisierung hin. Das Unternehmen, das zu den weltweit führenden Spezialisten auf dem Gebiet des elektrischen Explosionsschutzes gehört, ist ein klassischer Spätzykliker, der konjunkturelle Schwankungen erst mit einer Verzögerung von acht bis zehn Monaten spürt.

130-jährige Tradition Da die bislang gemeldeten Zahlen noch keine klare Besserung signalisieren und selbst das Management in Bezug auf das vierte Quartal vom Durchschreiten der Talsohle spricht, hat sich der Aktienkurs seit dem Tief im März 2009 erst um gut 30 % erholt, bis zum Hoch aus dem Spätsommer 2008 müsste das Papier nochmals um fast 150 % zulegen. Insofern bietet R. Stahl derzeit eine überdurchschnittlich attraktive Chance, wenn erstens die Annahme der konjunkturellen Erholung zutrifft und wenn zweitens das Unternehmen keinen nachhaltigen Schaden in der Krise erlitten hat und deswegen nach deren Überwindung wieder an die vorangegangenen Erfolge anknüpfen kann. Während der erstgenannte Punkt die Grundannahme unserer aktuellen Langfristdepotausrichtung darstellt, lässt auch die bisherige Performance des Traditionsunternehmens, das bereits 1876 gegründet wurde und das sich immer noch zu 53 % in den Händen der Gründerfamilien befindet, eine Fortsetzung des erfolgreichen Expansionskurses erwarten. So ist der Umsatz der Firmengruppe, die in ihrer langen Geschichte u.a. Textilmaschinen und Aufzüge herstellte und die sich seit dem 2005 erfolgten Verkauf der Sparte Fördertechnik ausschließlich auf das heutige Kerngeschäft fokussiert, zwischen 2003 und 2008 von 115 auf 221 Mio. Euro angestiegen, die Vorsteuermarge lag hierbei regelmäßig über 5 %. Die angebotenen Produkte scheinen auf den ersten Blick wenig aufregend: Mess- und Überwachungsgeräte, Steuerungs- und Regelungseinheiten, Energieverteiler, Leuchten und viele weitere elektrische Komponenten, die speziell für den Einsatz in explosionsgefährdeten Umgebungen konzipiert sind. Dementsprechend gehört vor allem die Öl- und Gasindustrie zu den Kunden (z.B. für Bohrinseln oder Raffinerien), aber auch die Chemie- und Pharmahersteller statten ihre Anlagen mit solchen explosionssicheren Komponenten aus. Über eine norwegische Tochtergesellschaft wird ferner auch der Tankerbau beliefert, der zuletzt gerade durch den Boom der Flüssiggasbranche enorm prosperierte. Schließlich erschließen sich dem Unternehmen immer wieder neue Absatzmärkte wie beispielsweise die Biogasanlagen, deren zunehmende Verbreitung einen höheren Bedarf an geeignetem Explosionsschutz impliziert. Umsatzrückgang in 2009 Die Zusammenstellung der Kundenbranchen erklärt die starke Konjunkturabhängigkeit des Geschäfts. Denn wenn die chemische Industrie ihre Anlagen vorübergehend stilllegt oder wenn im Energiesektor neue Projekte aufgeschoben werden, sinkt naturgemäß auch der Bedarf an Explosionsschutzausrüstung. Hinzu kam die bislang einzigartige internationale Synchronität der Rezession, weshalb auch die breite internationale Präsenz – immerhin ist R. Stahl in über 20 Ländern mit Tochtergesellschaften vertreten, der Exportanteil beläuft sich auf rund drei Viertel – keinen ausreichenden Schutz bot. So musste im letzten Jahr insgesamt ein Umsatzrückgang um 9 % auf 208 Mio. Euro hingenommen werden, der Gewinn lag nach neun Monaten mit 3,7 Mio. Euro sogar um 70 % unter dem Vorjahreswert. Im vierten Quartal hat sich der Umsatzrückgang zwar auf 3,6 % abgeschwächt, doch wird dieser Effekt dadurch etwas überzeichnet, dass auch schon die Monate zwischen Oktober und Dezember 2008 von der Krise geprägt waren. Nichtsdestotrotz gibt es inzwischen einige positive Signale. So hat sich im Verlauf des letzten Jahres ausgerechnet der amerikanische Markt stabilisierend ausgewirkt, hier konnte nach neun Monaten sogar ein Drittel mehr (16,8 Mio. Euro) erlöst werden. Auch lag der Auftrageingang über die volle Periode mit 208 Mio. Euro über dem Umsatz. Schließlich konnte das Unternehmen an mehreren Stellen erfolgreich die Kosten reduzieren, ohne dabei die künftigen Wachstumspotenziale einzuschränken. Unter anderem wurde mit den Beschäftigten eine befristete deutschlandweite fünfprozentige Tarifsenkung beschlossen, bei unveränderter Arbeitszeit. Fazit Da auch der operative Cashflow mit 3,3 Mio. Euro (nach neun Monaten) im Plus blieb, ist der Konzern alles in allem relativ glimpflich durch die Krise gekommen. Und da gleichzeitig die Expansionsbemühungen in Asien und Amerika, wo der Marktanteil verglichen mit Europa noch ausbaufähig ist und wo sich die Märkte ohnehin durch eine höhere Dynamik auszeichnen, auch im letzten Jahr fortgesetzt wurden, dürfte eine wieder anziehende Weltkonjunktur rasch zu deutlich steigenden Gewinnen führen. Mit dieser Erwartung nehmen wir die Aktie in unsere Empfehlungsliste auf.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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