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Veröffentlicht von Der Goldreport Ltd am 21.06.2013

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 21.06.2013:

Börsenbrief Der Goldreport
Der Goldreport

Der Goldreport Ltd - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2003

QE: Erst die Diät und dann das „große Fressen“?

Die vergangenen Monate waren alles andere als einfach, doch das muss ich Ihnen nicht erzählen. Der Goldpreis hat von seinem Top rund 33% verloren, noch schlimmer hat es die Minenaktien erwischt. Sicherlich fragt man sich im Nachhinein, warum man so lange zugeschaut hat. Doch es gibt Gründe, warum wir in Gold investiert sind und die Grundlage dieser Investmententscheidung hat sich bislang in nicht zum schlechteren gewendet. Die FED hat zig Milliarden von frisch gedruckten Dollars in das System gepumpt und macht es auch weiterhin. Einen Plan, wie sie diese Liquidität wieder abzieht kann, hat sie nicht. Ein Problem ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, welche zuletzt noch sehr langsam war. Dennoch wurde die Geldmenge massiv erhöht, ohne dass eine Wirtschaftsleistung dagegensteht.

Die Abwertung der Weltwährungen und eine massive Inflation ist nur eine Frage des „wann“ nicht des „ob“. Lieber Monate zu früh investiert, als eine Sekunde zu spät! 

Wenn wir uns die Märket in den vergangenen Stunden betrachten, so senden sie ein klares Signal an die US-Notenbank FED! Es kommt zu heftigen Bewegungen in allen Anlageklassen und die Zinsen steigen deutlich an.

Dieses Verhalten haben wir schon einmal erlebt, als das erste QE-Programm ausgelaufen ist. Die Aktienmärkte fielen in kurzer Zeit deutlich ab und die Marktteilnehmer setzten die US-Notenbank somit unter Druck:



 

Nicht nur die Staatsfinanzierung wird durch die steigenden Zinsen belastet, auch dem US-Immobilienmarkt wird dies nicht gefallen. Bedenken Sie, dass die US-Hauskäufer und Hausbauer keine langfristigen Kreditverträge abschließen, wie wir sie in Europa kennen. Es gibt kaum Zinsbindungen über 10 Jahre oder länger. Steigen die Zinsen, steigt die monatliche Belastung und schnell erleben wir das, was wir schon einmal erlebt haben! 

Die FED hat mit den Dauerniedrigzinsen dafür gesorgt, dass sich die US-Immobilienpreise wieder deutlich erholt haben. Doch dass genau diese Immobilienblase der Anfang vom Ende war, wurde schon wieder vergessen. Stattdessen feierte die WALLSTREET die wieder gestiegenen Bewertungen im Immobiliensektor. Hierzu möchte ich Ihnen den PHILADELPHIA Housing-Index zeigen. In den vergangenen 2 Handelstagen (!) hat dieser Index 8,50% verloren und seit Mitte Mai 15,51%:



Betrachten wir uns diesen Index langfristig, so sehen Sie, das Platzen der Immobilienblase im markierten Abschnitt. Jedoch sehen Sie auch, dass wir uns aktuell bereits wieder auf einem Niveau befinden, welches wir vor dem Platzen der Blase hatten:



 

Damit ist klar, dass die FED den steigenden Zinsen nicht lange zusehen kann. Aus unserer Sicht hat die FED die Straffung der Anleihekäufe angekündigt, um zwei Punkte zu bewirken. Zunächst soll etwas Luft aus den aufgeblasenen Aktienmärkten abgelassen werden. Dieses Ziel wird sie erreichen. Zum anderen muss sich die FED aus dem Schussfeld der vielen Kritiker zurückziehen. Die Stimmen wurden immer lauter, dass man kein QE mehr braucht, wenn sich die US-Wirtschaft doch „so toll erholt“. Auch von der Immobilienfront gab es nur gute Neuigkeiten und wie Sie am Index sehen können, hat sich der Häusermarkt seit 2009 massiv erholt. Viele rechnen sich also derzeit wieder reicher, wie sie eigentlich sind. Die Kritik an der sehr lockeren Geldpolitik der FED ist also zu laut geworden und mit der Ankündigung, eventuell vom Gas zu gehen, hat man sich dem Druck der Kritiker gebeugt. 

Nun wird es aber so sein, dass diese Kritiker in den eigenen Reihen und von außerhalb sehr schnell sehen werden, was bereits bei einer eventuellen Drosselung der Anleiheaufkäufe mit den Märkten passiert. Die Aktien verlieren deutlich, die Zinsen steigen stark und plötzlich droht auch der wieder erstarkte Immobiliensektor erneut ins Wanken zu geraten! Zudem machen sich mit fallenden Asset-Preisen deflationäre Tendenzen breit, die jeder Zentralbanker, Analyst und Ökonom hasst, wie der Teufel das Weihwasser! 

Die FED erreicht damit genau das, was sie wollte. Sie hat sich dem Druck des Marktes gebeugt (obwohl die Anleihekäufe derzeit noch unvermindert weitergehen) und der Markt quittiert diesen Schritt mit den oben angeführten Bewegungen. Bald werden die Kritiker verstummen und erkennen, dass sowohl die US-Wirtschaft, also auch die Märkte mit dieser Situation nicht umgehen können.

 

Einige schlechte Wirtschaftsdaten später und einige hundert Punkte tiefer an den Aktienmärkten wird dann der nächste große Hilfeschrei kommen! Die Kritiker werden zurückrudern müssen und die FED um mehr finanzielle Unterstützung anbetteln. Dann hat die FED genau das erreicht, was auf dem Plan stand. Sie hat Willen gezeigt, die Märkte sich selbst zu überlassen und das Experiment ist nur durch die Ankündigung fehlgeschlagen. Somit erhält sie anschließend den Freibrief, zu tun und zu lassen was sie möchte, um die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Asset-Klassen wieder auf Vordermann zu bringen. 

Man kann die Situation aktuell mit einem stark übergewichtigen Patienten vergleichen. Der Arzt setzt ihn gegen seinen Willen auf eine strenge Diät, da sein Übergewicht lebensbedrohlich ist. Durch das starke Kaloriendefizit nimmt er zwar ab, doch er ist unzufrieden. Er merkt, dass der Verzicht nichts für ihn ist und die Freude am Essen und Leben verloren geht. Als er dann mit der Diät ordentlich Kilos verloren hat, erfasst ihn das Fressfieber. Sein Körper war ausgehungert und ist nur noch im Sparmodus gelaufen. Als seine Zellen verstanden haben, dass eine „Dürreperiode“ mit wenig Essen auf ihn zukommt, fuhr dieser die Systeme herunter. Als dann aber wieder genug Nahrung zur Verfügung stand, signalisierte der Körper, dass er sich jetzt derart viele Vorräte ansammeln muss, da es ja wieder zu einer „Dürreperiode“ kommen könnte. Nach einigen Wochen wog der Patient dann mehr als zuvor und sein Körper hat sich einfach die Vorräte angelegt. 

Die FED hat den Märkten, zumindest psychologisch, eine Diät auferlegt. Obwohl noch genügen Nahrung zugeführt wird (Anleiheaufkäufe laufen weiter, Zinsen bleiben niedrig) hat das Gehirn Angst vor dem Nahrungsentzug. Doch nach dieser vermutlich kurzen Diät, wird das „große Fressen“ kommen und die FED wird den Märkten Unmengen an Liquidität bereitstellen!

Der Goldpreis fiel gestern wie Butter durch die Unterstützung bei 1.320 USD und notierte auch kurzzeitig unter 1.280 USD. Diese wichtige Marke wurde heute zwar zunächst zurückerobert, doch noch wäre es zu früh um Entwarnung zu geben. Der Goldpreis befindet sich klar in den Bärenklauen und die Bullen sucht man vergebens. Wir bleiben also wie in den vergangenen Wochen weiterhin vorsichtig mit Investments und die Entscheidung, noch keine Positionen zu kaufen, hat uns viel Geld gespart.



 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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