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Veröffentlicht von BörseGo AG am 31.05.2012

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 31.05.2012:

Börsenbrief Gold- & Rohstoff-Report
Gold- & Rohstoff-Report

BörseGo AG - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2002

Platin: Sonderangebote beim Goldhändler

Der Preis für eine Feinunze Platin ist in den vergangenen 13 Wochen um 13 Prozent günstiger geworden: Dabei hat sich der Discount zu ein- und derselben Menge an Gold zuletzt wieder auf fast 140 USD erhöht. Im März 2008 kostete eine Unze Platin noch 1200 USD mehr, als eine Unze Gold. Die Ursache für diese Umkehrung dieses Verhältnisses – Platin war jahrzehntelang teurer als Gold – ist in Japan zu finden.

 

Der japanische Schmuckkäufer ist ein Phänomen: Nirgens auf der Welt bevorzugen Schmuckkäufer den eigentlich teureren Platinschmuck gegenüber dem Goldschmuck. In Japan ist das anders: Dort betrachtet man Platin als ein wertvolleres Metall, jedenfalls war das noch bis vor drei Jahren der Fall. Japanische Schmuckkäufer hatten große Mengen an Platinschmuck gekauft, mussten aber während der Finanzkrise mit ansehen, wie der Börsenwert einer Unze Platin von rund 2100 USD bis auf unter 800 USD einbrach. Viele nutzten die Erholung des Preises im Jahr 2011 bis auf 1900 USD, um ihren Platinschmuck schleunigst wieder zu verkaufen. Die Angst vor einem erneuten Preiseinbruch war einfach zu groß. Das löste einen Schub des sekundären Platinangebots in Japan aus, was das Land am Nippon urplötzlich zu einem großen Platinexporteur werden ließ. Dieses überraschende Überangebot an Platin verkehrte das Preisverhältnis von Gold und Platin.

Im Nachhinein stellt sich die Vorsicht der Japaner als richtig heraus: Die Preise sind seit Mitte des Jahres 2011 von 1900 USD auf mittlerweile nur noch knapp über 1400 USD gefallen – ein Rückgang um ein Viertel. Die Mitte Mai in London abgehaltene „Platinwoche“, bei der sich alles versammelte, was im Platinsektor Rang und Namen hat, lieferte eine gute Erklärung für diesen neuerlichen Preisrückgang: Jeder war sich im Grunde einig, dass das Angebot am Platinmarkt in diesem Jahr die Nachfrage übersteigen wird. Laut dem britischen Chemiekonzern Johnson Matthey betrug das Überangebot an Platin im vergangenen Jahr bereits 430,000 Unzen.

Gibt es 2012 einen erneuten Angebotsüberschuss?
Zum einen ist es unsicher, wie die südafrikanischen Platinproduzenten im zweiten Halbjahr mit wachsenden Lohnforderungen der Minenarbeiter zurecht kommen werden. In diesem Jahr wurde die Rustenberg-Mine von Impala Platinum bereits sechs Wochen durch Streiks lahmgelegt. Der Produktionsverlust: 120,000 Unzen. Außerdem machen gut die Hälfte der Platinproduzenten in Südafrika bei Preisen um 1400 USD Verluste. Das zeigen übereinstimmende Schätzungen von verschiedenen Stellen. Das legt nahe, dass viele sich zweimal überlegen werden, auf hohem Niveau weiter zu produzieren. Beide Faktoren – Streiks und die Grenzkosten – stellen die Prognose für ein Überangebot zumindest in Frage.

Ob es ein Überangbeot an Platin geben wird hängt auch von der weiteren Entwicklung der Investmentnachfrage ab. Platin-ETFs, die physisch hinterlegt sind, sammelten seit Jahresbeginn bereits 63,000 Unzen des silbrigen Edelmetalls ein. Viele Investoren könnten damit auch darauf wetten, dass die japanischen Exporte irgendwann wieder abebben werden und der Platinpreis wieder über den Goldpreis steigen wird. Ob die Investmentnachfrage weiter anhalten wird, könnte aber von zwei Faktoren abhängen: Zum einen wird 60% des weltweit jährlich geförderten Platins in der Automobilbranche zur Katalysatorherstellung verwendet.

Wenn die Weltwirtschaft aufgrund der konjunkturellen Schwäche in China und einer möglichen Eskalation der europäischen Schuldenkrise keine Erholung in der zweiten Jahreshälfte erführe, bräche die industrielle Platinnachfrage ein und es wäre eher damit zu rechnen, dass noch mehr Menschen ihren Platinschmuck zum Einschmelzen geben werden. Damit könnte sich das Überangebot noch dramatischer erhöhen.

Ein Investment in Platin ist also eine Wette darauf, dass sich die weltweite Konjunktur wieder stabilisieren kann. Und last but not least spielt natürlich auch der Goldpreis eine Rolle. Sollte Gold seine Korrektur über der Marke von 1525 USD bereits abgeschlossen haben und würde es nun zu einer Aufwärsbewegung ansetzen, könnte dies Platin mit stützen. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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