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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Report" am 17.12.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 17.12.2010:

Börsenbrief Gold- & Rohstoff-Report
Gold- & Rohstoff-Report

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Ölpreise bald wieder dreistellig?

Für Öl-Investoren war 2010 ein relativ ereignisloses Jahr. Eine zunehmende Verknappung des Angebots spricht nun aber für aufregendere Monate im neuen Jahr. Die Ölpreise könnten in den kommenden Monaten wieder dreistellig werden.

Dafür spricht schon, dass der gesamte Energiekomplex im Jahr 2010 ein Underperformer war. Agrargüter und Metalle entwickelten sich deutlich besser. Rohstoffe haben die Eigenschaft, um ihre langjährigen Durchschnitte zu tendieren. Von dieser Warte aus betrachtet ist es jetzt also günstig, Energie zu kaufen, und Agrargüter zu verkaufen. Für Energie sprechen auch die konjunkturellen Zyklen. Seit dem Ende der Rezession ist in den USA schon wieder einige Zeit vergangen, sodass wir davon sprechen können, dass wir uns dem zyklischen Mittelpunkt der Konjunkturerholung nähern, und in dann werden Energietitel wieder besonders gefragt. BU: Chart 1: Underperformer Energie-Rohstoffe (Quelle: Barclays) Auch im November 2010 stieg der chinesische Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes an - auf saisonbereinigte 55,2 Punkte, nach 54,7 Punkten im Oktober. Das war der vierte Monat in Folge mit Zugewinnen. Weiterhin sind keine Hinweise auf einen Einbruch beim wertschöpfenden verarbeitenden Gewerbe in China sichtbar, auch wenn dies von Analysten im Westen immer wieder behauptet wird. Eine harte Landung, die für Chinas Konjunktur immer wieder prognostiziert wird, deutet sich bei diesen Daten nicht an. Die Ölnachfrage dürfte in diesem Jahr einen neuen historischen Höchststand bei 212 Millionen Tonnen erreichen, nach 203,8 Millionen Tonnen im Rekordjahr 2009. Da auch die Konjunktur in den USA und Europa sich erholt, dürfte nicht mehr allzu lange Zeit vergehen, bis der erstmals seit vielen Jahrzehnten sichtbare Einbruch der Ölpreise (Finanzkrise) wieder vollständig ausgeglichen sein wird. Auch in Europa und den USA wächst die Nachfrage, zum einen konjunkturbedingt, zum anderen bedingt durch den ungewöhnlich kalten Winter. Die Lagerbestände sind auf niedrigem Niveau und könnten in den Industrieländern im ersten Quartal auf ein neues Jahrestief fallen. Sie wären wahrscheinlich noch niedriger, hätte es die „Floating Storage“- Bestände nicht gegeben. Im ersten Quartal 2009 hatten zahlreiche Großbanken und Investoren, darunter auch JP Morgan, Öltanker angemietet und sich Öl zu einem Preis von rund 35 Dollar liefern lassen. Zeitgleich verkauften sie das Öl ein Jahr im Voraus an einer Öl- Terminbörse. Dort wurden die Preise ein Jahr in die Zukunft bei 60 Dollar gehandelt – ein phantastisches Geschäft. Bis das Öl geliefert werden musste, wurde es einfach im Öltanker gelagert. Diese schwimmenden Lagerbestände – fast 140 Millionen Barrel – halten aber nicht ewig, besonders nicht, wenn sie vor asiatischen Häfen vor Anker liegen. Der Chefvolkswirt von BP rechnet damit, dass die schwimmenden Lagerbestände bis zum zweiten Quartal vollständig aufgebraucht sein werden. Dies wiederum dürfte die OPEC-Restkapazitäten im Jahr 2011 wieder zu einem Thema werden lassen. Die OPEC fördert nicht am absoluten Maximum, sondern bildet Ausfallkapazitäten für den Fall von Umweltkatastrophen wie zum Beispiel den Hurrikans im Golf von Mexiko. Die Ausfallkapazitäten dienen dem Markt also als Sicherheitspuffer. In Zeiten, in denen die Kapazitäten hoch sind, ist der Ölmarkt für gewöhnlich relativ ruhig, in Zeiten, in denen die Ausfallkapazitäten sehr niedrig sind, steigt entsprechend auch die Nervosität. In diesem Jahr liegen die Ausfallkapazitäten knapp unter 5 Millionen Barrels/Tag – ein Vergleich: Die weltweite Ölnachfrage 2010 wuchs um 2,5 Millionen Barrels/Tag und wird 2011 erneut um 1,3 Millionen Barrels/Tag zulegen, schätzt die Internationale Energieagentur. Die Internationale Energieagentur berät alle Industriestaaten in Energiefragen. Sie ist es auch, die nun davor warnt, dass das Zeitalter des günstigen und leicht zu gewinnenden Öls vorüber ist und dass die Zeit gekommen sei, neue Quellen im großen Stil zu erschließen. Doch – da scheint sich das Ölkartell OPEC, das für 40% des weltweiten Ölangebots steht, einig – unter 100 Dollar pro Fass Öl werden sie keine neuen Felder erschließen. Rafael Ramirez, der Ölminister Venezuelas, wurde jüngst zitiert, dass er 100 Dollar pro Barrel als „fair“ für Produzenten wie Abnehmer ansieht. Saudi Arabiens König Abdullah will keine neuen Ölprojekte mehr unter 100 Dollar pro Barrel in Auftrag geben (wenn Sie dieses Thema vertiefen möchten, finden Sie mehr dazu auf http://www.godmode-trader.de/nachricht/Zukuenftige-OElfoerderung- Umdenken-im-Koenigshaus-Saud-Brent-Crude-Oel-WTI,a2363528.html). Gerade jetzt wird aber mehr Öl benötigt. Die IEA machte dies in ihrem neuen „World Energy Outlook“ klar, wie in der Grafik zu sehen ist. Die hellblaue Fläche ist „Öl, das noch erschlossen oder gefunden“ werden muss, um die nachlassende Produktion bestehender Felder auszugleichen. Im Jahr 2011 werden Anleger stärker noch als in diesem Jahr auf die Fundamentaldaten von Rohstoffen achten müssen. Bis zur Jahresmitte 2010 schielten Anleger mit einem Auge immer noch auf die Konjunkturerholung, wenn sie Investitionsentscheidungen am Rohstoffmarkt tätigten. Sie gewichteten dabei die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stärker, als die Fundamentaldaten der einzelnen Rohstoffe, wie in Chart 6 zu sehen ist. Alle Rohstoffe tendierten quasi gleich. Seit der Jahresmitte 2010 ist nun aber ein Auseinanderdriften zu beobachten.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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