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Veröffentlicht von Redaktion am 11.01.2012

Neue Rubrik: Nachhaltiges Investieren...

Neue Rubrik: Nachhaltiges Investieren...

Im Krisenticker finden Sie diesmal einen kurzen Hinweis auf den Film „Thrive“ , den der Procter & Gamble-Erbe Foster Gamble produziert hat. Darin geht es unter anderem um das Thema Freie Energie, mit dem sich der serbische Erfinder Nikola Tesla vor etwas mehr als 100 Jahren ausführlich beschäftigt hat.

 

Nach dem genialen Erfinder ist heute die physikalische Einheit der magnetischen Flussdichte, das Tesla (T) benannt. Mitunter wird Nikola Tesla als der „größte Erfinder aller Zeiten“ bezeichnet. Das hat Gründe: Tesla ist der Entdecker von Drehstrom und Wechselstrom, die im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug rund um die Welt antraten. Die gesamte heutige Energieversorgung wäre ohne diese Entdeckungen undenkbar.

Teslas eigentliches Streben aber galt der „Freien Energie“, die der Erfinder allen Menschen kostenlos zur Verfügung stellen wollte. Das Problem war nur: Als Geldgeber JP Morgan von dieser Absicht erfuhr, wurde das Projekt sofort eingestellt. Weil sich mit so einem „Wohltätigkeitsprojekt“ natürlich nichts verdienen lässt, wurden alle Versuchsanlagen, die Tesla aufgebaut hatte, in die Luft gesprengt, alle Unterlagen wurden vernichtet.

Heute sind Ölkonzerne und Energieversorger, der größte Industriezweig der Welt, aus den gleichen Gründen nicht daran interessiert, dass solche Dinge bekannt werden. Bislang hat man das auch erfolgreich verhindert. Doch womöglich ist die Finanzkrise auch dabei hilfreich, solche Projekte wieder zu beleben.

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine kostenlose Energieversorgung noch zu unseren Lebzeiten Realität wird, aus heutiger Perspektive nicht übermäßig groß. Vermutlich werden einige Jahrzehnte vergehen, ehe sich derart revolutionäre Gedanken durchsetzen können – wenn es überhaupt dazu kommt.

Viel wäre aber auch schon erreicht, wenn die Menschen zu nachhaltigen Formen des Wirtschaftens finden würden. Die Forstwirtschaft macht es vor: Wenn in einem Wald nur so viele Bäume gefällt werden, wie später nachwachsen können, entsteht ein geschlossener Kreislauf, der dauerhaft funktioniert. Auch die Idee des „cradle to cradle“, von der Wiege bis zur Wiege, entspringt dem Gedanken der Nachhaltigkeit.

33: Die prachtvolle und verschwenderische Natur als Vorbild für künftige For men des Wirtschaftens? Der Eisvogel wird auch fliegender Edelstein genannt...

Eine Konsumund Wegwerf-Gesellschaft, die Rohstoffe nur verbraucht und dabei Energie verschwendet und Müllberge produziert, ist ein Konzept von gestern. Die Zukunft jedoch muss, und sie wird anders aussehen. Dabei könnte die Natur

unser Lehrmeister sein: Dort wird nichts verschwendet, alles wird später wieder verwertet – und dennoch sind die Dinge von einer Pracht und Schönheit, die industriell gefertigten Produkte vergleichsweise alt aussehen lassen.

34: Der prachtvolle Indigofink ist in den USA und Kanada beheimatet. Allerdings nur im Sommer. Der Prachtkerl überwintert in der Karibik und in Mittelamerika....

Sparen und Konsumverzicht, und das ist das Überraschende, muss dabei nicht im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Ganz im Gegenteil: Wie die Natur kennt „Cradle to cradle“ weder Abfall, noch Verzicht und auch keine Einschränkungen. In geschlossenen Kreisläufe kann es per Definition keine Verschwendung geben.

Was ist neu daran? Bislang galt Recycling, also die Wiederverwertung bereits benutzter Produkte, als Schlüssel für umweltbewussten oder nachhaltigen Kon sum. Allerdings werden dabei Stoffe auf einem niedrigeren Qualitätsniveau gewonnen als bei der ursprünglichen Nutzung. Klassisches Recycling produziert daher minderwertige Stoffe und kann so im schlechtesten Fall sogar zur Belastung werden.

Beim viel gelobten Papierrecycling etwa entstehen große Mengen giftiger Papierschlämme, die verbrannt werden müssen. Im Schlamm sammeln sich Schwermetalle aus Druckfarben, Weichmacher und Bleichmittel. Auch Recyclingtoilettenpapier belastet das Abwasser mit Schwermetallen.

Ziel von Cradle-to-Cradle-Verfahren sind dagegen Produkte, die entweder biologisch abbaubar (also kompostierbar) oder vollständig recyclingfähig sind und so als Ausgangsstoffe für neue Güter dienen. Bei diesem so genannte „Upcycling“ werden Produkte nicht mehr verbraucht und am Ende ihres Lebenszyklus verschrottet. Upcycling verspricht Produkte, Komponenten und Rohstoffe mit grundsätzlich unbegrenzter Lebensdauer. Produkte, die vorausschauend in Wertschöpfungskreisläufen (und nicht in Wertschöpfungsketten) hergestellt werden, haben „mehrere Leben“, sie werden nicht zu teurem Müll und helfen dabei, knappe Rohstoffe effizient einzusetzen. Man könnte es als intelligente Nachhaltigkeit bezeichnen.

Das Prinzip ließe sich auf alle möglichen Produktionsprozesse übertragen. Wenn über biologische und technische Nährstoffkreisläufe die richtigen Materialien zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt werden, müssen keine Abfälle mehr entstehen. Beispiele gibt es bereits. Ganze Containerschiffe werden schon nach derartigen Grundsätzen hergestellt: Das Prinzip ist denkbar einfach und lässt sich vor unserer Haustür am Beispiel der Natur beobachten: Die Blüten eines Kirschbaumes etwa fallen im späten Frühjahr als „Abfälle“ zur Erde, wo sie abgebaut und somit wieder zur Nahrung für andere Organismen werden. Mikroben ernähren sich von den Blüten und deponieren Nährstoffe im Erdboden, die dem Baum später erneut zugute kommen. So geht nichts verloren.

Allerdings darf man einen Punkt nicht übersehen: In Beispielen wie diesen geht es nicht nur um einen einzelnen Kirschbaum, dessen Blüten später zu Humus werden. Das gesamte Ökosystem hängt über zahllose Wechselwirkungen voneinander ab. Es ist daher vielleicht eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte, dafür zu sorgen, dass auch Wirtschaftsprozesse einander ergänzen und voneinander abhängen. Um dieses Ziel zu erreichen, steht nicht weniger an, als die Herkulesaufgabe, das gesamte Wirtschaftssystem umzubauen. Mit der Energieversorgung ist es das Gleiche. Auch hier haben die alten Modelle ausgedient. Die erste industrielle Revolution wurde vorwiegend durch fossile Brennstoffe vorangetrieben, die vor Jahrmillionen entstanden waren. Auch die Atomenergie schafft hochgefährliche Verpflichtungen für kommende Generationen. Energieversorgungssysteme dagegen, die durch nachhaltige Modelle wie Sonne oder Wind betrieben werden, nutzen die Energie von heute, ohne die Zukunft von morgen zu belasten. des Wirtschaftens befinden. Das kann nachhaltiges Wirtschaften sein, bei dem erneuerbare Energien eine Rolle spielen, ein besonders sparsamer Umgang mit den Ressourcen, oder aber echte „cradle-to-cradle“-Projekte, bei denen im Idealfall gar keine Abfälle mehr anfallen. Hierfür gibt es bereits erstaunlich viele Beispiele. So hat etwa der deutsche Bekleidungshersteller Trigema vor einiger Zeit die ersten voll kompostierbaren Textilien entwickelt:

http://www.trigema.de/shop/page/kompostierbar_page/detail.jsf

Um die Entwicklung geschlossener und rückstandsfreier Produktionsprozesse hat sich in den vergangenen Jahren insbesondere der deutsche ChemieProfessor Dr. Michael Braungart verdient gemacht. Der Mitbegründer der Grünen und Unterstützer von Greenpeace arbeitet heute als wissenschaftlicher Geschäftsführer der EPEA Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg und leitet das Hamburger Umweltinstitut (HUI).

Seine Visionen werden nachfolgend ausführlich beschrieben:

http://www.braungart.com/visionDE.htm

Braungart provoziert Umweltschützer gerne mit der Feststellung, dass es sich bei Cradle-to-Cradle um eine Form der „intelligenten Verschwendung“ handele, weil der Mensch mit Verzichtsappellen nicht zu motivieren sei, und damit um ein Konzept, das den Menschen nicht als potenziellen Zerstörer des Planeten anklagt. Cradle-to-Cradle verfolge deshalb einen menschenfreundlichen und realistischen Ansatz.

Die zentrale Forderung ist jedoch: Um eine lebenswerte Zukunft auch für unsere Kinder zu gestalten, müssen wir intelligenter produzieren. Das erfordert den Abschied von altbewährten Geschäftsmodellen.

Weil wir davon überzeugt sind, dass jenen Unternehmen die Zukunft gehört, die nachhaltig wirtschaften, werden wir uns im Antizyklischen Börsenbrief künftig noch öfter mit diesen Zukunftsthemen beschäftigen und Ihnen entsprechende Investitionschancen vorstellen. Zum Beispiel einen bayerischen Hersteller von Abfüllanlagen: 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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